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Big Boy - Ponygirl (2009 The Private Room)

Pony Boy Lang erwartet von vielen, insbesondere eingefleischten Fans, ist es nun endlich zu haben! Big Boys Zweitwerk Ponygirl (siehe auch Studiobericht ) ist ein konsequentes Fortschreiten auf dem eingeschlagenen Weg. Big Boy wird selbstbewusster und frecher, regelrecht rotzig. Er schert sich wenig um Kritik und Nichtbeachtung hierzulande und verlegt in der Zwischenzeit seine Schaltzentrale kurzfristige ins lasterhaftere Los Angeles. Dort mag man ihn und weiß ihn und mit ihm zu feiern. Die Songs sind zum Teil wesentlich rockiger als auf dem Vorgänger Hail the Big Boy , die Botschaften vielleicht allgemein zugänglicher als die mehr persönlicheren Abhandlungen zuvor. Musikalisch schick und anspruchsvoll produziert... und von den Kritikern unter Beschuss genommen...

Diesmal wird der Hörer lasziv-liebevoll mit Phrasen á la "you bloody cunt" oder "you stupid fucker" begrüßt – kein Kindergeburtstag also. Der erste Song "Terror Era" rockt gleich fett aber auch melodisch los und gibt die deutliche Kampfansage. Das energische Titelstück "Ponygirl" ist einer meiner Favoriten und war es schon als ich es vor Monaten live gehört habe, Big Boy total – leidend und treibend zugleich. "My own rules" verdeutlicht die Grundeinstellung, nimmt ein bisschen Tempo raus und kommt gut rüber wenn man es geschafft hat sich vom Sound eingrooven zu lassen. Mit "Love is almost perfect" wird es gar poppig-schmalzig und backgroundmäßig wunderbar zum Mitsingen untermalt. Mir gefällt's! 

Dann zerfetzt "Heroin Heroine" wirsch die Boxen, um den Weg zu bahnen für etwas ganz neues. Aha, eine balladeske Einlage mit "Mermaid", gesanglich aber etwas merkwürdig. Gelungen sind die elektronischen Einleitungen bei "Ships" oder "I hate myself", so richtig Industrial. Die Songs sind aber nicht so richtig rockbar oder tanzbar oder singbar. Auch Streicher und Piano kommen wieder zum Einsatz, vehement bei "You said", aber was ist mit der Stimme passiert, der Song wirkt gequält? Big Boy wagt sich mit "Diese Welt" an deutsche Texte, allerdings ebenso recht verzerrt vorgetragen. Dann haben wir noch einen Elektro-Remix, der gewöhnungsbedürftig klingt. Also an Vielfalt und Veränderung mangelt es nicht, über Geschmack lässt sich streiten.

Bekanntlich haben Big Boy eine hohe Fluktuation an Gitarristen. Im Studio wirkt unterstützend ein weiterer Künstler mit wilden Solieinlagen mit. Diese werden nur punktuell eingesetzt und kommen eher aus dem Metal. Dadurch und durch andere Frickeleien wirken die Songs gelegentlich ein wenig soundmäßig überladen. Auch die Balladen sind nicht so ganz die Stärke auf diesem Album. Das Gesamtpaket ist aber eine geballte Ladung an intensivem – nennen wir es der Einfachheit halber einfach – rotzigem Rock (und lassen Glam oder Metal oder Goth oder Manson-Anspielungen mal weg).

Die Band hat sich zum Vertrieb von Ponygirl eine interessante Aktion überlegt. Es ist das weltweit erste Album, das als komplette materialisierte CD 100% kostenlos inklusive der Versandkosten unter http://www.paywithoutmoney.com geordert werden kann. Eine durchaus nette Geste gegenüber den oft jungen Fans, wenn diese auch ihre Email-Adresse für Werbekampagnen opfern müssen.

VÖ für die CD: 30. Oktober 2009

Links:
www.myspace.com/hailthebigboy
Interview

Live:
Jan    16    2010    Köln – Underground
weitere Termine s. Homepage

Tracklist:
01 Intro
02 Terror Era
03 Ponygirl
04 My Own Rules
05 Love Is Almost Perfect
06 Heroin Heroine
07 Mermaid
08 Ships
09 I Hate Myself
10 You Said
11 Diese Welt
12 Love Is Almost Perfect (Club Remix)