Wer, woher, wohin?

kanekAnscheinend erinnert Kanek uns an dieses Scheißgefühl. Dieses Gefühl, das sich halt scheiße anfühlt und das eben...ja, was denn eigentlich? Aber Kanek schafft es mit seinen Songs genauso, uns nach vorn zu bringen.
Auch die neue Single "Trigger" ist unaufhaltsam in dein Ohr und Hirn unterwegs. Und wirkt wohlvertraut. Und tut gut. Und haut dich raus. „Ich habe das Gefühl, dass ich nicht der Einzige bin, der in einer Zeit, in der so vieles im Umbruch scheint, so viele gesellschaftliche Strukturen hinterfragt und diskutiert werden, überfordert ist“, sagt der Berliner Musiker und bietet mit "Trigger" Hilfe an.
Der aktuelle Song ist nun schon der dritte, der Kaneks Debüt-EP ankündigt, die irgendwann in diesem Jahr noch erscheinen soll.

Mein Eindruck: Das Warten wird sich lohnen!

instagram.com/kanek

Foto: Rebecca Krämer

 

Im Schlaf

Josi Miller ist bereits seit Ewigkeiten als DJ unterwegs. Doch erst jetzt hat sie ihr Debütalbum fertiggestellt. Es erscheint am 24 Oktober beim Grönemeyer Label Grönland. Daran hat gebürtige Leipzigerin lange schon gearbeitet. Nun ist es endlich endproduziert. Es wird "4 stages of sleep" heißen und Einflüsse von Electronica, Breakbeat und Pop enthalten.
Vorab erscheint der Track "You have a drug problem" und zeigt exemplarisch die Bandbreite von Josi. Was als hektisch-nervöses Beatmonster beginnt wird später von Josi schön runtergekühlt und erscheint auf einmal als entspannter loFi-House.

instagram.com/yoc_california

Kurz vor Sonnenaufgang

Es ist diese Musik, um eine lange Nacht abzuschließen. Musik, die ein elegante Vison der modernen Welt transportiert. Es wirkt ein wenig bedrohlich, aber irgendwie auch bewegend und anziehend. Schwere Beats, an DnB erinnernd, broken beats, die 80er in London.
All das packen Nosaj Thing und Jacques Greene in ihre Musik, die sie ab sofort unter dem Projektnamen Verses GT veröffentlichen. Am 12. September erscheint das Debütalbum von Verses GT bei Luckyme und die beiden Protagonisten kündigen eine Welttournee für den Herbst an. Eine Tour durch Metropolen, in die solche Musik am besten zu passen scheint. New York, San Francisco, Tokio, Berlin, London.
Seid ihr cool und Metropolist? Dann ist Verses GT etwas für euch.

versesgt.com

Nur mit Sonnenbrille

Rosmarin könnte man wegen des Namens für eine Band halten, die diese Boomer entertaint, die allsommerabendlich bei ihrem persönlichen Italiener hocken und sardische Pasta genießen. Die verspieglte Sonnenbrillen tragen und und ihre Jeans knöchelfrei hochkrempeln. Doch Rosmarin hat derart wirkliche coolness, für die Boomer am liebsten sterben würden.
Die Band aus Kassel wurde bereits als hessische Antwort auf Bilderbuch gehypt. Doch da ist mehr. Neben lässigem Disco-Funk-Indie-Pop-Sound steht eine großartige Verspieltheit sowie der Mut, einen Song auch um die Ecke zu denken und dennoch echt catchy zu klingen. "Ich würd' gerne wissen, wo mein Feuer liegt, ist auch egal, ich rauch' ja nie", ist deshalb pure Koketterie, denn die Jungs stecken musikalisch alles in Brand.
Das ist Musik für die richtigen Leute!

instagram.com/rosmarinband

 

Glatzköpfiger Dub

sherwood collapseAls Lee "Scratch" Perry einmal gefragt wurde, ob er wieder mit Adrian Sherwood zusammenarbeiten werde, antwortete der Madman: "Nein, der hat eine Glatze" (R. Wynands: Do the Reggay, 1995). Scratch hat seine damalige Aussage glücklicherwesie nicht wahrgemacht und so konnte Sherwood im Jahr 2019 Perrys letztes reguläres Werk "Rainford" zu absoluter Klasse produzieren.
So wie es Adrian Sherwood seit Jahrzehnten immer tat. Mit seinem On-U Label hat er dem Reggae und Dub neue Facetten eingeschliffen, aber genauso Pop- und Rockgrößen wie Depeche Mode, Blur, Nine Inch Nails und so vielen Anderen perfekte Sounds produziert.
Eigene Musik hat Sherwood nur spärlich veröffentlicht. Doch nun ist es wieder soweit. Nach 13 langen Jahren gibt es im August wieder ein eigenes Album. Für "The collapse of everything" hat sich der umtriebige Produzent mit alten Weggefährten zusammengetan und und sauber konstruierte Sounds entworfen. Selbstverständlich klingt es nach Dub, doch ist es letzlich ein weitgespannter Soundtrack, der neben feisten bass lines auch Streicher und Querflöten enthält. Adrian versuchte nach eigener Aussage, für das neue Album "einen Soundtrack zu machen, der all die Dinge umfasst, die ich mag, einschließlich guter Musikalität, Dub-Techniken und auch guter Rhythmen."
Am 22. August könnt ihr beurteilen, ob es gelungen ist. Hier sind beiden ersten vorveröffentlichten Tracks bereits probezuhören: adriansherwood.bandcamp.com/album/the-collapse-of-everything

Wenn die Harfe leise flüstert

Bzhezhinska whispersAlina Bzhezhinska ist kein Name für eine weltumpannende Karriere in der Popmusik, weil in aller Regel nur Leute wissen, die selbst Burzinski, Lubienetzki oder Gajewski heißen, wie der Name Bzhezhinska ausgesprochen wird. Und möglicherweise sind es auch nur diese Menschen, die sich erinnern können, dass es in den 1980er einen Musiker gab, der aus der Schweiz kam und die Harfe in die Popwelt salonfähig machte. Andreas Vollenweider war sein Name und Alina ist nun mehr als eine würdige Nachfolgerin.
Der Sound, den Bzhezhinska im Zusammenspiel mit Tulshi produziert ist contemporary, bluesinspiriert, versehen mit coolen Beats und nur entfernt an Vollenweider erinnernd. Doch im Kern ebenso überraschend wie Vollenweiders Musik es damals war.
So wie man manches Mal Blues zu erkennen meint, fühlt man sich bei Alinas Spiel auch an die afrikanische Kora erinnert. Die Frau kann leise genauso gut wie opulent und allermeistens hört es sich einfach fantastisch an.
Das neue Album von Alina Bzhezhinska heißt "Whispers of rain" und erscheint am 11. Juli bei Tru Thoughts. Derzeit sind nur live dates in England angekündigt, aber ich habe die Hoffnung, Allina in diesem Jahr bei irgendeinem Jazzfestival auch in Deutschland sehen zu können.

alinahipharp.bandcamp.com