Sam Ragga Band - The sound of Sam Ragga (2004 Warner)

Muss man Angst um dieses Land haben? Nicht, wenn man sich anstatt der Tagesthemen das neue Album der Sam Ragga Band zu Gemüte führt.

Die Hamburger legten dieser Tage ihr zweites Werk vor, und haben sich nun endgültig von Jan Delay emanzipiert, als dessen backing band sie lange galten.

Das zweite Album ist fast so schwer wie es die zweite Bundesligasaison sein soll. Aber Sam Ragga kicken und gehen steil, haben sich mit The sound of... im Oberhaus des deutschen Reggae etabliert.

Das Album klingt wie ein zweites Album klingen muss, will man sich nicht zu schnell von den SehtestSchiSchaSchubladisten kategorisieren lassen: "Sam Ragga kenn' ich, die machen doch Reggi oder so...". Der Sound of Sam Ragga ist mehr. Auf dem Vorgänger Loktown Hi-life dominierte der smoothe Roots-Reggae-Sound, den wir durch Stücke wie Die Welt steht still oder den Jan-Delay-Hit Vergiftet kennen, die Neuerscheinung ist eindeutig dancehalllastiger und das schlägt sich nieder in Tracks wie Friday evening, Sos, I like how she (feat. Patrice) und No. Doch darüber hinaus zeigen sich vielerlei Einflüsse in den 15 neuen Tracks. Da hört man Anklänge an afrikanische Sounds (Show dem who u are), jazzige Töne wie bei In the maze und dem Intro von Hard time rock und der Gipfel des Eklektizismus ist ein Cover des Joy Division Stücks Atmosphere. An dieser Stelle übermitteln mir meine telepathischen Fähigkeiten ein tiefes Aufstöhnen meines Redaktionskollegen Mic. Trotzdem ein würdiger Abschluss dieser CD, deren Titel programatischen Charakter besitzt. Hört her, das ist Sam Ragga!

Natürlich werden auch die Freunde des alten Sam Ragga Sounds nicht enttäuscht. Dafür sorgen die Frauen: Unhappy people, Lalala oohhh und Le temps vole von Esther Cowens bzw. Jessica McIntyre bieten den geliebten Sam Ragga Groove. Ol time rock mit Unterstützung von General Trees erinnert an Anthony B's Ode an alte Zeiten Waan back und an vergangenen Roots Radics Style.

Und dann ist da noch der Bonustrack Schade feat. Nena. Man darf diese Kommerzkacke nicht gut finden, sagt mir mein Kopf, doch mein Unterkörper bewegt sich inzwischen hemmungslos über das sonnenwarme Parkett.

Alles in allem also ein Album für Leute, die noch nicht wissen, was deutsche Reggaekapellen drauf haben und für Zeitgenossen, die bereits erkannt haben, dass sich deutsche Multikultur nicht auf den Einsatz von Gerald Asamoah in der Nationalelf beschränkt. Hat man dieses Album geht's einem besser, hat man's nicht, auch nicht schlimm, aber schade.

Übrigens spielt die Sam Ragga Band demnächst im Unruhrgebiet: Am 13.10. im Hundertmeister in Duisburg und am 14.10. im Bahnhof Langendreer in Bochum. Hingehen, denn Sam Ragga hat mehr als die dreißig Zuschauer verdient, die bei der letzten Tour in der Essener Zeche Carl zugegen waren. Allerdings hat die Band seinerzeit ihr Bier mit dem Häufchen Publikum geteilt. Auch schön.

www.samraggaband.de

Bild: Pressefreigabe

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