PATRICE im E-Werk Köln 14/05/05

Kleiner PrinzFür 19:00 Uhr hatte Patrice ins E-Werk geladen. War es dem jugendlichen Publikum des Sponsors 1Live geschuldet oder wollte Patrice nach dem letzten Gig der Deutschlandtour nur schnell heim zu Mama? Vermutlich lag es am Veranstalter, der dem zahlreichen und -fähigem Publikum noch mehr als die 25 Euro für den Eintritt bei einer anschließenden Party aus der Tasche zu ziehen gedachte. Um halb acht ging es dann tatsächlich los.

Allerdings erst mit Nneka, die einen Mann mit Gitarre und Barhocker mitgebracht hatte. Ihrer ausdrucksstarken Stimme stand somit nichts im Weg. Ähnlich startete damals Patrice im Vorprogramm zu Lauryn Hill seine steile Karriere.

Es war erst kurz nach acht, als Patrice und die Shashamani Band die Bühne betraten und das Konzert mit dem Albumopener Africanize dem eröffneten. Ganz in weiß stand er da, Anzug im Stile eines 70er Jahre Soulstars, mit seiner Markenzeichenkappe und alle Mädchen im Haus träumten davon, dass er die Kopfbedeckung irgendwann ganz allein für sie abnimmt. Vorher kochte Patrice aber erst mal die Mädels und auch die Jungens ab. Er peitschte sie durch sein Programm, dass inzwischen auf die Höhepunkte von drei Soloalben zurückgreifen kann. Wer die kennt, kann sich vorstellen, wie vielfältig das Konzert war. Funk, Soul, Reggae, Dub, Dancehall, Jazz und Blues. Jeder bekommt was ab. Begeistertes Mitsingen bei der neuen Single Soulstorm und natürlich bei Everyday good. Sunshine lässt er das Publikum so lange allein singen, bis nur noch ein kaum hörbarer Rest der Hardcorefans sich textsicher bemerkbar machen kann, was Patrice zu seiner einzigen deutschen Bemerkung dieses Abends herausfordert, dass nämlich die anderen Städte weniger weit gekommen seien.

Vielleicht würde er es seinem Publikum einfacher machen, bediente er sich häufiger der deutschen Sprache, die er offensichtlich gut beherrscht. Denn manchmal möchte Patrice auch Botschaft vermitteln, schließlich sei dies nicht nur Konzert, sondern auch Gottesdienst.

Jedenfalls verlangen Patrice und die Band den enthusiastischen Fans alles ab bis er nach der vierten Zugabe und 2½ Stunden mit dem Schluss des neuen Albums Slave to the river (nicht zu verwechseln mit Grace Jones...nein...wirklich nicht) die Bühne wieder verlässt. Das ist auch der einzige Makel, den das Konzert hatte: Zum Schluss wirkte es doch ein wenig künstlich in die Länge gezogen. Schade, dass trotzdem nur Raum für eine Kurzversion von Up in my room blieb. So vergriffen sich einige erschöpfte Besucher gegen Ende doch wieder nur an ihren Handys. Jaja, natürlich nur, um den Daheimgebliebenen schnell mitzuteilen, wie toll es war.

Übrigens werde ich wohl demnächst hier unter Hugo Schultz firmieren müssen. Schließlich habe ich vollmundig Lil paradise als nächste Singleauskopplung in meiner Plattenbesprechung für unruhr angekündigt. Patrice hat das Stück am Samstag nicht mal gespielt. Er ist halt doch ein Arsch.


Patrice im Netz

E-Werk

Foto: Pressefreigabe