Rock die Garage

Beim Hamburger Speziallabel La Pochette Surprise erscheint morgen das Debütalbum von Hawel/McPhail und klar ist: Wo sonst? Schnörkelloser Garagenrock mit wunderschönenen Fuzzgitarren ist bei La Pochette Surprise bestens aufgehoben. Hinzu kommt, dass das Label, Frehn Hawel und Rick McPhail sozusagen um die Ecke wohnen. Eine klassische Win-win-Situation, die die beiden Hamburger Szenegrößen zwangsläufig in die Arme von Labelchef Velvet Bein trieben.
Die beiden Protagonisten kennen sich bereits ewig, teilen musikalische Vorlieben, so dass es nun mal Zeit wurde, eine gemeinsame Band zu gründen. Jetzt ist das Debüt "Transmissions from the upper room" startklar und wird heute von Hawel/McPhail auf die Reise geschickt. Gut möglich, dass es ab sofort für nicht nur gerinfügigen Aufruhr sorgen wird.

 

Alkohol, grüne Oliven und Käse auf Spießen

Wurde an dieser Stelle eigentlich bereits erwähnt, das tropenhausliebende Menschen ziemlich coole Babos sind? Dementsprechend gilt also nicht nur für mich, sondern auch für Alex Mayr, die sogar extra mit weißen Anzug ins Tropenhaus ging, um dort den Clip zu aktuellen Single "Margaritas" aufzuzeichnen.
Das hat Stil, ganz genau wie die meisten Songs von Frau Mayr. "Margaritas" ist dafür wieder mal ein sehr gutes Beispiel. Mit enormer Leichtigkeit erzählt Alex in dem Song von einem verkaterten Sonntag, der sich so wahnsinnig gut anfühlt, weil der dazugehörige Vorabend einfach genial war. Endlich jemand, der seinen dicken Kopf nicht betrauert, stattdessen wünscht, "dass es nochmal gestern ist".
"Margaritas" ist die zweite Single aus dem kommenden Album "Park". Beim Hören der neuen Single wird klar, dass der werweißwo liegende Park der zentrale Begriff für das neue Album zu sein scheint. Etwa ein Konzeptalbum? Wir werden sehen. Am 09. Juli, wenn "Park" auf Alex' eigenem Label Alex Mayr Rekorder erscheinen wird.

www.alex-mayr.com

Coole blaue Stunde

Es ist die alte Geschichte von Papas Plattenkiste. Auch die beiden Londoner Namali Kwaten und David Mrakpor fühlen sich vom Plattenschrank ihrer Eltern dermaßen inspiriert, dass sie zu Beginn ihrer eigenen 20er Jahre Blue Lab Beats gründen. Kwaten wählte in diesem Zuge den Künstlernamen NK-OK, bei dem es sich auch um einen Impfstoff handeln könnte, und kreiert für Blue Lab Beats die Elektronik und Sounds. Mrakpor nennt sich schnöde Mr. DM und ist der musikalische Tausendsassa der Band und damit deren Keyboarder, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger.
Gemeinsam erschaffen sie einen stark jazzinspierten Sound mit Einflüssen von HipHop, Soul, R'n'B und afrikanischen Elementen wie bei der Single "Blow you away (Delilah)", die ein absoluter HInhörer ist. Der Track eröffnet die gestern veröffentlichte EP "We will rise", die voller cooler Jazzstücke ist. Die beiden Twens schrecken dabei nicht vor althergebrachten Instrumenten wie einem Rhodes Piano, Vocodern und Saxophonen zurück, was eindrucksvoll die Verbindung zu Papas Plattenkiste beweist. Dass Blue Lab Beats damit einen Nerv treffen, dokumentiert der Vertrag mit Blue Note Records. Dieses wahnsinnig renommierte Label, welches im Prinzip ein Synonym für Jazz ist. "We will rise" wünschen wir den beiden Jungs für die Zukunft und ist ab sofort digital verfügbar. Und für die Eltern: Ab 18. Juni auch als Vinyl.

www.bluelabbeats.com

Wo genau liegt Pompano?

