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Darker My Love: Therapiesitzung mit psychedelischen Shoegoos

ImageGenie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nahe beieinander. So finden sich auch in der Musikgeschichte ausreichend Exemplare, denen ein intimer Talk in der Horizontalen vielleicht recht zuträglich gewesen wäre. So weit zu gehen, die Jungs der kalifornischen Band Darker My Love als „genial" zu bezeichnen würde ich nun nicht gerade, aber ihr jeweiliger Lebenslauf zeugt doch von einiger kreativer Energie, die ihren Ausdruck in einer der Dissoziativen Identitätsstörung nicht ganz unähnlichen Verhaltensstruktur findet.

Mal Hardcore, Punk oder Alternative, dann Shoegazing, Post-Punk und Psychedelic. Solch manisches Wildern im Genredschungel muss pathologisch sein. Was hilft? Eine Therapie. So kam es, dass ich von Tim Presley, Rob Barbato und Jared Everett etwas über Ronald McDonald als Protagonist in einem Alptraum, Tims Mimosenphobie und das gefährliche Leben als Shapeshifter erfahren habe.

Ich habe ein paar Interviews mit euch gelesen und gemerkt, dass ihr Jungs total durchgeknallt seid.
Jared: Wie, durchgeknallt?

Auf eine sympathische Art und Weise. Auf jeden Fall habe ich mir deswegen gedacht, dass es wenig Sinn ergeben würde, euch normale Fragen zu stellen, sondern sinnvoller wäre, eine therapeutische Sitzung mit euch abzuhalten. Stellt euch also einfach vor, ich wäre eure Psychotherapeutin. Bei den Fragen, die ich euch stelle, müsst ihr auch ein wenig um die Ecke denken, um herauszufinden worauf ich mit ihnen abziele.
Rob: Okay.

Warum seid ihr hier?
Rob: Ich weiß nicht.
Tim: Auf der Welt?

Ich meine eher hier als Band. Also eure Geschichte, wie alles anfing.
T: Also, es fing alles vor fünf oder sechs Jahren an. Mit mir und Andy, unserem Drummer, und dann kam Jared dazu, und Jared kannte Rob.
R: Es verlief nach dem Schneeballprinzip. Und der rollt immer noch. Deswegen sind wir hier.

Er rollt und rockt.
R: Ganz genau.

Erzählt mir mehr über euer Problem. Ihr hattet ja vorher schon Symptome, bevor euer aktuelles Problem zutage getreten ist.
R: Ja, Jared hat einen Husten, der nicht verschwinden will. Ich verliere meine Haare.
T: Ich verliere meine Religion. Täglich. Und ich bin müde und hungrig.

Da wir in einem Park sitzen, kommen immer mal wieder Leute vorbei. Zwei etwas abgeranzt wirkende Kreaturen lassen in diesem Moment einen unverständlichen Kommentar fallen.

J: Ich hoffe, du hast das drauf. Das war ich. Und das ist auch mein Problem.

Rob BarbatoAch so, du meinst, dass du sprichst, und keiner versteht dich.
Rob (lacht): So ist es.

Ich meine mit den Symptomen eher die anderen Bands, in denen ihr gespielt habt. Das waren hauptsächlich Punk- und Post-Punk-Bands. Mit Darker My Love bewegt ihr euch in einem komplett anderen Genre.
T: Ich weiß nicht, ob das ein Problem ist. Vielleicht ist es eher verwirrend.
R: Das Problem ist eher, dass wir nicht die Zeit haben, andere Bands zu gründen für Musikrichtungen wie Calypso, Reggae. Japanischen Funk, Jazz, Fusion... Wir haben einfach nicht genug Zeit. Bisher können wir Punk, Post-Punk, Shoegoo, Apocalyptic Jazz...
T: Genau, das können wir. Aber es gibt keine Zeit für „außerschulische Aktivitäten" wie Reggae...
R: ...und Western Swing...

Also, ihr braucht mehr als ein Leben. Das ist euer Problem.
T: Das ist unser Problem.
R: Genau.

Hattet ihr irgendwelche traumatischen Erfahrungen in eurer Jugend, die zu dem Problem geführt haben?

Es folgt allseitiges Lachen und daraufhin Stille. Das mit dem Um-die-Ecke-Denken bezüglich der Fragen scheint irgendwie nicht ganz zu klappen.

T: Ja. Jared?
J: Wie tief willst du gehen?

Im Grunde will ich nur wissen, ob ihr mal auf ein Konzert gegangen seid und gesagt habt: „Das will ich auch machen. Ich will eine Band gründen und Musik machen." Oder gab es irgendein anderes auslösendes Moment?
R: Für mich war definitiv der Film „Zurück in die Zukunft" das auslösende Moment. Als ich gesehen habe, wie Huey Lewis abgegangen ist. Und der Film „Labamba". Es war aber nicht traumatisch, eher angenehm.
T: Ich warte noch drauf.
R: Du weißt noch nicht, ob du echt auf Musikmachen stehst.
T: Ja, ich weiß noch nicht, ob ich Musik überhaupt mag.

Tim PresleyNa, das ist ja mal ungewöhnlich.
T: Ja. Vielleicht ist heute Abend der Moment.

Was war euer eigenartigster Traum?
T: Ach du Scheiße!

