Selbst wenn ich wollte: Nein.

Es beginnt, als hätte die letzte Stunde geschlagen. Und auch danach bleibt der Track "If I could" von das bisschen Totschlag bei dieser Stimmungslage. Düstere Popklänge, getragen von einer heftigen Bassline, dahinter ein Schlagzeug und ein wenig Elektronik. Im Zusammenspiel mit der einzigen Textzeile, die aber scheinbar endlos repetiert wird, ergibt das einen hypnotischen Sound, den die bereits existierenden Exegeten der Band als Ausdruck des Zweifels an der rasanten Welt und der geforderten Dauerpräsenz interpretieren.
Wie dem auch sei, es ist auf jeden Fall eindringlich, was das bisschen Totschlag abliefern. Und steigert die Erwartung an das kommende Album "No Risiko", das die Berlin-Hamburg-Combo  am 11. Februar veröffentlichen will.

www.dasbisschentotschlag.de

 

Macht Fleisch Spaß?

Mindestens die Hälfte der Menschheit war als Teenager äußerlich verpickelt, fühlte sich vor allem innerlich verpickelt und viel zu uncool. Selbst wenn man später eine Kreativagentur leitet oder sieben Sprachen fließend spricht ist man dadurch lebenslang in den Miesen. Der Mangel an Lässigkeit zur falschen Lebenszeit bleibt der psychologische Dispo für immer.
Dieses Dilemma packt Mia Morgan in ihren neuen Song „Teenager“ mit der der hymnischen Zeile „Wär' ich als Teenager cooler gewesen…“. „Teenager“ ist das Erste, was wir aus Mias Debütalbum „Fleisch“ zu hören bekommen. Die erste Auskopplung macht einen etwas poppigeren Eindruck als das, was man von ihrer 2019-EP „Gruftpop“ kannte.
Dennoch: Es bleibt unkonventionell bei Mia, hat eine gewisse Rotzlöffligkeit und ist phasenweise angenehm punkig.
Das könnte extrem Spaß machen, wenn man „Fleisch“ zum ersten Mal in voller Länge zu hören bekommt. Ende April 2022 ist es soweit.

www.instagram.com/mialisamarie

 

Freizeit-Pop

Leisure stehen mit Ihren Namen dafür, absolut stressfreie Musik zu machen. Es ist entspannter Downtempo-Soulpop, den die Neuseeländer auf ihren bisherigen zwei Alben "Leisure" und "Twister" angeboten haben.
Morgen erscheint das dritte Werk der Band und der Titel "Sunsetter" deutet darauf hin, dass die neue Musik wiederum nicht zur Hektik neigt. Auch die neuen Songs sind eine Empfehlung, lieber die Panoramastrecke zu fahren und die Aussicht zu genießen. Der erste Teil von "Sunsetter" entstand in der Nähe von Paris, der zweite Teil auf einer einsamen neuseeländischen Insel. Das sind gute Voraussetzungen, dass Leisure mit "Sunsetter" wieder liefern wird, was man von den fünf Jungs erwartet. Nämlich eine Liebeserklärung an die Entschleunigung im Wissen, dass weniger Tempo mindestens genauso schnell zum Ziel führt.

www.theleisurecollective.com

Eine massive Attacke auf dein Ohr

Eindringliche Basslines, Break-, Broken und HipHop-Beats, spärliche Synthies und immer wieder ein Rhodes Piano, das auch nach 50 Jahren Gott sei Dank noch nicht aus der Mode gekommen ist. Dazu das fulminante Organ von Danielle Kranendonk. Das ist Aurora Dee Raynes.
Danielle und Stephen Raynes begannen bereits 2012 gemeinsam zu musizieren und ihrer Liebe zu Jazz und Soul zu frönen. Irgendwann stieß Tristan Williams dazu und das Projekt nahm Formen an. Nun ist endlich das Debütalbum "Invisible things" bei Tru Thoughts erschienen. Und es ist himmlisch geworden. Neun Stücke, die derzeit nur aus London kommen können. Es klingt nach langen Großstadtnächten mit noch verboteten Drogen.
"Invisible things" ist ein Pfund und sollte euch schlappe fünf Pfund für den Download wert sein. Es ist ein Album von großer Modernität, das aber im Kern nicht vergessen hat, was vor 30 Jahren aus London zu uns kam. Fragt eure Omma mal nach Acid Jazz und TripHop.

www.soundcloud.com/aurora-dee-raynes

International Ruhrrevier

Im letzten Jahr haben wir euch Drens präsentiert. Eine fuzzy Garagenrockband mit abgefucktem Gute-Laune-Sound aus dem schwatzgelben Ostpott. Die Jungs waren fleißig im vergangenen Jahr und arbeiteten unermüdlich am ersten Album. Das Debüt soll nun im Mai kommenden Jahres bei Glitterhouse Records erscheinen. Jetzt stellen Drens den Titelsong von "Holy demon" vor.
Und hups, was ist das? Das klingt aber deutlich fetter als im letzten Jahr. "Holy demon" ist ein ausgefeilter Rocksong internationalen Zuschnitts. Eine Üppigkeit, die sich auch im dazugehörigen Clip widerspiegelt. Das mag am neuen Produzent "Zebo" Adams liegen, der bereits den Ösis von Bilderbuch auf die Sprünge half.
"Holy demon" ist schon ein Brett. Klingt aber nicht mehr schön nach Eving und Kevin Großkreutz, sondern eher nach Berlin, Seattle oder Wien. Unverwechselbar? Hm, abwarten.

www.drens.de

Schatz, nimmst du auch einen Cocktail?

Es bewegt nichts, wenn das Ahrtal geflutet wird, Menschen Haus und Hof oder sogar ihr Leben verlieren. Müssen wir deshalb etwa unsere Gemütlichkeit ändern? Nee nee, eine Spende tut's auch.
Möglicherweise hilft die Ironie einer HipHop Band. In diese Kerbe schlägt Neonschwarz. Mit der neuen Single "Hitzefrei" umreißen die Hamburger kurz, knapp und sarkastisch, was uns klimatisch blühen wird.
Das wird der Summer of Sixtynine, allerdings der von 2069. Doch der Rückgriff auf Pophistorie spricht womöglich die saturierten Bürger im fortgeschrittenen Alter an, die im SUV zum verlängerten Skiwochenende nach Südtirol aufbrechen, weil sie ein wenig Langeweile hatten beim vierten Trip in die Agäis dieses Jahr. Auch lädt das musikalische Gewand von "Hitzefrei" ein zum sanften Erinnern, hört es sich doch ein wenig an wie Deutschrap der 90er. Die Best Ager müssen sich also nicht umstellen.
Wünschen wir Neonschwarz, dass sie trotzdem ausreichend nerven mit dem aktuellen Track, der übrigens das kommende Album "Morgengrauen" ankündigt. Ab 25.02.22 bei Audiolith.

www.neonschwarz-music.com