Funk und Jazz und Sauerkraut

Die britische Band Squid veröffentlicht übermorgen ihr Debütalbum "Bright green field" und ist jetzt schon mit einem gewaltigen Vorschusslorbeerkranz geziert. Das renommierte Magazin Pitchfork bezeichnete eine der vorlaufenden EPs von Squid als "endgültige Grenzenlosigkeitserfahrung". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit Squid immer auch der Begriff Krautrock fällt, dieses Genre, das alle Musikexperten im Mund führen, aber niemand wirklich definieren kann.
Den fünf Jungs von Squid kann man aber diese avantgardistische Herangehensweise an Musik zugute halten, die auch die bundesdeutschen Krautrocker der 70er Jahre auszeichnete. Das Debütalbum wirkt dennoch geerdet, was möglichwerweise darauf zurückzuführen ist, dass "Bright green field" überwiegend in der Stammkneipe von Ollie Judge in Chippenham entwickelt wurde. Der Pub stand zu Pandemiezeiten als Proberaum zur Verfügung und dort haben Ollie, Louis Borlase, Arthur Leadbetter, Laurie Nankivell und Anton Pearson den rockigen Sound entwickelt und mit Funk und Jazz verziert.
Das ergibt eine progressiv-explosive Mischung an Sounds, die dem Krautrock alle Ehre macht. Der ganzen Wahrheit halber, muss ich aber auch gestehen, dass meine Frau mich gerade eben mit dem Koffer in der Hand dringlich aufgefordert hat, Kopfhörer zu benutzen, sonst...

www.squidband.uk

Sand ins Getriebe und Oehl ins Feuer

Oehl ist wieder zurück mit dem Mix aus schwerem Pop und Lyrik in HD. Diese eindeutigen Stärken der Wiener Band werden nun gebündelt für ein Konzeptalbum, das sich Kapitalismuskritik auf die Fahnen schreibt und dessen erste Single folgerichtig "Arbeit" heißt. Das komplexe Thema wird in den Händen von Oehl auch zu Statements hinsichtlich der Schattenseiten der Sebstverwirklung und zum Verkümmern menschlicher Kontakte.
Das hört sich extrem problemorientiert an, aber womöglich bieten Ariel Oehl und Hjörtür Hjörleifsson mit dem neuen Werk auch Lösungen, denn das Album wird "100% Hoffnung" heißen. Diese Hinwendung zur Besserung, das gemeinsame Verändern der Verhältnisse steht auch im Mittelpunkt des Videoclips zu "Arbeit".
Oehl bleibt eine besondere Band. "100% Hoffnung" dient als Beweis und wird am 02. Juli veröffentlicht.

www.oehlmusic.com

Bestimmt audiovisuelle Kunst

Außer perfekt gefönten Haaren zeigt der Videoclip nichts wirklich Wichtiges. Oder habe ich etwas nicht verstanden? Schließlich ist Saskia Hahn nicht nur Musikerin, sondern beschäftigt sich bereits seit Langem mit visual arts und stellt als Künstlerin weltweit aus.
Zumindest lenkt das Video nicht von der Musik ab und das ist doch entscheidend. Denn die ist ausgesprochen gut gelungen. The Heartways ist das neue Projekt von Saskia Hahn, die vielen vielleicht bekannt ist als Tourgitarristin von Pop-Ikone Peaches. Mit dem nicht mehr ganz taufrischen "By your side" liefern The Heartways nun einen Vorgeschmack auf das für dieses Jahr geplante Album. "By your side" ist ein feines Stück Indie-Pop mit einem treibendem Basslauf, knackigem Schlagzeug und mit fetten Gitarrenbreitseiten. Dazu ein klassisch-schönes Arrangement. Fertig ist der Lack. Super zu hören, gucken muss man nicht.

Jack Dalton & the Cactus Boys

Das ist vermutlich der Ostseestrand, an den diese Jungs im neuen Clip gespült werden. Denn Surf sounds finden sich nicht nur in Kalifornien. Jack Dalton und seine Cactus Boys sind nämlich waschechte Kieler und dort im Norden bereits Gesprächsstoff. Mit "¡Ten Cuidado!" ist jetzt die erste Single der Newcomer-Band am Start, von der Debüt-EP "Milkshake robbery", die heute La Pochette Surprise erscheint.
Die EP verfügt über fünf Songs mit surfigen Spaghetti-Gitarren, Garage Sound und zu guter Letzt wurde noch eine Prise Pop und Psych hinzugefügt. Eine echte Partykapelle, diese Cactus Boys!

www.instagram.com/cactus_boys

Eine gute Figur

Ob als Tänzer, Musiker oder Skater. Dino Brandão macht immer eine gute Figur. Obwohl bei ihm irgendwann traurigerweise Multiple Sklerose festgestellt wurde. Das wegzustecken und in Musik umzusetzen wie nun bei seiner ersten Single "Bouncy castle", verlangt höchste Anerkennung.
Für Dino ist die Hüpfburg - bouncy castle - ein Zeichen für die Auf und Abs des Lebens, ein Sinnbild für das Stehaufmännchen. Demenstprechend ist "Bouncy castle" ein Stück geworden, das großartig zwischen Ballade und Tanzfläche schwingt und swingt. Ein fast schon brasilianischer Touch verschmilzt darin mit spacigen Synths und der Gitarre, die den Song über dreieinhalb Minuten trägt. "Bouncy castle" besitzt die Fähigkeit für Trauer und Hoffnung zu stehen, für Gelingen und Mißlingen.
Ein sehr gelungener Start in die Solokarriere, der verbunden ist mit der Freude, demnächst noch viel mehr von Dino Brandão zu hören.

www.dinobrandao.com

Hereinspaziert

Alex Mayr hat ein Händchen für gute Popsongs. Das kann man auf ihrem ersten Album "Wann fangen wir an" aus dem letzten Jahr nachhören. Jetzt wird der Nachfolger "Park" angekündigt. Wiederum gemeinsam mit Konrad Henkelüdeke verbreitet Alex darauf Soundtrackpop, wie die Popakademie-Absolventin ihre Musik gerne selbst nennt.
Die erste Veröffentlichung vom kommenden Album ist der Track "Eingang" und kennzeichnet eventuell eine Weiterentwicklung von Alex' Sound. Kurzzeitig haut einen der Refrain um und am Ende ist man ganz gespannt, wie es bei "Park" weitergeht, wenn man erst einmal den Eingang gefunden hat.

www.alex-mayr.com