Rob, der die Rolle des Spaßvogels in der Band innehat, findet den entsetzten Kommentar seines Kollegen überaus lustig. Doch nachdem sein Lachen verklungen ist, setzt eine lange Stille eine, während der die Jungs das betreiben, was sie am besten können: Shoegazing.

Also, wenn euch das zu weit geht, braucht ihr auch nicht zu antworten.
R: Nein, ich überlege nur gerade. Will hat diesen eigenartigen Traum, in dem Mickey Mouse seinen Namen ruft: „Will, komm zu mir!" Das ist ziemlich komisch, finde ich.
T: Oh, ich hatte mal einen ganz komischen. Das war mein traumatisches Erlebnis. Ich lag unten in meinem Stockbett und Ronald McDonald machte die Tür auf und das Licht ständig an und aus.

Wow, das ist ja mal echt ein Alptraum!
T: Ja, das war richtig gruselig. Seitdem kann ich nicht mehr bei Burger King essen.

Ach, du musst immer zu McDonalds gehen?
T: Ja.

Diese werbetechnische Manipulation in frühem Kindesalter löst bei seinen Bandkollegen einen Heiterkeitsausbruch aus und bestätigt meine schon seit langem gehegte Theorie, dass Ronald McDonald in Wahrheit der Kinder mordende Clown Pennywise aus Stephen Kings „Es" ist.

Jared EverettHast du irgendwelche eigenartigen Träume, Jared?
J: Ich. Nein, die kann ich euch nicht erzählen. Die sind einfach zu beängstigend. Zu durchgeknallt. Auf dieser Tour kann ich mich nicht mal an meine Träume erinnern. Ich bin einfach zu müde und bekomme nicht genug Schlaf. Keine neuen Träume.

Leidet ihr an Zwangsneurosen? Gibt es irgendwas, das ihr immer machen müsst?
T: Bei McDonalds essen. (lange Pause) Schlafen.

Ja, du wirkst auch, als hättest du Schlaf nötig.
R: Jared, was ist mit dir?
J: Ich mache gar nichts.

Vielleicht ist das ja ein Zwang. Aber du spielst doch z. B. Gitarre.
J: Nicht wirklich. Aber ich huste viel.

Worauf könntet ihr ohne Probleme verzichten?
R: Unsern Tourbus.
J: Ich könnte auf Zeitpläne verzichten.
T: Ich könnte auf Mimosen verzichten. Kennst du diese Drinks?
R: Orangensaft mit Sekt.
T: Ach nee, die heißen Mojitos. Die sind wie Minzsalat-Drinks. Ich kann auf Mojitos und Rassenhass verzichten.

ImageImageImageDas könnte jetzt lustig werden: Was seht ihr in diesem Tintenklecks?
J: Ich hab grad den Totenkopf von Danzig gesehen.
R: Genau, das hab ich auch gedacht! Aber ich hab den Totenkopf von den Misfits gesehen.
J: Wer hat Samhaim gesehen?
T: Ja, sieht eher aus wie Samhaim.
J: Stimmt.

Schade, dass ich keine echte Psychotherapeutin bin, dann könnte ich euch jetzt sagen, was das bedeutet.
R: Dass wir Misfits-Fans sind.
J: Ich hab einen Stein aus seinem Garten geklaut. (Damit meint er höchstwahrscheinlich Glenn Danzig, (Mit-)Gründer der Gruppen The Misfits, Samhaim und Danzig, Anm. d. Red.)

Jetzt wissen wir, was dein Zwangsverhalten ist: Kleptomanie. Denkt ihr manchmal ihr wärt jemand oder etwas anderes?
T: Nein, ich versuche dieses Shapeshifting-Ding zu vermeiden.

Weil du dadurch wirkst wie ein Freak?
T: Genau. Das nächste Mal, wenn ich mich in einen Panther verwandele, werden die Typen mich auf jeden Fall umbringen.
R: Man kann einem Shapeshifter einfach nicht vertrauen.

Tim PresleyHabt wohl zu viel „Supernatural" gesehen, was?
T: Ja und „Mythbusters".
R: Ich denke manchmal, ich wäre Tim. Weil wir immer verwechselt werden. Besonders in Interviews. Muss am Bart liegen (lacht). Aber das geht hoffentlich bald vorbei.

Was macht euch wirklich wütend?
R: Jared. War nur ein Spaß.

Ganz schön gemein. (Pause)
J: Rob.

Nun hat auch mal Jared die Lacher auf seiner Seite.

T: Jared und Rob.

Touché.

Und die anderen zwei Jungs aus der Band.
R: Nein, die sind cool.

Was haltet ihr von (eigentlich wollte ich Fragen, was sie von Medikation halten würden, aber unter „medical treatment" versteht man wohl eher „medizinische Behandlung")?
J: Ich brauch eine.
R: Ich auch. Ich glaube, wir alle.
T: Keiner von uns ist in Behandlung.
J: Ich will seit November eine machen, hatte aber noch keine Zeit.
R: Wegen der ganzen Zeitpläne.
T: Ja, ich könnte auch eine Behandlung gebrauchen. Eine Psychoanalyse.

Und was ist mit Medikamenten?
T: Valium wäre nicht schlecht. Xanax. Vicodin. Das wäre cool. Und Antibotika.

Fühlt ihr euch jetzt besser?
T: Hiernach? Ja, ich fühl mich echt gut.
R: Ich auch. (ruft) I feel good! Manchmal fühle ich mich als sei ich James Brown. Das ist echt wahr!