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Yoav, der vieldenkende Wanderer: "what I'm gonna do the next 20 years is live in different cities"

Yoav (Universal)Wenn man am frühen Abend nach Köln muss, braucht man Zeit und gute Nerven für die Rushhour... Wenn man dann das Glück hat, nach Stress und Stau zum Luxor zu kommen, kann man sich freuen, denn dort sind alle sehr freundlich und entspannt. Ein ebenso gelassener, bereitwilliger Gesprächspartner erwartet mich in Person von Yoav. Der Sänger wirkt aber insgesamt genauso mysteriös wie seine Musik manchmal ist. In einem sehr netten Gespräch erzählt Yoav über seine Musik, insbesondere sein aktuelles Album Charmed & Strange, wie alles begann, was ihn inspiriert und von seiner Rastlosigkeit...

Zu Beginn frage ich Yoav, wie viel Deutsch er den spreche, da mir auf dem Universal-Video die deutsche Ansprache auffiel. Fast akzentfrei sagt er darauf hin: "Vielen Dank, dass ihr  gekommen seid." und erklärt sein sprachliches Talent speziell für diese Sprache damit, dass er in Südfrika, wo er größtenteils aufwuchs, in der Schule Afrikaans und somit auch eine ganz andere Ausprache, ansatzweise germanischen Ursprungs, parallel zu Englisch lernte.

Im Hintergrund hört man Newton Faulkner, für den er heute Support ist, derweil lautstark beim Soundcheck...

Auf die Frage hin, welche der zahlreichen Metropolen wie Kapstadt, London, New York oder Montreal, in denen er schon gelebt hat, ihm am meisten gefalle, antwortet er zunächst interessanterweise: "I can't be happy with any of them. Unfortunately what I'm gonna do the next 20 years is live in different cities most of the time. Two years or so then choose another place. This or that is missing. I'm almost done with London. Always restless...".

Dann hebt er aber doch einige Vorzüge von Kapstadt hervor, z. B. dass er dort relaxen kann, dass es dort manchmal wie Urlaub ist. Er hat gerade seine "folks", also Familie, dort besucht, und einen typischen Dreamholiday beschreibt er wie folgt: "Wake up, hang out in my parents' garden with my dog, climb up to the mountaintop, go to the beach till sunset, then go out with my friends, and no work." Allerdings hat er bei seinem letzten Besuch an Songmaterial für's neue Album gearbeitet.

Ich frage ihn spontan, ob ihm ein Holiday-Slogan für Israel einfalle, denn dort ist er geboren. Da er seit seinem 10ten Lebensjahr aber nicht mehr da war, muss er kurz überlegen und kommt dann zu der Idee: "There's nowhere else like it!" Dies würde sich sicher hervorragend für einen Werbeprospekt eignen.

Über die Entwicklung seiner musikalischen Laufbahn berichtet Yoav von frühen Anfängen, geprägt durch seine Mutter, eine Opernsängerin, und seinen Vater, einen wahren Klassikliebhaber. Diese verdonnerten ihn im zarten Alter von 3 Jahren Klavierstunden zu nehmen, was ihm aber gar nicht gefiel. Es war quasi eine Rebellion, heimlich nachts zu einer Gitarre zu greifen, von deren Existenz seine Eltern nichts ahnten. Auch musikalische Einflüsse suchte er eher woanders: "I used to listen to popmusic at my friends' house, afraid that my parents would find out."

Als Bands und Styles, die seinen Stil maßgeblich beeinflusst haben, nennt er die Red Hot Chili Peppers, Depech Mode, Simon & Garfunkel sowie auch Clubtunes. Neben diesen Sounds gefällt ihm auch u.a. auch sphärisches wie Bjoerk, die unter seinen Top 5 Records zu nennen wären.

Yoavs Tourmanager bringt zwischendurch einen freudig begrüssten Nagelknipser, ohne den der Gitarrist ganz schön ins Schwitzen gekommen wäre...

Auf die Frage hin, was er in seinen Songs besingt, nennt er zu "Adore, adore" die verrückte New Yorker Musikszene, zu "One by one" wie seine früheren Freunde langsam alle sesshaft werden, zu "Beautiful lie" eine als Illusion gelebte Beziehung - da kommt gerade die Frage zurecht, welcher Song denn sein optimistischster sei? Yoav überlegt und muss passen... Eigentlich sind alle Songs des Albums recht düster. Der Titel Charmed & Strange passt dann wieder umso besser: der Künstler fühlt sich einerseits charmed, weil es mit seiner Karriere gut angeht, aber es schwingt auch ein Gefühl von strange mit.

Yoav verabschiedet sich zum Soundcheck und sagt noch, dass er sich sehr aufs Konzert mit Newton freut, den er auch aufgrund seines Könnens sehr schätzt.

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Zum Konzert:

Zwei begnadete Künstler und ihre Gitarren, ohne Band! ... und ein paar Tretminen zu ihren Füssen - Yoav barfuss, Newton mit Socken - da hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf. Unterschiedlicher können zwei Musiker eigentlich gart nicht sein, und dabei doch so prima zusammen in ein Programm passen.

Mit seinen in Trance versetzende Rhythmen und Tunes bezauberte ein verträumter Yoav das gut gefüllte Luxor. Vom ersten Song "Adore, adore" an war das bewegungswillige Publikum in seinem Bann und applaudierte und johlte massig. Zwischendurch erklärte und demonstrierte Yoav auf interessante und unaufdringliche Weise das Entstehen des ein oder anderen Sounds - so ist zum Beispiel das typische Hintergrundseufzen beim Cover "Where is my mind" bei seiner Version ein geloopter Ruf in den Gitarrenbauch!

Es war absolut faszinierend, zudem die verschiedenen Sounds wirklich live zu hören und quasi zu sehen. Und das ganze bei obskurer Rotbeleuchtung mit sparsamem blauen Hintergrund - grandios!

Newton hingegen ist DER geborene sonnige Vollblut-Entertainer, erinnerte mich ein bisschen an die Jungs, die manchmal durch die Irish pubs tingeln, nur irgendwie noch viel, viel besser. Ein Gott an der Gitarre und ein sagenhaft unterhaltsamer Mensch, der sich trotz seines Erfolgs alle Natürlichkeit bewahrt hat. Als kleine Aufmunterer erzählt er immer wieder lustige Anekdoten, auch mal unterbrochen von einem "Oh, I bumped my head!" als er an das Mikro stösst. Er scheut sich auch nicht, mal zu einer Kindergitarre zu greifen oder einen seiner eigenen Songs zu verulken.

Ohne sein Zutun sang die Masse schon lauthals mit, bei Hits wie "Dream catch me" oder "Gone in the morning" aber das Konzert gipfelte in einer unglaublichen von Newton angeheizten Crowd participation - unvergesslich. Dabei hat der Virtuose - ausser vielleicht beim gefühlvoll genialen Cover "Teardrops" von Massive Attack, das er echt allein auf die Reihe kriegt!!! - eine Mordspowerstimme und kann auch richtig rocken. Ebenso fantastisch war das Queensche "Bohemian Rhapsody"-Cover mit allen Stimmen made by Newton himself, ein Riesenspass!

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Alles in allem ein unglaublich geniales Event, das alle Anwesenden begeisterte!


Links:
www.yoavmusic.com
www.myspace.com/yoavmusic
www.myspace.com/newtonfaulkner
www.newtonfaulkner.com/de/home/