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The Virgins: "Gibt es je einen Plan B?"

ImageEinen kometenhaften Aufstieg haben die drei Jungs von The Virgins aus New York bisher hingelegt: Gründung 2005, Plattenvertrag bei einem Major in der Tasche, bevor die Band überhaupt komplett war, ihre Single "Rich Girls" unter den Top 100 2008 vom Rolling Stone Magazine und als musikalische Untermalung der amerikanischen Erfolgsserie "Gossip Girl", Fotoshooting für Tommy Hilfiger, hierzulande Auftritt bei Stefan Raab... Sie sind quasi zum Erfolg gekommen wie die Jungfrau zum Kinde.

Doch hat das alles nicht nur mit Glück oder Zufall zu tun, eine gute Portion Talent hat sicher auch sein Teil zu diesem Pop-Märchen beigetragen. Eingängige Melodien mit Ohrwurm-Qualitäten und einem Schuss 80er-Jahre-Nostalgie gepaart mit frechen Texten und kleinen Weisheiten machen aus dem Debütalbum des Trios ein abwechslungs- und temporeiches Hörvergnügen.

Sänger Donald Cumming gab mir bereitwillig Auskunft über woher, wo jetzt und wohin.

Eure Karriere ist ja ganz schön steil abgegangen, seit ihr die Band gegründet habt. Lebt ihr in gewisser Weise den Amerikanischen Traum?
Ich weiß nicht, ob das nur für Amerikaner gilt. Wenn man mit Musik aufwächst, Musik liebt und davon träumt, in einer Band zu sein und die Welt zu sehen, dann ist das sicher ein Traum, der in Erfüllung geht.

Hätte es einen Plan B gegeben, wenn es nicht von Anfang an so gut für euch gelaufen wäre?
Nicht wirklich. Gibt es je einen Plan B?

Donald CummingBei manchen Menschen schon.
Also ich hab keinen.

Angeblich habt du und Wade euch bei einem Fotoshooting von Ryan McGinley in Mexiko kennengelernt, bei dem viele nackte Körper an einem Strand eine Rolle spielten. Stimmt das?
Ja, aber wir hatten uns vorher schon in einer Bar in New York getroffen. Wir haben viele gemeinsame Freunde, aber sind nie zusammen abgehangen. Deswegen hatten wir uns nie kennen gelernt, bevor wir nach Mexiko gefahren sind. Es war so eine Situation, in der man jemanden trifft, der innerhalb einer Woche dann Teil deines Lebens wird. Das ist einfach so passiert.

Euer Bandname ist aber eher ironisch gemeint, oder?
Denkst du das?

Ja, schon.
Ich weiß nicht. Ich finde ihn ziemlich geradeheraus.

Ihr wirkt nicht wirklich wie Jungfrauen.
Das ist offen für Interpretationen.

Wenn wir über Ryan McGinley sprechen: Ein großer Teil seiner Arbeit dreht sich um Hedonismus. Solche Tendenzen sehe ich auch in eurer Musik. Würdet ihr euch als hedonistisch bezeichnen?
Nein, ich denke nicht. In unserer Musik geht es um unsere Erfahrungen, auch um unsere gemeinsamen, Sachen, die besonders mit uns zu tun haben und darum, eine Geschichte zu erzählen. Ich beschreibe mich selbst nicht gerne. (lacht)

Wade OafesIhr habt mit Tommy Hilfiger zusammengearbeitet.
Wir haben bei einem Fotoshooting mitgemacht und dafür Geld bekommen. Das ist jetzt nicht unbedingt eine Zusammenarbeit. Wir haben die Klamotten angezogen, und sie haben uns bezahlt.

Heutzutage arbeiten viele Designer mit jungen Indie-Bands zusammen. Sie inspirieren sich gegenseitig.
Ja, aber das war bei uns nicht der Fall. Es gibt Designer, die ich wirklich bewundere. Aber hier war es eher: Gebt uns soundso viel Geld und ihr dürft soundso viele Fotos machen.

Eure Musik kling sehr 80er-inspiriert.
Das ist die Zeit, in der ich aufgewachsen bin. Ich bin 81 geboren. Man hört viele Einflüsse auf unserem Album. Ich wollte einfach einige der Produktionselemente aus dieser Zeit aufgreifen, solche, die ich mag und andere, die ich nicht mag. Ich will nicht sagen, dass es in meinem Unterbewusstsein ist, denn ich bin mir dessen schon bewusst, aber sie sind so Teil meines Lebens, dass ich sie einfach verarbeiten musste.

Was waren denn zum Beispiel Dinge, die du nicht magst?
Ich glaube, so viel Zeit haben wir nicht. (lacht) Es gibt so viel Musik aus den 80ern, die ich absolut hasse. Aber das muss man auch einfließen lassen, sonst ist man nicht ehrlich. Zumindest denken wir so. Es ist das, was einen geprägt hat. Es ist sehr sicher, die guten Elemente zu verwenden und auszubeuten, aber daran sind wir nicht interessiert. Wir nehmen die Dinge, die relevant sind und wenden sie so auf uns selbst an, zum Guten oder zum Schlechten, aber immer ehrlich.

Heute hört man ja auch extrem viele Bands, die von den 80ern beeinflusst sind.
Ja, es gibt zwei Sachen, die man machen kann, wenn man dieses Spiel spielt: Man kann all die Retro-Sounds aus der Vergangenheit nehmen, von denen man weiß, dass sie damals schon funktioniert haben und mit ihnen arbeiten - das haben wir auch getan -, man kann aber auch die Elemente nehmen, die man abstoßend findet und auch sie einbauen. Das haben wir versucht.

Das macht es auch interessanter.
Zumindest für uns. (lacht)Ich weiß nicht, ob auch für andere.

Na ja, es scheint ja zu funktionieren. Der letzte Song auf eurem Album heißt "Love Is Colder Than Death". Das ist auch der Titel eines Films des deutschen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder, der einer der bedeutendsten Vertreter des Neuen Deutschen Films war. Dann kennst du dich damit also aus?
Ein bisschen.

Wie bist du auf den Film gestoßen?
Als ich aufgewachsen bin, habe ich immer Interviews mit Filmemachern gelesen, die ich bewundert habe. Sein Name wurde von mehreren erwähnt. Ich war immer schon Filmfan, ich lese gerne und verfolge den Werdegang verschiedener Menschen.

Nick Zarin-AckermanWürdest du dich als "filmischen" Menschen beschreiben? Damit meine ich, ob du, wenn du deine Lieder schreibst, sie vor deinem geistigen Auge als Bilder ablaufen siehst.
Ja, sehr. Ich denke ständig an Filme.

Hattest du irgendeinen Einfluss auf eure Videos?
Bisher noch nicht. Wir haben uns so darauf konzentriert, unsere Lieder zu schreiben, dass ich wollte, dass unsere Videos aus einer anderen Richtung kommen. Es hat bisher noch keinen Sinn gemacht, bei den Videos mitzureden.

Könntest du dir vorstellen, in Zukunft auch Filme zu machen, neben der Arbeit mit der Band?
Ja, vielleicht eines Tages.

http://www.thevirgins.net/
http://www.myspace.com/thevirginsnyc