I-Wayne - Book of life (2007 VP Records)

echt hieroglyphischEs ist leicht, den Überblick zu verlieren, wenn es um die jamaikanische Plattenproduktion geht. Ein Kommen und Gehen, viele neue Namen und dazu Ungezählte, die erfolglos vor den Studios Schlange stehen. 2004 erschien jemand namens I-Wayne auf der Bildfläche und zerbröselte unseren Ohrenschmalz mit seinem Tune Can't satisfy her. Das Debütalbum Lava ground folgte auf dem Fuß. Nun steht er wieder auf der Matte und singt uns direkt hinter die Augen, dorthin, wo an schlechten Tagen Migräne entsteht.

Denn I-Wayne singt in einer Tonlage, die man sonst nur von defekten Geschirrspülern kennt. Dass man bei seinem jüngst erschienenen, zweiten Album Book of life trotzdem am Ball bleibt, spricht für die bemerkenswerte Qualität seiner Musik. Es macht überhaupt nicht den Eindruck, als hätte der Mann aus Portmore Probleme mit dem so schwierigen zweiten Schritt gehabt.

Book of life bietet große Vielfalt auf Rootsbasis. I-Wayne startet wie auf dem Vorgänger mit dem Titeltrack eher balladesk, unterrichtet mit lehrreichem Roots (Free the peolple), nimmt uns kurz mit in die Dancehall (Smart attack), lässt One drop fallen (Life is easy), betütert das Publikum mit Huldigung weiblicher Reize (Need her in I arms), wiederholt das ganze in Variationen, um mit dem 16. Stück (Natural ites) im R'n'B zu enden und den Hörer selig zurück zu lassen. Mit dem Finger auf Repeat.

Die ganze Spannweite seines Schaffens lässt sich darin erkennen, dass der Sopran-Rasta bei Free the people, Good enough und Money dem a run down einerseits Ikonen wie die Abyssinians, Burning Spear und Gregory Isaacs zitiert, darüber hinaus in Politics and religion eine sehr gelungene Channel One Hommage der ehemaligen Revolutionaries Sly & Robbie und Ansel Collins voict, andererseits mit dem bereits erwähnten Need her in I arms aber auch auf einen Track von Produzent Don Corleone zurückgreift, der schließlich schon Sean Paul das ein oder andere Nümmerchen untergeschoben hat.

Es ist an diesem Punkt naheliegend, zu vermuten, dass es sich bei Book of life um eines dieser typischen, unaufgeräumten Reggae-Alben handelt, die eigentlich nur ein Sammelsurium vieler Tunes aus zahllosen Produzentenhänden sind. Doch ganz im Gegenteil ist die große Stärke von I-Waynes zweitem Album, dass es eines ist. Book of life ist in allen Teilen stimmig arrangiert, sauber (co-)produziert und präsentiert sich als Einheit, auch wenn schwer zu benennen ist, worin genau der rote Faden besteht. Es wird womöglich dieser warme, fast kuschelige Sound sein, den das ganze Album besitzt.

Das erinnert irgendwie an Garnet Silk, dessen eigenwillige Stimme es einem anfangs ebenfalls erschwerte, das dahinter stehende, musikalische Pfund gebührend zu gewichten. Es ist I-Wayne zu wünschen, dass seine Karriere - ähnlich wie die Silks - noch größere Höhen erreicht als seine Tonlage. Der Anfang ist jedenfalls mit Book of life gemacht.


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