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4Lyn: Ein Sprengsatz, ein Zünder und eine Explosion

4LynWas sich wie eine Anleitung für eine hochkriminelle Machenschaft anhört, ist eigentlich nur die simple aber effektive Formel für ein hochgradig explosives Livekonzert. „Wir sind der Sprengsatz, die Songs sind der Zünder und die Fans sind die Explosion." Wir sind die Hamburger Combo 4Lyn, die Songs sind von ihrer neuen Platte COMPADRES, und die Explosion passiert im Münchner Backstage, wo es Ron Clauß (Gesang), René Knupper (Gitarre), Sascha Nunez Carrilho (Schlagzeug) und Björn Düßler (Bass) richtig krachen lassen. Vom ersten Moment an, da sie die Bühne betreten, fangen die Fans in den ersten zehn Reihen an zu brodeln. So etwas passiert unweigerlich, wenn man Musik aus voller Überzeugung macht. Und das machen 4Lyn schon seit fünf Jahren.

(siehe auch neueres Interview April 2008)

Wir haben sie im Rahmen ihrer Deutschlandtour getroffen. Im Gegensatz zum üblichen Sex’n’Drugs’n’Rock’n’Roll-Klischee empfängt uns Ron mit einer angehenden Kehlkopfentzündung auf der Couch liegend, mit einem Glas Tee in der Hand. Doch sobald wir unsere Aufnahmegeräte auspacken springt er auf, bietet uns gentlemanlike ein Bier an und beantwortet Fragen zum neuen Album. Im Gegensatz zu den letzten drei 4Lyn Alben entstand der neue Longplayer im heimischen Wohnzimmer von Gitarrist & Songwriter Rene. „Früher war es halt so ganz klassisch, alle vier im Proberaum und ab dafür. Diesmal war es anders. Diesmal hat Rene den größten Teil zu Hause geschrieben, im Wohnzimmer. Dann hat er die Sachen zusammengefügt, das Layout gemacht, und mir per MP3 rüber geschickt." Damit beweisen 4Lyn, dass man heutzutage ein Album aufnehmen kann, ohne ein renommiertes Studio oder einen Top-Produzenten zu buchen.

Mit COMPADRES liefern 4Lyn ihren vierten Longplayer ab. Der ist eine konsequente Weiterführung ihrer bisherigen Entwicklung. „Das erste Album das du machst, damit legst du das Fundament. Damit sagst du der Welt „Hallo, hier sind wir". Beim zweiten Album haben wir schon ein bisschen gelernt, wie es im Business aussieht. Da haben wir schon mehr aufs Songwriting geachtet. (…). Du kommst schneller auf den Punkt. Du machst den Song einfach kompakt. Das dritte Album, damit haben wir das Dach draufgesetzt aufs Haus, unter dem Motto: Ey, mit uns muss man rechnen. Das dritte Album war sehr melodiös, mit vielen Chören und viel Melodie. Es hat vielen Fans nicht gefallen, aber vielen neuen Leuten dann doch. (…) COMPADRES war jetzt wieder der Schritt weg von dem Glattgebügelten, mehr hin zum Live Song."

Und genauso wenig glatt gebügelt wie die Songs gehen die Kids bei ihren Shows ab. Das liegt in erster Linie an ihrer Musik. 4Lyn praktizieren einen schweißtreibenden Nu-Metal, bei dem man nicht stillstehen kann. Die geballte Power die an die Fans geht, kommt postwendend an die Band zurück. „Die neue Platte ist eine reine Fanplatte. Die Kids lieben die Platte. Denen geben wir live genau das, (…) was sie woanders nicht bekommen. Ohne die Leute, die zu unseren Shows kommen und die sich so fanatisch in unsere Band vernarrt haben, würde das alles nur noch halb so viel Spaß machen. Unsere Fans sind ganz ganz großartig".

