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Stompin’ Souls: „Ach, nicht schon wieder eine Band aus Schweden!“

Stompin' SoulsJede Band, die derzeit aus den Wäldern Schwedens auf der musikalischen Bildfläche erscheint, wird unweigerlich mit Mando Diao und The Hives verglichen, die ja nun mal die erfolgreichsten und über die Wasa-Grenze hinaus bekanntesten Vertreter des Knäcke-Rock sind. Ja, es fängt langsam an zu nerven, und die so verglichenen Bands können sicher nur mit Mühe einen Brechreiz unterdrücken, aber Stompin' Souls müssen nun eben die Kotztüte zücken, denn sie klingen einfach wie eine Mischung aus oben genannten Kollegen. Ist nun mal so. Und ist ja auch nichts Schlimmes. Im Gegenteil!

Von den Mandos den melodiösen Gesang, von The Hives die (hier allgegenwärtige) Orgel und das Garagen-Punk-Tempo. Doch wie alle jungen schwedischen Bands schaffen es auch die Herren Carlsson, Bergqvist, Nilsson, Peterz und Reinert ihrem Debütalbum „...And It's Looking A Lot Like Nothing At All" eine sehr eigene Note zu verleihen und nicht nur eine Billigvariante ihrer Landsmänner darzustellen.

Was sie selbst zu diesen Vergleichen, dem Erfolg schwedischer Bands im Allgemeinen und Deutschland als Tourland sagen, haben wir in einem Interview mit den sympathischen Nordmännern erfahren.


Im Internet findet man nicht wirklich viel über euch. Also, fangen wir ganz am Anfang an: Wann seid ihr geboren, wie heißen eure Geschwister, was ist eure Augenfarbe, wie groß seid ihr... (irritiertes Schweigen macht sich breit) War nur ein Scherz! Seid ihr öffentlichkeitsscheu? Ich meine, es gibt euch seit 2003, also könnte man doch eigentlich schon mehr über euch finden.

Marcus: Ich denke nicht, dass wir scheu sind.
Thomas + Emil: Nein!
M: Wir sind lange Zeit mit anderen Bands auf Tour gegangen und haben auch sonst viel mit anderen Bands gearbeitet. Und dann haben wir dieses Projekt wiederbelebt. Es gibt es schon seit fünf Jahren, aber wir hatten eine lange Pause.

Deswegen kam euer Album auch erst dieses Jahr raus.

M: Ja, genau. Vor zwei Jahren haben wir einige Interviews in Schweden gegeben und auch in Italien, aber dann haben wir diese Pause gemacht. Wir sind faule Typen.
E: Auf MySpace haben uns dann viele Leute angehört. Darüber hat uns auch unser Management kontaktiert als es mit uns arbeiten wollte. Einige Labels haben uns auch Angebote gemacht.

Gott sei dank gibt es MySpace! Viele neue Bands sind darüber bekannt geworden. Aber wie hat alles angefangen? Wie habt ihr euch kennengelernt?

E: Wir kennen uns alle aus Stockholm.
T: Wir haben uns kennengelernt, als wir in Tonstudios gearbeitet haben.
M (zu Thomas): Du hast mich gefragt, ob ich deine erste EP mischen würde.
T: Ja.
M: Ich dachte: Hey, das ist eine tolle Band, da will ich auch mitspielen! Also begleitete ich sie nach Italien.

Woher habt ihr den Namen? Von einer abgedrehten Seance?

E: Nein, aus dem abgedrehten Hirn unseres Drummers.
M: Er steht auf Reggae und auf dieses Stampfen (Stompin'). Aber es ist nur ein Name. Mir hat er gefallen.

Und es ist nicht die typische „The"-Band.

M: Eben. Manche Leute sagen trotzdem immer The Stompin' Souls.

Geht es euch schon auf die Nerven, mit Bands wie Mando Diao und The Hives verglichen zu werden, weil ihr auch aus Schweden kommt?

