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Neurosonic - von Müdigkeit keine Spur

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by Bodog Music
Für einen Montagabend ist es relativ voll im Underground in Köln. Kein Wunder: der 1 FC Köln spielt gegen Rostock. Im Saal nebenan rocken sich vier Jungs den Allerwertesten ab: Neurosonic aus Kanada. Nur etwa ein Dutzend Zuschauer hat die 10 Euro Eintritt bezahlt, um die neuste Band aus dem Hause Bodog zu sehen. Doch bereits nach 30 Minuten und sieben Songs ist alles vorbei. Die Band bedankt sich - das war es! Keine Vorband, keine Zugaben.

„Wir waren immer eine Opener-Band für größere Bands." erklärt Sänger und Projektleiter Jason Darr kurz darauf im Interview. „Wir können einfach gar nicht länger spielen. Den siebten Song haben wir uns erst gestern draufgeschafft."

Bei den Zuschauern macht sich Unentschlossenheit breit: Auf der einen Seite ein wenig Frust, dass es so kurz war, auf der anderen Seite haben sie eine super Show gesehen und einen unglaublichen Sound genießen können. „Zuschauer hören auch mit den Augen!" meint Jason. "Erst wenn das was sie auf der Bühne sehen genauso großartig ist, wie das was sie hören, sind sie zufrieden und in dieser Hinsicht geben wir unser bestes!" Und er hat Recht: Das kann man der Band wirklich nicht abstreiten. Trotz der wenigen Zuschauer legte die Band eine beeindruckende Bühnenshow hin – inklusive Händedruck und Dankeschön für die Zuschauer nach dem Konzert. Die werden dadurch versöhnlich gestimmt, haben aber eh wenig Zeit, sich Gedanken zu machen, da sie fünf Minuten nach Auftrittsende mit deutscher Freundlichkeit aufgefordert werden, den Saal schnellstens zu verlassen.

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Me and Jason Darr
„Ich liebe Deutschland einfach" sagt Jason und der Rest seiner Band nickt zustimmend.

„Die Leute hier sind bei den Shows so ausgelassen und haben Spaß, in Kanada hingegen sind die Zuschauer eher kühl und wollen, dass Du ihnen etwas beweist! Aber auch so sind alle so freundlich und kümmern sich um Dich, auch wenn sie Dich noch nie gesehen haben!"

Ein verständnisloser Blick zwischen meinem Interviewpartner und mir. Redet der echt von Deutschland?

Kurze Zeit später brechen Neurosonic auf. Berlin wartet, eine neue Stadt, ein neuer Abend, eine neue Show. Über 150 Auftritte haben Neurosonic in den letzten 12 Monaten gespielt. Doch von Müdigkeit keine Spur. „Vor ein paar Monaten sagte die Hauptband das Konzert kurzfristig ab. Wir haben dennoch gespielt – vor vier Zuschauern. Ein Leben ohne Musik ist einfach nicht vorstellbar. Wenn ich keine Musik machen würde, säße ich bestimmt im Knast oder in der Klapse!" lacht Jason. Doch dann wird er noch mal kurz ernst: „Drama Queen ist ein sehr persönliches Album, in dem viel Herzblut liegt. Es gab schwierige Zeiten und das Musikbusiness ist voller Unwägbarkeiten. Deshalb bin ich auch so froh, jetzt bei meinem neuen Label zu sein. Die investieren viel Geld in die Bands, an die sie glauben. Mein altes hingegen hat sich einen Dreck um mich gekümmert. Dies und auch persönliche Schicksalsschläge sind in das Album mit eingegangen."

Der Sound des Albums schwankt zwischen Rock, Industrial und ein wenig Gothic. Etwa die Hälfte der Songs kommen aggressiv daher mit sehr groovigen Beats und prägnanten Rockgitarren, wie zum Beispiel Track 1: So many people. Der Rest des Albums ist eher etwas ruhiger gehalten mit viel Akustikgitarren und Streicherarrangements wie Track 11 For the Boy.

Neurosonic ist alles in allem eine qualitativ sehr hochwertige und facettenreiche Band, die ihren Charme vor allem Live deutlich zum Ausdruck bringt und es wirklich verdient hat vor größerem Publikum zu spielen. Das Spiel Köln gegen Rostock endete 1:1 – unentschieden. 

Bandname: Neurosonic
Aktuelles Album: Drama Queen
Aktuelles Label: Bodog Music


www.myspace.com/neurosonic

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