STAY DIFFERENT

4LynDas die Band eine so treue Fanbase hat, liegt unter anderem an der eigenwilligen Persönlichkeit des Sängers. Auf den ersten Blick könnte man Ron mit seinen schwarz lackierten Fingernägeln und den schwarzen Haaren für einen Kopie von Ville Vallo halten. Doch mit diesem platten Vergleich würde man seine Individualität verkennen. Denn die äußerliche Andersartigkeit ist ein Politikum. „Sich einfach absetzen, ohne jemanden dabei auf die Füße zu treten. So einfach dein Ding durchziehen. Das ist manchmal mehr Politik als jedes Statement. Wenn du deine Meinung vertreten kannst, und deine Attitude, dein Leben so gestaltest, wie du es gerne hättest, ohne den anderen Leuten die Luft zum Atmen zu nehmen, das bedeutet STAY DIFFERENT." Genau das machen 4LYN auch musikalisch. Sie verwirklichen sich selber. Und genau deshalb passen sie auch nicht in die Schublade, in der all die amerikanischen Nu-Metal Helden lagern. Und somit wird auch verständlich, warum die vier Hamburger ihren Namen von Headtrip auf 4Lyn geändert. „Wenn Du dich so limitierst, dass Du sagst: wir heißen jetzt z.B. Metal Devil, dann weiß jeder was für Musik das ist, in welche Richtung das abzielt. 4Lyn ist ein Name, mit dem können wir morgen auch ein Jazz Album aufnehmen." Was bestimmt eine lustige Platte abgäbe. Aber bis das soweit ist werden die vier Jungs erst mal mit ihrem aktuellen Album die Hallen weiterhin zum brodeln bringen.
 

DAS GANZE INTERVIEW mit 4LYN

Was bedeuten die Fans für Euch?

Ron: Diese gesamte Band ist zu 50% immer noch so aktuell, weil die Kids da draußen verrückt sind nach dieser Band. Auf der neuen Platte COMPADRES gibt es einen Song, der heißt ONE LOVE. Das ist eigentlich ein reines Fan-Lied. Den Song haben wir nur für die Fans geschrieben. Wir sind der Sprengsatz, die Songs sind der Zünder und die Fans sind die Explosion. Ohne die Leute, die zu unseren Shows kommen und die sich so fanatisch in unsere Band vernarrt haben, würde das alles nur noch halb so viel Spaß machen. Unsere Fans sind ganz ganz großartig.

Welche Ziele verfolgt ihr mit Eurer Musik?

Ron: In erster Linie verfolgen wir das Ziel, unsere Passion weiterhin als Beruf durchzuziehen. Wir haben als kleine Proberaumband angefangen und sind dann im Jahre 2000 gesignt worden. Auf einmal haben wir gemerkt wie geil es ist, dass Hobby zum Beruf zu machen. Das ist unsere allererste Intention, wenn es ums Musikmachen geht. Weil das einfach das ist, was wir am Besten können: Live spielen, Platten aufnehmen und einfach die Seele baumeln lassen. Und das geht nun mal am Besten entweder auf der Bühne oder im Studio. Oder wenn man das tut, was man am meisten liebt - nämlich Musik hören. Das ist so unser eigener Anspruch. Unser Anspruch, was die Fan betrifft: die neue Platte ist eine reine Fanplatte. Die Kids lieben die Platte. Denen geben wir live genau das, wie im ONE LOVE Video schon gesagt, was sie woanders nicht bekommen.

Einer Deiner Leitsprüche ist: STAY DIFFERENT. Was willst Du damit aussagen?

Ron: Sich einfach absetzen, ohne jemanden auf die Füße zu treten. So einfach Dein Ding durchziehen. Das ist manchmal mehr Politik als jedes Statement. Wenn Du Deine Meinung vertreten kannst, und Deine Attitude, Dein Leben so gestaltest, wie Du es gerne hättest, ohne anderen Leuten die Luft zum Atmen zu nehmen, das bedeutet STAY DIFFERENT. Du musst mit Dir selbst klar sein.

Was ihr ja im Bereich der Musik vorlebt …

Ron: Wir haben nie mit der Intention angefangen Musik zu machen, um irgendwann einmal bei irgendwelchen Casting Shows mitzumachen. Ein Maler malt, ein Dichter dichtet und ein Musiker macht Mukke, so einfach ist das.

Ist die Band für Dich ein Lebenswerk?

Ron: Natürlich. Ich alleine bin mit den Jungens jetzt schon 11 Jahre unterwegs. Mit der Combo, aber nicht mit den Original Bandmitgliedern. Der Grundstein wurde bei mir vor 11 Jahren gelegt und ich bin der Letzte aus der alten Garde, der noch da ist.

Nicht immer als 4Lyn?

Ron: Nee. Früher hießen wir Headtrip. Dann kam das, was jede Schülerband kennt: Namen wechseln, Leute reinholen, Leute rauswerfen …

Welche Bedeutung hat denn 4Lyn?