T: Es geht uns nicht direkt auf die Nerven, aber wir wollen mit niemandem verglichen werden, außer mit uns selbst.
E: Es geht uns auf die Nerven, wenn wir mit Bands verglichen werden, die wir uns nicht mal anhören. Wie The (International) Noise Conspiracy. Sie sind gut, und ich habe ein oder zwei Lieder von ihnen gehört. Aber wir werden oft mit ihnen verglichen. Vielleicht weil wir so aussehen und auch eine Orgel dabei haben.

Ihr werdet auch oft mit Soundtrack Of Our Lives verglichen.

E: Ja, aber dieser Vergleich ist nicht so weit hergeholt.
T: Wir hören mehr von Soundtrack Of Our Lives als von The (International) Noise Conspiracy...
E: ...und sind schon ein wenig von ihnen beeinflusst. Und dafür schämen wir uns auch nicht.

Mit welcher Band, wenn ihr zwischen diesen beiden wählen müsstet, würdet ihr lieber verglichen werden: Mando Diao oder The Hives?

M: Ich muss sagen, dass ich mehr von Mando Diao kenne, als von The Hives...
E: Aber ich finde überhaupt nicht, dass wir uns anhören wie Mando Diao. Wir sind härter. Sie haben zwar eine Menge Energie, aber würden nie ein Lied wie „Into The Firing Line" schreiben. Ich finde, sie sind mehr Soul.
M: Aber es ist eine gute Band.
(Zustimmung von allen Seiten)

Warum, glaubt ihr, gibt es heutzutage so viele extrem erfolgreiche schwedische Bands, die besonders in Deutschland sehr beliebt sind?

T: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist das nicht die Antwort auf die Frage, aber es gibt überhaupt sehr viele schwedische Bands. In Schweden ist es sehr einfach, eine Band zu gründen, weil es zum Beispiel sehr viele Proberäume gibt. Die Leute haben Zeit und Geld zu üben. Auf der anderen Seite: Wenn du keine guten Lieder hast, dann bringst du es auch nicht weit. Und woher das kommt, weiß ich ehrlich gesagt nicht.
M: Deutschland ist ein sehr guter Markt für Musik. In jeder Stadt, auch wenn sie nicht allzu groß ist, gibt es mindestens einen guten Club. In schwedischen Städten, in denen es vielleicht 30.000 Einwohner gibt, gehen die Leute nicht mal in einen Club. In großen Städten wie Stockholm oder Malmö spielen wir oft wieder und wieder. Deswegen haben wir das Verlangen, da mal raus zu kommen, nach Europa. Und Deutschland ist da eine gute Wahl. In den letzten Jahren ist hier in Deutschland ein guter Boden für Musik entstanden.
T: Ich mag Deutschland sehr und es ist schön herzukommen. In England zum Beispiel ist Rock im Moment nicht so angesagt. Da hören sie jetzt eher Techno oder Soul oder so.
E: Aber auch deutsche Bands schreiben gute Musik. Es ist nur eben im Moment dieser Hype um schwedische Musik. Es scheint so, als ob alle schwedischen Bands automatisch Aufmerksamkeit geschenkt bekämen.
T: In ein paar Jahren werden wir wahrscheinlich von der Bildfläche verschwinden.
M: Also, ich fände das auf Dauer auch langweilig: „Ach, nicht schon wieder eine Band aus Schweden!" Ich denke, der Hype wird unweigerlich nachlassen. Was auch noch gut an Deutschland ist: Viele Leute arbeiten im Musikgeschäft und drum herum, wie in kleinen Venues. Und das ist wirklich toll. Es ist eine große Bewegung um die Musik herum. Deswegen ist es so leicht für uns hierher zu kommen und auch für andere Bands, mit denen wir gesprochen haben.
E: Außerdem gibt es in Schweden eine große Lücke in der Clublandschaft. Es gibt sehr kleine Clubs, die man spielen kann und dann sehr große, wo eher die Stars auftreten. Aber nichts in der Mitte. Und diese Lücke gibt es in Deutschland nicht.

Mit welcher Musik seid ihr denn eigentlich aufgewachsen?

E: Bei mir waren das die Beatles.

