Patrice - Nile (2005 Yo Mama’s Recording Company)

Babylon by busPatrice ist aber auch ein Arsch. Da haut er 2003 mit den Jungs von Silly Walks das Reggaealbum raus, das jeder von ihm erwartet. Dann kommt als Vorgeschmack auf die neue Veröffentlichung Nile seine Single Soulstorm ins Radio, ein locker-leichter Skatune. Hurra! Doch nun sitzen die Kolumnisten und Kritiker der deutschen Reggaemags traurig am Tropenholzschreibtisch, tief ist die rotgelbgrüne Mütze ins Gesicht gezogen und dicke Tränen kullern in die Tasse, in der gerade ein letzter Rest jamaikanischer Blue-Mountain-Coffee vertrocknen wollte. Nile läuft im Hintergrund.....uuuhhuhuhuu...cry me a river...

Auch der bedreadlockte Fan schreit für alle bei Amazon lesbar: Scheiße, das ist doch gar kein Reggae. Patrice, dem man rheinländischen Frohsinn nachsagt, hat mal wieder gemacht, was er wollte. Er hat einfach keine Lust auf Reggae. Deshalb ist ein Album dabei herum gekommen, das in logischer Konsequenz auf sein letztes Werk How do you call it? folgt. Diesmal nennt man es vielleicht Soul, Funk und Blues, bei zwei Stücken doch sogar Reggae. Am besten sagt man Patrice zu dieser Musik. Denn der Mann ist auf dem Weg, einen unverwechselbaren Stil zu kreieren. Patricens Stimme ist sowieso einzigartig. Um es auf die Spitze zu treiben, den tiefsitzenden Stachel im Fleisch der Reggae-Nerds genüsslich noch einmal zu drehen, bietet uns Patrice das Bob-Marley-Cover It hurts to be alone in Bluesgewand dar. Was für eine Sau! Hugo Schultz will ich heißen, wenn Patrice nicht als nächstes die 1a Funknummer Lil paradise auskoppelt.

Der Junge mit der GitarreNile ist jedem ans Herz zu legen, der es akustisch mag, Muße für Ruhiges hat, dem Kategorien völlig abgehen, jedem, der so etwas wie universal music sucht und daran glaubt, sie zu finden und allen, die Spaß haben, wenn jemand Spaß hat, er selbst zu sein. Chapeau, Patrice und trotz allem viel Erfolg.

Patrice live im E-Werk am 14.05.05

Patrice im Netz

Foto: Pressefreigabe

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