Bett und Badewanne

Der Soul von Victoryaz besinnt sich auf das klassische Kerngeschäft des Soul. Geboren aus Herzschmerz, mit viel Liebe und Leidenschaft und orientiert an den goldenen Leitlinien des Soul, fabriziert die junge Münchnerin feine Songs. Sie wirken introvertiert und melancholisch. Gefühlvoll, ohne zu triefen und ehrlich. Einfach guter Soul.
Victoryaz hat dafür die passende Stimme und die Band ergänzt den richtigen Sound. Zu hören auf der neuen EP von Victoryaz: "Bed". Sie erscheint am 10. Februar, aber bereits jetzt gibt es zwei Singles aus dem 5er-Paket.
Das ist Musik für Bett und Badewanne, aber funktioniert sicherlich auch gut in schönen Clubs.

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Schmidt & Co.

Mein erster Gedanke zu Hamish Hawk war: Ulrich Tukur ersetzt Morissey bei der Reunion von The Smith. Ich erlag dieser Sinnestäuschung wegen der Rückkehr des übergroßen Jackets in die Popmusik.
Doch schauen wir hinter die Schulterpolster. Dann erkennen wir, dass Hamish Hawk für großartig komponierte Songs steht, die er mit einer messerscharfen Ernsthaftigkeit vorträgt und mit einem Hauch von Wahnsinn würzt. Beispielhaft steht jetzt "Think of us kissing" in den Startlöchern mit pathetischen Gitarren und einem flackernden Keyboard. Das kommt sehr überzeugend rüber und kitzelt die Neugier auf diesen stylishen Schotten.
Die Neugier wird vollständig am 03. Februar 2023 gestillt, wenn Hamish Hawk sein zweites Album "Angel numbers" veröffentlichten wird. Passenderweise bei Post Electric Artists. Hinhören!

www.hamishhawk.com

Extremtanz

Tom Misch füllt Hallen, Tom Misch generiert massenweise Klicks. Doch nebenbei betreibt Tom Misch das Projekt Supershy, welches sich dem Genre der Extremtanzmusik widmet. Sehr frisch aus der Supershy Soundschmiede erscheint nun "Don't let go".
Ein Stück, das mit einer supertrockenen Snare beginnt, die abgelöst wird von Handclaps und einem extrafetten Bass-Sound. Dazu blubbert sich eine Synthieline durch den Track, die von einem legendären 303-Keyboard aus dem Hause Roland stammt. Ein Bassersatzkeyboard, das back in the eighties für seinen unnatürlichen Sound verschmäht wurde. Wer alt genug ist, wird diesen Sound erkennen!
"Don't let go" sind viereinhalb unverzichtbare Minuten für eure nächste Party.

www.instagram.com/supershy

Die Axt im Haus erspart den Mann

Die Musik des Kieler Punkrocktrios tot ist weit davon entfernt, lediglich nach likes und clicks zu schielen. Das neue Album "Ferien" wartet erneut mit geraden Bassläufen, kreischenden Gitarren und hämmernden Drums auf. "Ferien" ist das dritte Album von tot und voller Punkrockhämmer im Namen der vertonten Bocklosigkeit.
Das ist Musik, die Eichen fällt auch ohne Werkzeug. Ihr müsst euch erstmal trauen, diese Platte zu kaufen. Aber: Nach Auskunft der Band ist das neue Album handverlesen und mundgepökelt!

www.tototot.bandcamp.com

Rap in Farbe

Ein wenig Gitarre, ein paar Synthie-Spielereien, auch mal Piano, verhallte und vielfach geschichtete Vocals sowie selbstverständlich boom-clap in multipler Ausprägung: Fertig ist der Hip Hop in Wesley-Joseph-Manier. Das erscheint simpel, kreiert allerdings anspruchsvolle, bunte Rapmusik. Und wird von durchdachten Videoclips begleitet, die weit entfernt sind von den üblichen Poolpartyvideos.
Kein Wunder: Wesley Joseph ist auch als Regisseur tätig und gestaltet Musikvideos wie Kurzfilme. Damit macht der Brite seit letztem Jahr auf sich aufmerksam. Seit er sein Debüt "Ultramarine" veröffentlichte. Der neue Track "Monsoon" bereitet uns nun auf das Nachfolgealbum "Glow" vor. Das wird mit acht Tracks am 17. Februar 2022 über das Independent-Label Secretly Canadian erscheinen. Cooler mit jedem Hören. Achtung, Achtung!

