Der Ton macht die Musik

Das hört sich verdammt nach britischem Soul an, was JISKA auf unsere playlist schmuggelt. Dieser very british sound kommt aber aus Stuttgart und wird in Mannheim verfeinert, denn JISKA gehört in diesem Jahr zum Bandpool der dortigen Popakademie. Der Bandpool ist in der Musik so etwas wie die U21 des DFB.
JISKAs Song "Wings" ist der erste Track der Debüt-EP der jungen Stuttgarterin. Sehr gefühlig im Gesang, nicht aber ohne eine Rotzigkeit im Ausdruck, die in der Zeile gipfelt: "To be honest boy / the best part of my song was your absence". Der Ton macht die Musik!
Die Debüt-EP "Wild blue yonder" erscheint am 01. Juli.

www.jiska.org

Smarte Proleten

Der Vizediktator ist zurück! In gewohnter Schwarz-Weiß-Optik mit dem rauen, ungehobelten Sound, der den Dreier aus Berlin bekannt gemacht hat. Nach längerer Zeit meldet sich Vizediktator mit der neuen Single "Herz aus Wachs" zurück.
Kompromisloser Klang in Punk-Stililstik, schnörkellose Gitarren, Bässe und Trommeln, begleitet von ehrlichen Worten über Scheißsituationen. Vizediktator halt.Oder Straßenpop, wie die Jungs das nennen.
Mal schauen, wann das nächste Album bereit liegt.

www.vizediktator.de

 

Zum Punkt kommen

Rosa Anschütz ist es wichtig, dass alles, was sie an Musik aufnimmt, schnell fertig wird. Zum Punkt kommen, nicht verzetteln, klar bleiben. Das ist das Bestreben der jungen Berlinerin, die ihr neues Album "Goldener Strom" Ende Mai veröffentlichen wird.
Auch auf "Goldener Strom" nutzt Rosa souverän sämtliche Mittel der elektronischen Musikproduktion und verbindet sie mit analogen Instrumenten, mit Querflöte, Trompete und Gitarre; dazu singt, spricht und haucht sie.
Diese Musik emittiert Schwingungen, ist energetisch hochwertig und kann auch den zufälligen Hörer faszinieren.

ww.rosaanschuetz.com

Davon träumen

"Don't know the past, you don't know your future", sang Ziggy Marley einst. Etwas differenzierter drückt sich Obongjayar aus, wenn er sagt, "to know the future, or to fully be aware of your present, you need to analyse and understand your past", meint aber das Gleiche.
Dabei redet Obongjayar über sein kommendes Album, das deutlich näher an Nigeria liegt als an Jamaica. Im Westen Afrikas finden sich nämlich die Wurzeln des inzwischen in London lebenden Künstlers. Der neue Song "Tinko tinko" ist, was man aktuell Afrobeat nennt und damit ganz dicht bei Burna Boy und Wizkid.
Bei Obongjayar hat man allerdings das Gefühl, dass jeder Song ein kleines Kunstwerk ist. Was entsprechend auch in den Clips gewürdigt wird.
Wir haben vor wenigen Wochen bereits behauptet, dass "Some nights I dream of doors" ein Killer-Album werden wird. Die Aussage bleibt gerade auch nach "Tinko tinko" bestehen. Der 13. Mai ist daher ein wenig wie Weihnachten. Die Vorfreude ist riesig.

www.obongjay.ar

In persona

Diese Frau aus Belgien ist bereits urlange im Geschäft, der Output ist jedoch überschaubar. "Persona" ist erst der dritte Longplayer von Selah Sue. Wenn sie's macht, macht sie's halt richtig. Das kommende Album ist der Beweis. 12 überdurchschnittliche Songs der Sparte Pop. An dieser Kategorisierung gibt es nichts zu rütteln, ist doch "Persona" eines der Alben, für die der Begriff Pop erfunden wurde.
Selah Sue bedient sich sicherlich auch anderer Sounds, aber R&B, HipHop, Soul und Jazz wirken doch wie leichtflüchtige Substanzen, die aus diesem Pop-Amalgam langsam entweichen. Da muss man sich einfach nur die Single "Pills" anhören, die aber auch unterstreicht, dass Sues Pop nicht zu der Sorte gehört, die einem in der Schlange an der Käsetheke die Zeit vertreibt. Denn die junge Frau geht auf dem Album recht freizügig mit der Besprechung ihrer psychischen Probleme um.
Sucht ihr also Pop zum Hinhören, bei dem man aber auch mal popmäßig weghören kann, seid ihr bei dem Produkt aus dem Brüsseler Kellerstudio richtig. Falsch liegt allerdings, wer bei Selah Sue an Cowboyhüte und Karohemden denkt. Nachzuprüfen seit heute, denn "Persona" ist jetzt von Because Music veröffentlicht.

www.selahsue.com

 

Erröte wenigstens, Lucinde...

...daß nichts mehr dich erröten macht!, dichtete Lessing vor 250 Jahren. Und wir können froh sein, dass Blush Always ebenfalls nicht mehr errötet, wenn sie vor vielen Menschen Musik macht. Die Frau, die hinter Blush Always steckt, kommt dieser Tage mit einem neuen Video um die Ecke und zeigt erneut, wie ehrliche Musik geht. Ehrlich in Sound und Lyrics ist der Markenkern von Blush Always.
Ungeschminkte Gitarren, die es auch schon einmal im Grunge gab, unprätentiöse Melodien, die dem Pop nahestehen und gewieftes Songwriting kombiniert Katja Seiffert zu geradliniger Musik, die morgen als EP erscheint. "Postpone" ist Bush Always' Debüt mit vier Stücken, die Einblick gewähren und Weiteres erwarten lassen. Überhaupt kein Grund, rot zu werden.

www.instagram.com/blush_always