Ron: Lyn war eine Single von unserem ersten Album. Headtrip war ein unmöglicher Name, den konnten wir unmöglich nehmen. Es hießen außerdem zu viele andere Bands so, da dachten wir uns OK, wenn wir schon einen neuen Deal unterschreiben, neues Chapter, lass uns mal umbenennen. Und wir hatten diesen Song Lyn, und irgendjemand meinte mal bei einer Tourprobe: wie wär’s denn mit 4Lyn. Er hat einfach nur gesehen, 4 Typen und den Song Lyn, und seitdem steht’s - ganz simpel. Wir wollten einen Namen, der nicht gleich nach einer Metalband klingt. Weil wenn Du dich so limitierst, dass Du sagst: wir heißen jetzt z.B. Metal Devil, dann weiß jeder was für Musik das ist, in welche Richtung das abzielt. 4Lyn ist ein Name, mit dem können wir morgen auch ein Jazz Album aufnehmen.

Was ist an der jetzigen CD anders als bei Euren vorigen CDs?

4LynRon: Das erste Album das Du machst, damit legst Du das Fundament. Damit sagst Du der Welt „Hallo, hier sind wir". Beim zweiten Album, da haben wir schon ein bisschen gelernt, wie es im Business aussieht und so. Und da haben wir schon mehr aufs Songwriting geachtet. Beim ersten Album waren natürlich alles Demo Songs, die wir damals aufgenommen haben. Die existierten schon seit Jahren und die spielen wir heute auch nicht mehr, weil wir sie so lange gespielt haben. Und weil die Songs, na ja, in seiner Jugend spielt man eben andere Songs. Du kommst schneller auf den Punkt. Du machst den Song einfach kompakt. Das dritte Album, damit haben wir das Dach draufgesetzt aufs Haus, unter dem Motto: Ey, mit uns muss man rechnen. Das dritte Album war sehr melodiös, mit vielen Chören und viel Melodie. Es hat vielen Fans nicht gefallen, aber vielen neuen Leuten dann doch. Und da kommt man dann wieder an den Punkt, wo man sagt: in erster Linie machen wir die Musik ja für uns selbst. Die Fans sind ja nicht im Proberaum. Klar es meckert immer jemand: hey macht doch mal so wie auf dem ersten Album. Wer das erste Album hören will, der soll zu unseren Shows kommen. Da spielen wir Songs vom ersten Album. Ich find nichts öder, als wenn Bands sich ihr Leben lang selbst kopieren, ihre größten Erfolge selbst kopieren. Und COMPADRES war dann jetzt wieder der Schritt weg von dem Glattgebügelten, mehr hin zum Live Song. Denn egal wie Du 4Lyn hasst, Du wirst immer sagen müssen: 4Lyn ist eine krasse Live Band. Das sagen sie alle. Egal wie man die Platten einschätzt und wenn man sie nicht mag, alle sagen: ihr macht eine Menge Action, was man bei vielen anderen Bands vermisst.

René Knupper betritt den Raum und wird von Ron lauthals begrüßt: Wir bekommen Besuch … und zwar kommt jetzt my man: Mr. Russo. Nehmen sie Platz junger Mann.

Da können wir ja gleich mal fragen: inwiefern seid ihr Compadres in der Band?

Rene: Indem Du einfach alles gemeinsam da mit durchziehst. Mit Rumzickereien, und richtig so Diskussionen. Aber eigentlich wir wollen nur das Beste.

Ron: Klar. Das ist wie in einer Ehe, wie in einer Familie. Du musst Sachen offen auf den Tisch legen. Du kannst sie auch für Dich behalten und hoffen, dass nichts passiert. Aber dadurch entstehen eben unterschwellige Aggressionen und dann irgendwann knallts. Daran sind auch viele Bands, mit denen wir damals gestartet sind, zerbrochen. Wir sind noch da, weil wir gelernt haben, ehrlich miteinander umzugehen. Du musst ehrlich miteinander sein, wenn Du einen Monat lang jeden Tag auf Tour in einem Nightliner sitzt. Wenn Du da anfängst rumzuflunkern, MAKES NO SENSE!

Wie entsteht so ein 4Lyn Song?

Ron: Früher war es halt so ganz klassisch, alle vier im Proberaum und ab dafür. Diesmal war es anders …

Rene: Diesmal habe ich den größten Teil zu Hause geschrieben, im Wohnzimmer. Dann habe ich die Sachen zusammengefügt, das Layout gemacht, und dann Ron per MP3 rüber geschickt. Wir sitzen jetzt alle schon seit längerem am Computer, mehr braucht man eigentlich nicht.

