THE SKATALITES im Bf. Langendreer Bochum 28/11/04

Sie gingen aus der  Hausband von Coxsone Dodds legendärem Studio One in Kingston hervor und spielten 1963 mit Bob Marley dessen ersten No. 1 Hit „Simmer down“ ein. 1964 wurde eine feste Band daraus und niemand im Musikbusiness Jamaicas kam an den Skatalites vorbei. Zu unzähligen Hits lieferten sie die Musik. Zum 40. Bühnenjubiläum stehen immerhin noch vier der ursprünglichen Mitglieder auf der Bühne. Jamaica‘s greatest band sprüht weiterhin vor Spielfreude.

Es war eine Einladung zum 40-jährigen Bühnenjubiläum der Skatalites. Meine schmale Rente konnte ich schonen, da mich BoDo als Gewinner seines Preisrätsels (Lösungswort: Faulpelz) dekorierte und mit zwei Eintrittskarten belohnte. Ich glaubte, meine Unterarmgehstützen wären ein passendes Accessoire, täuschte mich leider, denn das Publikum war wesentlich jünger als die Band. So hielt mich das Publikum fraglos für einen Fan der ersten Stunde.

Alte Männer  machen MusikDer Bahnhof Langendreer gehört anscheinend zu den Kultstätten, die ein treues Stammpublikum besitzen. Es kommt, selbst wenn nur Heizdecken verkauft werden. Also war die Langendreer Posse vollzählig am Start. Eine derartige Affinität zum Stadtteil gibt es weltweit nicht oft, allenfalls noch in Wattenscheid.

Natürlich waren da auch die echten Skafans britischer Prägung mit Hosenträgern, Röhrenhosen, irgendwas Kariertem, Stoppelfrisur und Kotleten bis zu den Kniekehlen. Absolut unterrepräsentiert allerdings die Reggae-Rasta-Recken, obwohl Lloyd Brevett durch seine stets gleichlautenden Titelankündigungen („Jahjahjahjahjahjahraaaaastafariii!“) keinen Zweifel daran ließ, dass eine Messe gelesen wird.

Aus vierzig Jahren offizieller Bandgeschichte - zuzüglich der Jahre zuvor als Studiokapelle in wenig von der Gründungssitzung im Juni 1964 abweichender Besetzung - resultiert zwangsläufig ein unüberschaubarer Fundus an Songs. Ein zweistündiger Gig reicht deshalb kaum aus, selbst nur die größten Klassiker darzubieten. Ikonen jamaikanischer Musikgeschichte, die die Skatalites in den 1960er Jahren ganz entscheidend gestaltet haben.

So begann der Abend altbewährt mit Freedom sounds von Don Drummond, dem legendären Posaunisten der Urbesetzung, der nach dem Mord an seiner Lebensgefährtin bereits 1969 in einer Nervenheilanstalt verstarb. Weiter ging der Parforceritt über den Ska- und Rocksteady-Parcours mit James Skinhead Bond (James Bond Theme), Pussycat, Latin goes Ska, Trip to Mars, Rivers of Babylon, You`re wondering now, einem Delroy-Wilson-Cover (Can’t you see) und dem Phyllis-Dillon-Hit Don’t stay away, die beiden Letzteren mit den Vocals von Gründungsmitglied Doreen Schaefer, die natürlich auch den ersten No. 1 Hit Bob Marleys, Peter Toshs und Bunny Wailers, Simmer down, intonierte, den die „Pre-Skatalites“ im Dezember 1963 im Studio One des kürzlich verstorbenen Clement „Coxsone“ Dodd in der Brentford Road einspielten. Die Wailers waren anschließend nochmals mit Nice time vertreten und als das Publikum drohte infolge der vollen Breitseite Historie zu kollabieren, hauten die Götter des Ska den all-time-classic Guns of Navarone der Gemeinde um die Ohren, die volle Halle bebte, Langendreer went Kingston West.

Natürlich haben die Skatalites den Reggae erfunden und spielten den ersten Reggaetune ever: Rock Fort Rock. Damit gehören sie in eine Reihe mit den 250 Schöpfern des Wortes „Reggae“ sowie der zwei Millionen Jamaikaner, die mit Bob Marley zur Schule gegangen sind. Allerdings ist man in solch exponierter Stellung, dass man es sich leisten konnte, Highlights wie Lester Sterlings Bangarang oder Roland Alphonsos Beardsman Ska unerwähnt zu lassen, ohne die gute Unterhaltung des Publikums zu gefährden. Die vier verbliebenen, weit in den Sechzigern befindlichen Gründungsmitglieder der Skatalites Doreen Schaefer (voc), Lloyd Knibbs (dr), Lloyd Brevett (b) und Lester Sterling (altosax) wurden mit der zunehmender Dauer des Konzerts immer vitaler, sieht man einmal von Sterling ab, der von Beginn an Kants „interesseloses Wohlgefallen“ personifizierte. Die ergänzenden Jungmusiker, wie die inzwischen ebenfalls betagte Nachwuchslegende Vin Gordon an der Posaune, setzten die Gesundheit der Senioren nicht aufs Spiel und blieben deshalb gemeinsam mit den Alten zur Zugabe wie Fußballer bei Verlängerung direkt auf der Bühne, kündigten zwei weitere Songs im Vorfeld an und gut war’s nach zwei Stunden.

Die 120 Minuten auf den blöden Krücken machten mich den Musikern altersverwandt. Es bleibt zu hoffen, dass Wim Wenders rechtzeitig auftaucht, damit man sich die Skatalites demnächst gemütlich im Ohrensessel vor dem Fernseher ansehen kann.

http://www.skatalites.com

Bild: Pressefreigabe