www.wesley-joseph.com

Anna mit fluppe

Es ist die Wahrheit: Indierocker spielen zwar harte Gitarren, haben aber ein weichen Kern. Wie zum Beweis präsentiert die Hamburger Band fluppe die neueste Single "crystal". Sofort ziehen bunte Wolken auf, wenn dieser zuckersüße Song startet.
"crystal" handelt vom Gefühl, in Watte gepackt zu sein, in Zuckerwatte, weil da plötzlich ein Mensch ist, mit dem man im Doppelflausch unterwegs ist. Vermutlich ist das Verliebtsein der einzige Grund für die Erfindung der Rockmusik.
fluppe macht gemeinsam mit der Labelkollegin Anna Wydra aus "crystal" ein gefühliges Duett. In der harten Coronazeit barg Zweisamkeit eher Konfliktpotential, nun ist wieder Zeit für kuschelige Emotionen. Mit "crystal" schickt Fluppe die dritte Auskopplung des kommenden Albums auf die Reise. Ende Januar 2023 erscheint "boutique" bei Chateau Lala und lässt ein wenig Hamburger Rockmusikgeschichte aufleben.

www.fluppeband.de

Nicht aus Herne: Dubinski

Warum die vier Gaine-Brüder Eugene, Fergus, Donal und Eoin aus Glenlivet in den schottischen Highlands ihre Band Dubinski nennen, wird vermutlich eine häufig gestellte Interviewfrage in den nächsten Wochen. Wir ignorieren das einfach und lassen uns nicht hinters Licht führen. Denn die Jungs können sich nennen wie sie möchten, verschleiern können sie nicht, dass Dubinski eine britische Band ist.
Der Beweis ist das morgen erscheinende Debütalbum "Dubinski". 14 Stücke feiner Insel-Indie-Rock, der manchmal verspielt daher kommt, phasenweise ein wenig poppig ist, aber auch mit schönen Gitarrenbrettern aufwartet und einigen Dingen, die den Menschen in den 80er auch schon Spaß machten. Das Album bietet durchgehende Abwechslung mit ausreichend Partysongs ("Beyond me"), mit einer schönen, kuscheligen Nummer wie "Shook the blues away" und einfachen, aber wichtigen Botschaften ("Song about colour").
Meine Empfehlung: Hört euch ab morgen "Dubinski" an, selbst wenn diese Musik nicht zu eurem Kerngeschäft zählt. Bereits der Albumopener "Soothsayer" überzeugt. Dann freut euch auf die kommenden Live-Gigs, die hoffentlich auch im Ruhrgebiet stattfinden. Dort, wo es ganze Reihenhaussiedlungen voller Dubinskis, Burzinskis gibt und Leute mich gerne Lubinski nennen.

www.dubinskimusic.com

 

Pop mit Perücke

Meiner Meinung ist das Hippiepowerflowerpop, den JW Francis verzapft. Stimmt aber nicht. Der Künstler selbst bezeichnet seine Musik als "lofi jangle dream slacker bedroom pop". Und selbstverständlich ist JW der Herr über die Nomenklatur seines Produkts.
Dennoch: "Dream house" hört sich verdammt nach Woodstock, Central Park und Haight-Ashbury an. Nach all diesen magischen Orten des amerikanischen Hippietums. Aber natürlich auch nach bedroom, slacker, dream und es ist total lo-fi.
"Dream house" ist der Titeltrack des dritten Albums von JW Francis. Die Single kommt heute frisch auf den Tisch, das Album ist für den 27. Januar bei Sunday Best Recordings geplant. Wen ihr mögt in grünem oder cremefarbenen Vinyl!
Bis dahin solltet ihr euch eingehender mit dem New Yorker Musiker beschäftigen und dringend mit ihm Kontakt aufnehmen. Denn JW Francis bietet einen speziellen Service an: Er schreibt einen Valentinstag-Song für euch. Wenn ihr euch sechs Wochen vor dem Valentinstag am 14. Februar bei Mr. Francis meldet (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und ihm sagt, warum ihr euren Herzensmenschen so liebt, schreibt er euch einen Song.
Fasst eure Liebe in Worte, sagt es JW, dann habt ihr am 14.02. die coolste Überraschung für euren Schatz!

www.jwfrancis.com

Klare Kante am Meer

Die Zahl der Sommersongs ist vermutlich deutlich höher als die der Wintersongs. Doch genau genommen, ist die Single von Nyle ebenfalls ein Sommersong, denn schließlich hat die Gute den Winter vergessen. Und nun isser da.
Die Erinnerung an Dinge, die wiederkehren, thematisiert Nyle in "I forgot about the winter". Ein feiner Song mit unaufdringlicher Akustikgitarre, verträumten Synths, einem Hauch Piano und einem Beat, der mehr erinnert an das, was man manches Mal auf die Tischkante klopft. Dadurch ist es ein ganz klarer Song, den man sofort versteht.
"I forget about the winter" ist vielleicht der sachte Auftakt einer Solokarriere, die Nyle nach einigen Jahren im Geschäft bereits 2020 anschob. Das alles ist im Schwange, Live-Daten sind geplant und natürlich irgendwann einmal ein Debütalbum. Warten wir ab und vergessen Nyle bis dahin nicht.