Ron: Das Internet ist ja nicht nur schlecht. Ich finde das immer wieder geil, weil mittlerweile kann man ja mit wenig Mitteln viel machen kann. Man kann heutzutage ein Album aufnehmen – wir haben dass bewiesen – ohne ein renommiertes Studio zu buchen, ohne einen Top Produzenten zu buchen. Wenn Du der Meinung bist die Songs taugen was, den Sound und das ganze … man muss nicht mehr zu viert in einem Raum sitzen. Björn (Bass) und Sascha (Schlagzeug) haben sich mal ganz bewusst raus gehalten und gesagt: Macht mal jetzt, mal sehen, was bei rumkommt. Und das hört ihr jetzt: COMPADRES. Und das sehen wir auch später auf der Bühne – YEAH.

Und wo kommt die Inspiration für die Songs her?

Rene: Wenn ein Album abgeschlossen ist, dann sammle ich gleich wieder neue Riffs oder Ideen, und die halte ich Herkömmlicherweise auf einem Diktiergerät fest. Die meisten davon benutze ich gar nicht, denn beim Aufnehmen entstehen einfach wieder neue Sachen. Sachen, die mich vielleicht mehr interessieren. So zum Beispiel auch bei ONE LOVE. Das war ein etwas älterer Song, eigentlich hieß er The Zero Song. Er war schon völlig vergessen, da haben wir ihn wieder rausgekramt. Irgendwie hatten wir vorher nie die Zeit gehabt, da irgendwas Sinnvolles draus zu machen. Und dann hab ich den Song komplett neu überarbeitet, und so hat er uns allen gefallen.

Ron: Das ist ein ganz großartiges Lied geworden. An den hat sich von uns gar keiner mehr erinnerte. Und Rene hat ihn einfach mal umarrangiert und schwuppdiwupp ist das einer der besten Songs auf der neuen Platte geworden.

Wie kommen die Texte dann dazu?

Ron: Manchmal reicht einfach nur ein Reim, manchmal reicht auch, dass ich auf ein Plakat gucke. Das menschliche Hirn assoziiert ja super viele Sachen gleichzeitig. Und geht ganz viele verschiedene Routen ab. Manchmal braucht es auch echt nur ein Stichwort und schon entsteht ein ganzer Text. Ich hab vier Blackbooks, die sind randvoll mit Texten, von denen ich jetzt ein Viertel verbraucht habe. Manchmal kommt Rene mit einem Song um die Ecke, wo ich sag: ey, ich hab da einen Text, der würde 1a wie Faust auf Auge da reinpassen. Manchmal muss ich für einen Song den Text komplett neu schreiben. Als TAKE IT AS A COMPLIMENT fertig war, habe ich mich nur gefragt: was schreib ich denn auf der nächsten Platte? Ich hab doch eigentlich jetzt alles gesagt. Das erste Album war mehr oder minder eine Party, mit Ansagenfaktor. NEON wurde schon etwas persönlicher .TAKE IT AS A COMPLIMENT war sehr persönlich, und da habe ich mir gedacht: OK, jetzt habe ich mich so nackig gemacht, rein textlich, jetzt weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr, was ich noch singen soll. Aber kaum kamen die Songs, auf einmal war irgendwie dann doch die Inspiration da.

Welche Erfahrungen habt ihr bis jetzt so gemacht auf dieser Tour?

Ron: Um 3 ist Laden (lacht). Wir sind ja wieder mit Julia unterwegs, waren wir letztes Mal auch schon. Viel verändert hat sich nicht. Man hat schon deja vus den ganzen Tag, weil man eben genau so eine Tour schon mal gemacht hat. Die Hallen sind noch voller geworden. Wie geil ist das! Es war ein richtig guter Tourvorverkauf, und das obwohl wir weniger Promo machen als in anderen Jahren. Das Interesse besteht, und das ist gut. Die Kids wollen die Platte und sie wollen uns natürlich dann auch endlich mal live sehen.

Famous Last Words:

Ron: Für alle Leute, die mit 4Lyn noch nichts anfangen können und zufällig auf diese Film- und Tondokument gestoßen sind: www.4LYN.de oder www.4LYN.com, kucken, dann erfahrt ihr mehr über Rene, Björn, Sascha und mich, was wir so tun, was unser Job ist, was unsere Passion ist, und an dieser Stelle klinken wir uns aus …

Interview: Lady Reason, Aufzeichnung: Pam

CD-Review der aktuellen CD "Compadres"