08/03 SAMORY I & MORTIMER im Junkyard, Dortmund

samoryI tourplakatMortimer und Samory I zählen zur jungen Garde des Reggae, der man zutraut, den Roots Reggae wiederzubeleben. Samory I hat erst kürzlich das Album "Strength" veröffentlicht, das von der deutschen Reggae-Instanz, dem Riddim Magazine, derart abgefeiert wurde, dass man meinte, Bob Marley sei auferstanden.
Bis zu diesen Stufen des Ruhms sind es noch ein paar Schritte für die beiden Jamaikaner. Aber dass sie etwas zu bieten haben, ist unbestritten und wird sich im Dortmunder Junkyard sicherlich zeigen. Mortimer und Samory I versprechen eine Show im "Original Sound-System Style". Was dann wohl bedeutet, dass die Musik aus der Konserve kommt. Allerdings steht niemand Geringeres als Laurent Alfred aka Tippy I an den Reglern, das stille Mastermind von den Virgin Islands, der für unzählige, hochkarätige Reggae-Alben von namhaften Artists in den letzten Jahren steht.

www.junkyard.ruhr
www.samoryi.bandcamp.com
www.mortimerofficial.com

03/03 PATRICE in der Zeche Carl, Essen

patrice tourplakatPatrice Bart-Williams begann einmal als Vorprogramm von Lauryn Hill. Darauf folgte eine sehr erfolgreiche Karriere, die bis heute anhält. Patrice ist es in der ganzen Zeit immer gelungen, sein eigenes Ding zu machen. Und deshalb kann man sich bei seiner Musik beständig fragen: Ist das jetzt Reggae? Oder Afro? Oder Soul?
Eigentlich ist es das alles zusammen. Damit hat Patrice weltweit ein treues Publikum um sich geschart, das ihm gern große Hallen füllt. Für sein inzwischen neuntes Album "Nine" geht er nun einen oder zwei Schritte zurück und spielt in recht kleinen Clubs der Republik. Das ist ein absolutes Ereignis und findet zurück zu dem 20-jährigen, der allein mit Gitarre auf einem Barhocker vor dem riesengroßen Vorhang in der Philippshalle saß.

www.zechecarl.de
www.patrice.net

Gemeinsam scheiße fühlen

Die Sounddatei zu "Manau" sortiert sich selbst in die Schublade dark pop. Nala Tessloff kategorisiert ihre Songs als Weltuntergangs-Soundtrack. Ihr solltet allerdings keineswegs auf Nalas Songs verzichten, weil ihr Angst vor schlechter Stimmung habt. Die Hamburger Künstlerin hilft euch da eher raus, weil es doch so schön ist, wenn man sich nicht allein schlecht fühlt. Wer kennt das nicht: "But everytime I try to face my mind, the world turns grey and I'm not okay."
"Manau" ist die neueste Veröffentlichung von Nala Tessloff. Den Track verziert ein schönes Synthie-Thema, begleitet durch eine angenehme bassline und gepflegte Gitarren. Es bleibt genügend Raum für Nalas Stimme, um die es sonst echt schade wäre.
Die Sängerin/Songwriterin, Komponistin und Performance-Künstlerin bereitet uns auf ihr düster-souliges Solo-Debüt vor, auf dem sich Einflüsse finden aus ihrer bisherigen Arbeit im Bereich Filmmusik, Hochkultur und Performancekunst. Es wir "Daydream" heißen und ab 01. März bereit stehen.

www.nalatessloff.com

Ich sah's kommen

Vor wenigen Wochen kündigte ich an dieser Stelle voller Hoffnung auf ein neues Album die neue Single von Alice Russell an. "Rain" erblickte nach Alices zehnjähriger Schaffenspause das Licht der Welt. Und bewies, dass Alice Russell eine wirkliche Soulgranate ist.
Alice legt nun mit "I see you" nach und kündigt damit das erhoffte Album an. "I see you" ist eine gediegene Pianoballade, die von einer verhallten Kickdrum begleitet wird. Alices Stimme steht voll im Raum und sehr persönliche Vocals runden das Bild zu einem gefühligen Soultune.
"I see you" ist nach "Rain" die zweite Veröffentlichung vom kommenden Album "I am", das irgendwann im April auf den Markt kommt. Auch als schönes, marmoriertes Vinyl. Ostern und Weihnachten an einem Tag!

www.alicerussellmusic.bandcamp.com

Der Mörder ist immer der Poolboy

Gia Ford ist Britin. Sie schafft es aber mühelos, mit ihrem neuen Song "Poolside" ein großes Stück Amerika zu transportieren. "Poolside" hört sich nach großem, amerikanischen Singer-Songwriter-Pop an mit einem percussiongleichen Schlagzeug und prägnanten Gitarren von flächig bis schneidig.
Irgendwie Westcoastsound, der allerdings konterkariert wird wird durch eine gewisse morbide Bitterkeit. Das liegt an der Geschichte, die uns Gia erzählt. Eine kleine, hübsche Parabel auf die leider immer noch existierende Ungleichheit zwischen Menschen im Licht und der Masse im Schatten: "In summer town where I'd love to watch you drown", bringt unsere spätkapitalistischen Auswüchse maximal poetisch auf den Punkt.
Ich hoffe inständig, dass Gia Ford ihr großes Talent, Songs zu schreiben, im neuen Jahr in ein umwerfendes, neues Album ummünzt.

www.instagram.com/gia__ford

 

Nicht deine Märchentante

Nanti möchte uns in eine Märchenwelt verführen. Aber man sollte sich nicht täuschen. Nanti gaukelt zwar arabische Exotik vor, haut dir aber knallharte Realität um die Ohren. "Sheherazade" ist der neueste Track der Frau, in dem sie - wie häufig in ihren Songs - Vorurteile benennt, Schwierigkeiten und Probleme beschreibt, von denen Menschen in Deutschland betroffen sind, die hier nicht ihre Wurzeln haben.
Wie wichtig diese Ansichten sind, ist allen Deutschen hoffentlich sehr bewusst, seit bekannt ist, dass brandstiftende Biedermeier sich in einer historischen Potsdamer Villa treffen, um Mappen mit alten und kranken Ideen aus verstaubten Schubladen zu ziehen.
Sind wir tatsächlich so bekloppt, diesen Ideen zu folgen und uns der Kreatitivität und dem kulturellen Input aus anderen Ecken der Welt zu berauben? Leute...
Nein, wir freuen uns auf die kommende, zweite EP von Nanti. Die kommt am 26. Januar. Einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag.

www.instagram.com/nanti.office