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...And You Will Know Us By The Trail Of Dead - So Divided (Interscope)

Album-Cover So DividedFür Trail Of Dead wurde das geniale Meisterwerk "Worlds Apart" zum Flop. Nur ein Drittel so viel verkaufte Platten wie dessen Vorgänger "Source Tags And Codes". Ein frustrierendes Erlebnis, wenn man dafür über ein halbes Jahr im Studio an Details gefeilt hat. Die Band stand angeblich kurz vor der Auflösung, als sie aus Trotz nochmal ins Studio gingen, um eine EP einzuspielen. Daraus ist nichts geworden. Es wurde gleich ein ganzes Album. Das Ergebnis hört auf den Namen "So Divided".

Nicht ganz so orchestral kommt der Einstieg ins Album daher. Leises Kirchengeläut, klatschende Menschen, im Hintergrund gedämpfe Gitarren und Kesselpauken. Und dann bricht "Stand In Silence" los. Alleine der Leise-Laut-Effekt dieses Übergangs sorgt schon für Gänsehaut. Und wir fühlen uns direkt in Worlds Apart-Zeiten zurückversetzt. Aber spätestens der tahitianische Trommelrhythmus in "Wasted State Of Mind" bringt die ersten richtig neuen Elemente. Dazu wunderschöne Pianolinien, bis wieder die Explosion in klassische Gefilde erfolgt und am Ende ein Akkordeon den Song beendet.

Mit "Naked Sun" wartet richtig fetter Bluesrock auf uns. Natürlich wieder mit einem dermaßen bombastischen Orchestralrock-Höhepunkt, dass einem die Kinnlade auf den Fußboden schlägt. Anschließend: die reduzierte Cover-Version von Guided By Voices' "Gold Heart Mountain Top Queen Directory". Zart, verletzlich. Ein kurzer Augenblick völliger Gefangenheit in purer Schönheit. Der Titeltrack folgt dann wieder dem bewährten Schema. Wobei diese Aussage an sich schon einer Beleidigung gleichkommt. Die allermeisten anderen Bands würden ihre Organe gegen so einen Song eintauschen.

Wie auf "Worlds Apart" mit dem Titeltrack gibt es auch hier eine fiese Ausgeburt Trail Of Dead'scher Ironie. "Eight Days Of Hell" ist eine fluffig-fröhliche Beatles-Reminiszenz. Bis man dann mal auf den Text hört. Denn das hier ist nichts weiter als die bösartigste, fieseste Abrechnung mit dem Beatles-Heimatland, die mir jemals zu Ohren kam. Ich gebe zu, das Essen ist wirklich sehr schlecht. Aber so schlecht? Egal: Niemals da etwas essen, wo Trail Of Dead waren. Es muss abartig gewesen sein, wenn das Ergebnis dieser Song ist.

Richtig schön wird es danach wieder mit "Witch's Web". Die wunderbare Amanda Palmer von den Dresden Dolls gibt hier Conrad Keely stimmliche Unterstützung, und verwandelt dieses Stück in ein kleines Juwel. Naja, ein ziemlich dunkelfunkelndes jedenfalls. Fröhlichkeit ist auf So Divided nämlich gar nicht vorhanden. Das merkt man spätestens an der düsteren Geräuschkulisse, die langsam anschwallend mit dumpfem Stimmgemurmel zum letzten, großen Highlight führt. "Sunken Dreams" ist ein vertontes Gedicht von Jason Reece, der hier zeigt, dass er Conrad Keely in nichts nachsteht und ein würdiges Finale schafft.

Der große Unterschied zwischen "Worlds Apart" und "So Divided" liegt in der Atmosphäre. "So Divided" ist dunkel. Düster. Man merkt Trail Of Dead die Frustration, die "Worlds Apart" am Ende hinterließ, deutlich an.

Übrig bleibt für mich trotzdem nur eine einzige Frage: Wie machen die das? Gleichermaßen Genie und Wahnsinn so zu verkörpern muss anstrengend sein. "So Divided" überflügelt "Worlds Apart" natürlich nicht. Das wäre auch schwer möglich. Aber es stellt sich auf gleiche Höhe daneben.

Ich denke, ich werde Trail Of Dead jetzt endgültig einen Altar mitten in meinem Wohnzimmer errichten...

Label: http://www.interscope.com/

Band: http://www.trailofdead.com/