www.listentonyle.com

Slowe und unaufgeregt

In ihrem home studio steht ein Plattenregal. Und in Slowes erster Veröffentlichung für Tru Thoughts funkelt ein glänzendes Rhodes Piano. Dabei ist die Frau lange nicht so alt, dass sie Plattenregale und Fender Rhodes' aus ihrer Jugend kennen könnte.
Dennoch geht sie damit sehr elegant um wie der Track "WYLTK" beweist. Ein gediegendes Stück Soul mit einer sehr schönen vintage drum line, dem besagten, prickelnden Piano und zurück genommener Gitarre. Slowe spielt als bekennende Multiinstrumentalistin alles selbst ein, mischt und produziert ihre komplette Musik. Das alles mit einer gewissen Tiefenentspanntheit und warmen, melodischen Sounds.
Slowe ist damit absolut richtig aufgehoben bei Tru Thoughts, repräsentiert ihre Musik doch perfekt den Klang der Musikszene in Bristol. Betrachtet "WYLTK" als Aufforderung, die weitere Entwicklung der Newcomerin wohlwollend zu begleiten.

www.slowemusic.com

Hip Hop mit Krawatte

Er ist ein Alleskönner, denn Sly5thAve komponiert, arrangiert, spielt fast alles selbst und produziert. Sein neuester Output entstand gemeinsam mit MC JSwiss und operiert am Schnittpunkt zwischen Hip Hop und Jazz.
Aus der Zusammenarbeit der Beiden resultieren sechs Tracks, die gemeinsam mit den jeweiligen Instrumentals das Album "Somebody's gotta do it" bilden, welches kürzlich bei Tru Thoughts erschien. Das ist Hip Hop in ganz feinem Zwirn aus schmeichelndem Jazz, einem Kragen aus Soulgewebe und Einstecktuch von Prince.
Slys Hip Hop aus Brooklyn ist authentisch, macht Spaß und hat Substanz. Böse Zungen könnten behaupten, das sei Akademiker Hip Hop. Sei's drum: "Somebody's gotta do it" und seien wir froh, dass es Sly5thAve war, der den Job übernommen hat.

www.sly5thave.com

Saufen statt laufen

Friedemanns neuer Song "Ich liebe es zu wandern" ist seinem guten Freund Gabor gewidmet. Der Mann ist Punkrocker und durch einen Unfall hochgelähmt, lässt sich aber dennoch nicht unterkriegen. "Ein Beispiel für Lebenslust obwohl einem das Wasser bis zum Hals steht. Ein Vorbild und Antrieb für uns alle, in diesen Krisenzeiten mutig nach vorne zu schauen und zu gehen", beschreibt Friedemann seinen Freund.
Passend dazu kommt der Song mit einem leichten Skabeat rüber und feiert die Lebenslust von Gabor ab. "Ich liebe es zu wandern" ist auf dem kommenden Album von Friedemann, das "Naiß" heißt und Ende Januar 23 bei Dackelton Records erscheinen wird. Vorbildlich!

www.friedemann-ruegen.de

Von Grönemeyer bis Greshake

"Deine blaue Zahnbürste liegt noch hier" beginnt Barbara Greshake ihre neue Single zu ein wenig Gitarrengeklimper und ich denke: PeterLicht?!? Das bestätigt sich nicht im weiteren Verlauf von "Ich fühle, was du nicht fühlst". Dennoch: Barbaras Pop hat ein bisschen Schräge, ein Funken Abseitigkeit, was sie im Kern mit PeterLicht verbindet.
Auch der Sound ihrer Musik ist anders. Man höre nur einmal auf die Snare von "Ich fühle, was du nicht fühlst", die sich fast nach Spielmannszug anhört. Barbaras Ziel ist es, in ihre Songs den Sound Skandinaviens zu integrieren. Es schwebt ihr ein tiefer Sound vor, für den man auch auf eigenwillige Instrumentierung zurückgreifen kann.
Die Frau ist offensichtlich Fan von guter Musik, aber nicht von deutschem Geradeaus-Pop. Das ist vielsprechend im Hinblick auf das Solo-Debüt der Kölnerin, das unter dem Titel "Gemischte Gefühle" am 25. November bei Chateau Lala erscheinen wird. Und die Omas und Opas unter euch werden sich erinnern, dass es bereits schon einmal ein deutsches Album mit diesem Titel gab, das 1983 Auftrieb für die Karriere Grönemeyers bot. Ein gutes Omen.

www.instagram.com/barbara_greshake