REBEKKA BAKKEN im Ringlokschuppen Mülheim 11/03/05

holla! holla! holla!

Hans-Dietrich Genscher an der Gitarre, Kurt Cobain am Bass, Karlsson dieses Mal nicht auf dem Dach sondern am Schlagzeug, Björnbenny an den Keys und in Front die Dame, die gewöhnlich auf einem Felsen vor Kopenhagen sitzt: Rebekka Bakken in concert im Ringlokschuppen zu Mülheim an der Ruhr. Dazu hat die Süddeutsche all ihre Abonnenten aus dem Ruhrgebiet mit Freikarten versorgt unter dem Motto: Verrückt am Freitag, Theater ist morgen.

Kurz nach 20.00 Uhr betritt die 35-jährige Norwegerin die Bühne. Es wird heiß, denn der Saal füllt sich mit menschlicher Wärme. Die Freundlichkeit, die dem Publikum von der Bühne entgegen prallt, kennt man sonst nur vom Personal des Asia-Snacks um die Ecke. Ist sie nicht umwerfend? Wie die nette Nachbarin von nebenan. Rebekkas lustige Anekdötchen zur Ankündigung der Songs müssen vom einem Profi-Gagschreiber stammen. Verwirrt drehe ich mich um und suche, wer die Papptafeln hochhält. Niemand. Die zuhörende Intellekt-Posse findet es so geil, die englischsprachigen Überleitungen in all ihrer sprachlichen Feinheit zu verstehen. Darauf ein Schlückchen Rotwein!

Rebekka ist so natürlich. Die Musiker werden nach ihren Soli auch mal von der Hauptdarstellerin geherzt. Die Zuhörer unterbrechen die Stücke jazzlike mit Applaus zur Würdigung einer Soloeinlage. Man hat sich lieb. Musikalisch bleibt der Jazz eher fern. Die Bakken gibt die Chansonette, die Soulqueen, die Folktante. Das nächste Stück ist ein religiös inspiriertes, norwegisches Traditional in Kombination mit einem „Schlaflied“ und reißt meinen Nebenmann zu der unqualifizierten Bemerkung hin, bisher seien das doch alles Schlaflieder gewesen. Es folgt jedoch eine kuschelige Janis-Joplin-Nummer. Auch psychedelisch-deeppurplig geht’ s. Am Ende wiegen sich alle in seichten Reggaegrooves. Was für ein Abend!

Später entlarvt der vollständig vor der Bühne erschienene Kurs „Norwegisch für Hausfrauen“, dass Rebekka ein Weihnachtslied aus ihrer Heimat singt. Zu Ostern! Charmant erklärt sich Frau Bakken. Die Menschen fallen glücklich in Ohnmacht. Behaglich, freudestrahlend verlässt die Menge nach zwei Stunden den Saal. Allen hat’s gefallen, nur mir nicht. Gegen einen frankierten Rückumschlag schreibe ich euch, was ich wirklich über die affektierte Olle denke.

Frau Bakken im Netz

Bild: Pressefreigabe