Wie bei jeder anderen schwedischen Band!

E: Ja, aber ich habe auch viel Metal gehört wie Slayer. Oder auch klassische Musik. Es gab also viele Einflüsse.
T: Ich war ein Hip-Hopper (lacht).
E: Du warst ein Gangster?

Wo ist deine Goldkette?

T: Hab ich aufgegessen! Ja, aber ich mochte auch Led Zeppelin, die Rolling Stones... Ich mag softe Musik eigentlich mehr.

Aber ihr habt nicht wirklich viele „softe" Lieder auf eurem Album.

T: Nein, aber ich habe schon einige richtig softe Lieder geschrieben.
E: Wahrscheinlich nicht für Stompin' Souls.
M: Wir haben alle auch noch andere Projekte laufen. Mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen. Wir könnten niemals all diese Lieder bei Stompin' Souls unterbringen. Wir sind nicht beschränkt darauf Rock- oder Punkmusik zu spielen.

Woher bekommt ihr eure Inspiration?

E: Ich kann ganz einfach davon inspiriert werden, eine andere Band spielen zu sehen. Die muss nicht mal besonders gut sein. Aber ich bekomme einen Kick davon, etwas zu hören, was ich vorher noch nie gehört habe.
M: Mich hat zum Beispiel inspiriert, dass wir diesen Sommer auf Festivals spielen. Dafür wollte ich unbedingt neue Musik schreiben. Diese positive Aufregung ist sehr inspirierend.
T: Ja, ich kann nicht schreiben, wenn ich traurig oder gestresst bin, dann fällt mir einfach nichts ein.

Wirklich? Auch nicht, wenn es dir schlecht geht? Viele andere Musiker sagen, dass gerade das wie ein Katalysator wirkt.

M: Na ja, stimmt beides.
E: Wenn man traurig ist, hat man keine Energie, um irgendetwas zu machen. Besonders nicht dafür, Musik zu machen.
T: Aber wenn es dir gut geht, kannst du dich daran erinnern wie es war, als es dir schlecht ging. Ich kann mich einfach nicht konzentrieren, wenn ich traurig bin. Gut, vielleicht kann ich deprimierende Texte schreiben, aber wenn ich glücklich bin geht es einfach besser.

Wie sieht denn dann der Songwriting-Prozess bei euch aus?

M: Ich weiß nicht. Jedem fällt immer irgendetwas ein. Um ehrlich zu sein üben wir nicht besonders viel.
T: Vor dieser Tour haben wir fast ein Jahr nicht geprobt.

Ihr seid also eine verdammt faule Band!

T: Wir sind nicht wirklich faul, aber unser Proberaum ist wirklich alt...
M: Es ist ein alter und sehr kalter Kellerraum, in dem man denkt, man müsste sterben. Das schlägt sich auch ein bisschen im Sound nieder.
T: Es ist auch sinnlos viel zu proben. Klar proben wir, bevor wir auf Tour gehen. Vielleicht ein- oder zweimal. Dann kennen wir die Lieder, und es macht einfach keinen Sinn sie ständig zu wiederholen. Aber wenn wir neue Songs schreiben, proben wir natürlich auch.
E: Aber auch nicht so oft. Thomas und ich kommen manchmal mit Liedern zur Band, manchmal schreiben wir auch gemeinsam als Band, und dann müssen wir es nicht ständig üben. Vielleicht einmal. Wie bei „Pretty Wounds": Am ersten Tag, als wir es geprobt haben, hatten wir direkt den richtigen Sound.
M: Ich kann mich noch daran erinnern wie es war, als wir das Album aufgenommen haben. Ich lag faul zuhause rum, als mich Emil anrief und meinte: „Du musst herkommen und ein bisschen Gitarre spielen. Wir müssen das Album fertig kriegen." Also hab' ich mir meine Gitarre geschnappt und bin zu dir (zu Emil) gekommen, wo wir einen Verstärker im Wohnzimmer aufgestellt und an einem Tag fast alle Gitarrenparts für das Album aufgenommen haben.
T: Es wäre schön, wenn wir mehr Zeit miteinander verbringen könnten, aber viele von uns müssen auch arbeiten. Je älter du wirst, desto weniger Zeit hast du für so was. Viele Bands werden am Anfang von ihren Eltern unterstützt und können sich alle Zeit der Welt nehmen, Musik zu schreiben.

