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Faith No More & Harmful: double resurrection in der Jahrhunderthalle Frankfurt 22/06/09

Faith No More reunited - feels so good!Als ich vor ein paar Wochen zufällig mitbekam, dass Faith No More nach über 10 Jahren eine Reunion vorhätten, wagte ich dies kaum zu glauben. Meine Helden des Crossover der 90er wieder auf der Bühne? Wahnsinn - oder vielleicht doch keine so gute Idee (meinte ein Bekannter)? Ich fieberte und zweifelte... Und dann nur auf einem der Sommer-Festivals mit zigtausenden von Besuchern? Aber nein, plötzlich gab es doch auch zwei eingemogelte Hallentermine! So machte ich mich dann am 22. Juni auf nach Frankfurt zu Faith No More und ihrem Support Harmful, und was soll ich sagen - es war absolut überwältigend, so schön schräg wie nie zuvor!

Einmal mehr durch eine äußerst glückliche Fügung des Schicksals durfte ich schon beim Soundcheck dabei sein, außer dem Tontechniker allein in dieser Riesen-Jahrhunderthalle. Das war bereits sehr beeindruckend und auch unterhaltsam. Nach einigen Minuten mit Puffy (mit leicht ergrauten aber immer noch meterlangen Dreadlocks), Billy, Roddy und Jon kam dann auch Frontmann Mike Patton (prägend bei FNM von 1988-1998) und sorgte mit Humor aber auch Perfektionismus für den letzten Feinschliff. Danach hatte ich die Gelegenheit, kurz mit ihm zu sprechen, wobei er bester Laune war. Auf die Frage hin, wie es denn sei mit den Jungs wieder auf Tour zu sein, sagte er: "At the beginning it felt a bit awkward, but now it's great again!" Wir plauderten ein bisschen und er freute sich sehr, als ich mich lobend aussprach über seine anderen Projekte wie Fantômas oder Tomahawk. Als mir dann bezüglich des Soundchecks rausrutschte: "You're noisy today! The bass is pumping..." musste er doch lachen und konterte: "Oh yeah, it's gonna be great in this hall. Enjoy the concert!"

Technik-Turm
Setlist Harmful
Aren

Die Vorband Harmful (Interview mit Bassist Chris folgt) rockte aber zunächst die sich immer noch füllende Halle. Die Drei-Mann-Combo war einer persönlichen Einladung von Faith No More gefolgt. FNMs Bassist Billy Gould hatte mit Harmful das Album 7 vor ein paar Jahren eingespielt und diese Formation war damals auch mehrere Monate zusammen auf Tour gewesen. Da lag es nahe, dass man sich diesen lokalen Support organisierte. Der Werdegang dieser Formation bringt durchaus Interessantes zu Tage, bestätigend erzählte mir zum Beispiel Drummer Nico, dass sie mal mit Slayer vor dem Konzert in einer Halle Fußball gespielt haben. Für Harmful hieß es nun fix wieder proben, denn man war gerade in einer etwas längeren Bandpause.

Chris
Nico

Davon hat man auf der Bühne aber nichts gemerkt. Die drei Frankfurter rockten einen ordentlichen Querschnitt durch die neueren der sieben Alben und machten Dampf in der Halle. Den Song "Elaine" widmeten sie als Dankeschön Billy von FNM. Musikalisch oft im Noiserock angesiedelt haben sie in den letzten Jahren auch viele melodische oder gar folkloristische Elemente aus der Heimat des Sängers Aren eingesetzt. Live kam das Paket aber deutlich härter rüber als von der Konserve und passte gut als Einstimmung auf den Hauptact. Dabei muss man einfach mal ein großes Kompliment machen dafür, dass diese Band zu dritt so eine geballte Ladung hinbekommt!


Der Auftakt von Faith No More war grandios gemacht: Die Instrumentalisten kamen auf die fast dunkle Bühne, hin und wieder blitzte kurz ein Licht auf, der Song eine softe Cover-Nummer - "Reunited", wie sich schnell herausstellen sollte, sobald Mike Patton die Bühne betrat. Der Sänger im Spotlight, mit Anzug (samt übergroßem Blumenornament), Ton in Ton mit dem blutroten Vorhang im Hintergrund, mit Sonnenbrille und geknicktem Krückstock leicht gebrechlich auftretend ... und einer Schmachtstimme die ihresgleichen sucht.

schlicht und ergreifend...
Patton stilvoll
Jon

Es folgte ein Knaller der ersten Stunde mit Mike Patton als Sänger bei FNM - passenderweise "From out of nowhere" - und statt Krückstock griff der stimmgewaltige Shouter zum Megaphon, spätestens bei "Caffeine" unverzichtbar. Neben ruhigeren Titeln wie "Easy", "Evidence" (mit spanischem Teil) und "Just a man" gab es auch richtig harte Songs wie "Surprise you're dead" oder "Cuckoo for caca". Die Hymnen "Introduce yourself" und "We care a lot" aus der Zeit mit Sänger Chuck Mosley gehören erfreulicherweise immer noch auf die Setlist. Natürlich fehlten auch Singles wie "Midlife crisis", "Be aggressive" und das unvergessene "Epic" nicht. Über "King for a day" und "Last cup of sorrow" als einen meiner all-time Favourites konnte ich mich persönlich noch besonders freuen.

Billy
Roddy

Zwischendurch hatte der Sänger regen Kontakt mit der ersten Reihe, an der er sich im letzten Drittel des Konzerts auf den Schultern eines verdutzten Securitys vorbeitragen ließ, allerdings immer noch auf Sicherheitsabstand, oder als er später immer mal wieder seinen Mikrofonständer ins Publikum gab. Einer wollte den sogar behalten?! Zum mit nach Hause nehmen gabs allerdings nur zahlreiche Drumsticks und Plektren.

Patton at his best
Setlist Faith No More
King for a day - again and again...

Auch wenn alle Alben und Phasen vertreten waren - alles war einfach nicht möglich, aber ich hatte trotzdem das Gefühl ein Hammer-Hit jagt den anderen. Dabei war die Show als Gesamtes sehr dynamisch mit kleinsten Verschnaufpausen, die auch dringend nötig waren, denn die drei bis viertausend Zuschauer (zumindest ein großer Anteil) rastete einfach schlichtweg aus. Nicht mehr auf der Setlist findet man das zweite Encore, am heutigen Tag sollte dies "Take this bottle" sein. Die Wasserflasche hatte ich dann auch nötig nach diesem Kampf in der ersten Reihe, wie in alten Zeiten - einfach nur exorbitant fantastisch!