Welche Pracht!

Die Communions aus Kopenhagen sind seit längerem fester Bestandteil der dänischen Musikszene. 2014/15 gab es zwei EPs, 2017 dann das Album und jetzt erneut neues Material. Die Single "Splendour" wartet mit prachtvollen GItarren auf, die auch mal durch den Vocoder gejagt werden, und dazu mit einem Killer-Refrain. Die Band der beiden Brüder Rehof verbindet Gitarrenpop und Indie mit Oberstufen-Punk. Das hat phasenweise Retrocharme, zeigt sich aber in weiten Teilen sehr vielseitig.
Die Communions sind nun beim Label Tambourhinoceros untergekommen und versprechen uns ein neues Album für den Jahresbeginn 2021. Mads und Martin werden live von drei Kumpels unterstützt und hoffen natürlich, das neue Album in der Besetzung im neuen Jahr auch leibhaftig der Welt vorstellen zu können.

www.instagram.com/communions.band

Weit und breit kein Pferd auf dem Flur

Es sind eher die ganz kleinen, filigranen Wesen, die Martin Kohlstedts neues Album "Flur" bevölkern. Feine Musik, spinnwebengleich, pure Melodien, Piano solo. Kohlstedt hat die 10 Stücke des Albums auf verschiedenen Klavieren eingespielt und tatsächlich nur auf diesen. Für die Live-Aufnahmen hat er die Instrumente auf Balkon, im Flur, am Strand, in seiner Weimarer Wohnung oder inmitten einer Wiese plaziert, wodurch etwas wie field recordings hinzukommt, so dass sich Wind und Vögel organisch einfügen in die Kompositionen.
"Flur" ist daher ein sehr mutiges Album geworden. In Zeiten, in denen die Bässe aus jeder Karosse wummern und besonders Lautstärke sich Gehör verschafft. Und selbst Neoklassiker wie die Grandbrothers oder Poppy Ackroyd sich elektronischer Unterstützung bedienen. Ein Album wie "Flur" nennt man wohl gern ein Statement, aber vielleicht ist es einfach die Lust am Innehalten, am Durchatmen, die Martin Kohlstedt zur Produktion bewogen hat.
Heute erscheint "Flur" bei Warner Classics. Bitte tief Luft holen, genau hinhören und scharf nachdenken, ob das staubige Klassik oder frischer Pop ist.

www.martinkohlstedt.com

Feinkost aus dem Musikfachgeschäft

Heute erscheint "Salute to the sun". Das ist das aktuelle Album der neuen Band von Matthew Halsall. Matthew gründete 2008 das sehr exquisite Label Gondwana Records, ist aber auch als Trompeter äußerst renommiert.
Mit Matt Cliffe (Flöte, Saxofon), Maddie Herbert (Harfe), Liviu Gheorghe (Klavier), Alan Taylor (Schlagzeug), Jack McCarthy (Percussion) und Gavin Barras (Bass) hat Halsall ähnlich qualifizierte Mitstreiter für sein neues Projekt gefunden. Die Sieben aus Manchester produzieren feinste analoge Jazzklänge über die sich besonders Inhaber schöner Stereoanlagen mit klangstarken Standboxen freuen dürften. Aber auch alle anderen muss man "Salute to the sun" ans Herz legen. Auch wenn die Querflöte und die Harfe manchmal doch an Grimms Märchenwald erinnern.
Ansonsten finden sich auf dem Album des britischen Trompeters traumhafte Kompositionen, ausgekügelte Arrangements und brillante Leistungen an allen Instrumenten. Exemplarisch sei hier das 11-minütige Titelstück genannt mit einem wunderschönen Saxophon von Matt Cliffe.
In sieben Stücken bieten die sieben Musiker eine Stunde Hörgenuss aus der musikalischen Feinkostabteilung.

www.matthewhalsall.com

Nebliger Sound aus Northern California

Wenn man die Tochter von Steven Spielberg ist, scheint es auf den ersten Blick ungewöhnlich zu sein, sich für ein schnödes lyric video zu entscheiden anstatt cineatisch kreativ zu werden. Aber das kann dazu führen, sich ganz auf die Musik von Buzzy Lee zu konzentrieren. Was sich ohne Zweifel lohnt. Buzzy Lee veröffentlicht morgen ihr Debütalbum "Spoiled love", das voll ist mit elgantem Synthie-Pop in der Art der neuen Single "What has a man done".
Buzzy Lee ist kein Neuling im Geschäft, auch wenn es jetzt das Debütalbum ist. Doch die junge Amerikanerin hat bereits seit 2018 Songs veröffentlicht und war zu dieser Zeit auch mit den Dity Projectors auf Tour, was man ihrem Sound deutlich anzuhören meint.
"Spoiled love" ist in Zusammenarbeit mit Nicolas Jaar entstanden und wurde zum Teil in Italien eingespielt. Ob die melancholische Note der Songs sich vom rauhen Teil der kalifornischen Küste herleitet oder ihren Ursprung an einem regnerischen Tag in Venedig hatte, weiß nur die Künstlerin selbst. Ihr müsst euch lediglich darauf einstellen, von den neun Stücken geradezu umflossen zu werden wie von Nebelschwaden.

www.buzzylee.bandcamp.com

She writes songs, so einfach ist das.

Ist das schön, wenn ein Song veröffentlicht wird von einer Künstlerin aus Stockholm mit deutschen und englischen Wurzeln und der erste Kommentator bei youtube schreibt:"Me gustó mucho"! Das sind die Dinge, die uns die Apologeten des "Irgendwas first" madig machen wollen.
Es ist lebenswerte Vielfalt, wenn Linn Koch-Emmery aus allen sie umgebenden Einflüssen Songs macht. "Hologram love" ist die erste Single aus dem kommenden Album der jungen Frau und zeigt euch gleich, worin die Reise gehen soll. Kompromissloser Indie-Rock, breite Gitarren und Ohrwurm-Refrains. Linn erfindet Indie-Rock damit nicht neu, aber ein Song, der mit dem Geräusch eines Feuerzeugs beginnt, kann kein wirklich schlechter sein.
Vermutlich deshalb kürte ein schwedischer Radiosender Koch-Emmery zur "Künstlerin der Zukunft". Die Zukunft beginnt dann wohl im nächsten Frühjahr, wenn das Debüt von Linn koch-Emmery bei Boys Tears erscheint.

www.instagram.com/linnkochemmery

Das ist...was?

Produzent, Komponist, Arrangeur, Multi-Instrumentalist. Die Liste der Qualitäten von Sly5thAve ist lang. Was viele Menschen zu schätzen lernten, spielte Sly5thAve doch in den Bands von Prince, Stevie Wonder, Gladys Knight und Dave Brubeck. Eine sehr lange Referenzliste, die sich auch im letzten Album des New Yorkers widerspiegelt, das bereits im September bei Tru Thoughts erschien und "What it is" heißt. Sly5thAve kann's ein wenig jazzy, kann's kammermusikalisch und hat Expertenwissen in HipHop.
Das Stück "More or less" zeigt dies eindrücklich. Ganz frisch liegt jetzt der NYC Edit von "More or less" vor. Eine großartige Liveversion des Stücks aus dem Bridge Studio mit dem Rapper Marlon Craft am Mic. Mit Keyboarder Paul Wilson, der während des Stücks seinen Stuhl einem Härtetest unterzieht und dem Schlagzeuger Sydney Driver, der genau deswegen offensichtlich einen Bauhelm trägt.
Doch wirklich nichts kann von der coolen Performance ablenken.

www.sly5thave.com