Das wollte ich gerade fragen: Ihr könnt also noch nicht davon leben, Musik zu machen?

E: Nicht allein von Stompin' Souls. Ich spiele noch in anderen Bands, und davon kann ich schon leben.

Hat irgendwer von euch noch einen normalen Job?

T: Ich habe sogar zwei. Einmal spiele ich Klavier in Einrichtungen für Kinder, und dann arbeite ich noch mit alten Menschen, wenn ich kein Geld habe. Aber natürlich ist das Ziel, irgendwann einmal vom Musikmachen leben zu können.

Ihr fangt ja im Grunde erst an, seid aber in letzter Zeit und mit Erscheinen eures Albums schon etwas bekannter geworden. Wie kommt ihr mit der neuen Situation klar, sprich: öfter auf Tour zu gehen, keinen normalen Tagesablauf mehr zu haben?

T: Ich wollte das schon so lange. Klar, man muss sich erst mal dran gewöhnen, aber ich weiß, was ich will und was ich nicht will. Natürlich ist es komisch und neu für mich, aber auch sehr gut.
E: Und es wird alles besser. Wir bekommen langsam mehr Aufmerksamkeit.

Was genau hat sich für euch bisher verändert?

M: Besseres Bier, besseres Essen! (Lachen) Mehr Leute, die zu unseren Shows kommen, und wir merken, dass wir selbstbewusster werden.
E: Es macht auch viel mehr Spaß, vor Leuten zu spielen, die uns schon mal gehört haben. Neulich hat uns sogar ein Typ gesagt, dass das der beste Tag in seinem Leben war!

Was für ein tolles Kompliment!

E: Ja, das war es. Es ist toll, dass uns die Leute mögen.
M: Es ist schon komisch: Erst waren wir nur fünf Typen in einer Band mit Songs auf dem Computer, dann haben wir unser Label gefunden und das Album aufgenommen. Aber als wir angefangen haben, live zu spielen, dann wurde es plötzlich Realität. Es ist schön, sich die Kommentare auf MySpace durchzulesen, und wenn dann noch Leute kommen und sagen, es sei der beste Tag ihres Lebens gewesen, dann weißt du, wofür du das alles machst.

Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Von der Seele welches toten Musikers wärt ihr gerne für einen Tag besessen?

E: Eddie Meduza. Ein Schwede. War ziemlich berühmt in Schweden. Er hatte viele tiefgründige Texte. Ein richtiger Poet.
T: Bei mir wäre es Freddie Mercury. Als ich ungefähr zehn war, habe ich viel Queen gehört.
M: Ich werde jetzt das Klischee bedienen, aber ich muss Jim Morrison sagen. Nur um ein bisschen Spaß zu haben!


Wenn man die Jungs dann auf der Bühne erlebt, wundert es einen nicht mehr, dass Thomas am liebsten von Freddy Mercurys Seele besessen wäre. Möglicherweise war er es auch. Zumindest erinnerten seine exaltierten Gesten mitunter an den verstorbenen Queen-Frontmann. Die äußerst energiegeladene Show, zu der leider viel zu wenig Zuschauer erschienen waren, lässt schon erahnen, was aus den Schweden mal werden kann, wenn sie noch etwas mehr Übung in Live-Auftritten haben. Auch wenn der Vergleich (und verglichen haben wir ja nun schon ausgiebig) etwas pathetisch daherkommen mag: Die Performance war wie ein Rohdiamant, der durch den Schliff mit mehr Selbstsicherheit und Routine nach und nach zu einem strahlenden Diamanten werden kann. Und dann sind sie nicht schon in ein paar Jahren von der Bildfläche verschwunden, wie Sänger Thomas im Interview noch orakelt hat.


http://www.stompinsouls.se/
http://www.myspace.com/stompinsouls

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