In der letzten Woche veröffentlichte der kanadische Musiker Mudie seine neue EP „Pompano“. Beim Start mit dem Titeltrack kommt man nicht auf die Idee, das Hugo Mudie eine ausgeprägte Punkvergangenheit hat. Das hört sich mehr nach schrägem Chanson an mit einem heftigen 80er Flair. Auch beim nächsten Stück „L’aeroport“ fühlt man sich deutlich stärker an das Sonnendeck der Aida erinnert als an Johnny Rotten.
Bei allen vier Stücken der neuen EP positioniert der Kanadier intensive, verzerrte Gitarren im Mittelpunkt und staffiert das mit einem Drumcomputer aus, den er vermutlich auf dem Flohmarkt erstanden hat. Das hat etwas von heißen Tagen auf südfranzösischen Campingplätzen mit ungekühltem Bier und viel zu süßem Pastis. Irgendwie cool…

www.hugomudie.com

Kosmischer Synthie-Soul

Hemai kombiniert Soul und Jazz mit Schattierungen aktuellster Elektronik in brillanter Art und Weise. Der 22-jährige transzendiert seine Musik mit Leichtigkeit ins Himmlische. Geerdete Sounds mit den Wurzeln im Guten von Gestern gehen ab ins Spacige.
Dabei schreckt Hemai nicht vor ganz deepem Soul zurück oder antiquierten Discosounds, ist nicht fies vor Violinen und schönen Gitarren. "Von seiten der Produktion experimentiere ich mit dem Konzept des Weltalls, bringe meine bevorzugten Sounds aus der ganzen Welt zusammen und verflechte sie mit UK Roots", fasst Hemai das prägnant zusammen.
"Love dancer" ist ein Stück aus dem hervorragenden Debüt-Album von Hemai und hier in einer Wohnzimmer-Liveversion zu sehen. Spritzige Elektronik mischt sich hier mit angenehmen Bass und zurückhaltendem Piano. In dieses Setting schlägt der Gesang von FiFi Robo tiefe Wurzeln. Diese Intensität ist kaum zu toppen, genau wie bei der Album-Version von "Love dancer", die mit knackigen Drums aufwartet und dadurch in eine ganz andere Richtung geht.
"Strange beauty" wird morgen bei Tru Thoughts veröffentlicht und ist wärmstens zu empfehlen.

www.instagram.com/hemaimusic

Funk und Jazz und Sauerkraut

Die britische Band Squid veröffentlicht übermorgen ihr Debütalbum "Bright green field" und ist jetzt schon mit einem gewaltigen Vorschusslorbeerkranz geziert. Das renommierte Magazin Pitchfork bezeichnete eine der vorlaufenden EPs von Squid als "endgültige Grenzenlosigkeitserfahrung". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass im Zusammenhang mit Squid immer auch der Begriff Krautrock fällt, dieses Genre, das alle Musikexperten im Mund führen, aber niemand wirklich definieren kann.
Den fünf Jungs von Squid kann man aber diese avantgardistische Herangehensweise an Musik zugute halten, die auch die bundesdeutschen Krautrocker der 70er Jahre auszeichnete. Das Debütalbum wirkt dennoch geerdet, was möglichwerweise darauf zurückzuführen ist, dass "Bright green field" überwiegend in der Stammkneipe von Ollie Judge in Chippenham entwickelt wurde. Der Pub stand zu Pandemiezeiten als Proberaum zur Verfügung und dort haben Ollie, Louis Borlase, Arthur Leadbetter, Laurie Nankivell und Anton Pearson den rockigen Sound entwickelt und mit Funk und Jazz verziert.
Das ergibt eine progressiv-explosive Mischung an Sounds, die dem Krautrock alle Ehre macht. Der ganzen Wahrheit halber, muss ich aber auch gestehen, dass meine Frau mich gerade eben mit dem Koffer in der Hand dringlich aufgefordert hat, Kopfhörer zu benutzen, sonst...

www.squidband.uk