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Jaqee - Kokoo girl

Geschrieben von Lubi am . Veröffentlicht in Tonkonserven

Tanz mit mirBeim Blick auf das Cover von "Kokoo Girl" kommen einem Dinge in den Sinn, welche schon lang nicht mehr im Blickpunkt stehen. Amerikanische Minstrel-Shows des 19. Jahrhunderts, Vaudeville-Theater, Josephine Baker und solche Sachen, die Tanz und Gesang in den Mittelpunkt stellen, den Zuschauern ein Spiel mit Klischees anbieten, aber auch eine gehörige Portion Satire um die Ohren hauen. All das hat mit "Kokoo girl" nichts zu tun. Oder?

Zunächst handelt es sich bei dem Album von Jaqee, der ugandischen Wahlschwedin, um Reggae....na ja, nicht wirklich. Aber behaupten wir das zunächst einmal. Schließlich ist Teka Jacks maßgeblich daran beteiligt. Der Mitbegründer des Kölner Rootdown Labels hat Jaqee schon für sein Album "Koalas Desperados" engagiert. Wer diese Produktion kennt, weiß, dass die Sängerin an wirklich coolen Koalasongs beteiligt war, z. B. "All night long". Man tat sich also anschließend zusammen und werkelte an "Kokoo girl". Dort ist Platz für Rocksteady-Klänge, die bisweilen an Dawn Penn erinnern ("Letter to Samson"). Oder für Ska à la Studio One beim Titeltrack, auf dem selbst die Posaune derart nach Studio One klingt, dass man an die Wiederauferstehung von Sir Coxsone glaubt. "Pink drunken elephant" stände auch einem Patrice gut zu Gesicht und "Take it or leave it" zeichnet sich durch die ungewöhnliche Kombi von Nyabinghi-Drums und Streichern aus.

Dieser Mix überrascht Jaqees Fans sicher nicht, denn die Frau debütierte 2005 schließlich mit Soul und hangelte sich mit ihren bisherigen drei Alben über Blues zu Interpretationen von Billie-Holiday-Songs. Vielseitigkeit scheint also eine ihrer Stärken zu sein, die "Kokoo girl" dazu verhelfen, Tradition und Zeitgeist zu verbinden. Das Kokoo girl ist wirklich keine olle Hippe, sondern eine coole Tante.

Bei aller Vielfalt gibt es aber doch eine Konstante, verrät uns Jaqee. Kokoo begleitet sie seit Jahr und Tag. ?????. Da lässt sich die Gute die Würmer aus der Nase ziehen: "Kokoo bedeutet Ironie und Ernsthaftigkeit genauso wie Sarkasmus und Spaß." Das klingt mystisch, hat aber vielleicht doch irgend etwas mit dem Cover zu tun.


Erscheinung: 2009 (25.09.)
Label: Rootdown Records
www.jaqee.com
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