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AREA 4: die volle Ladung on stage & backstage PART 1

ImageDamit ihr auch richtig gut informiert seid, schickte unruhr gleich zwei Reporter beim diesjährigen AREA 4 ins Rennen (ohne, dass diese davon im voraus wussten), denn 4 Augen sehen bekanntlich mehr und 4 Ohren hören mehr als jeweils zwei… In diesem Fall ist das Resultat auf äußerst amüsante Weise sehr differenziert und wäre nicht in einem Bericht zu vereinen gewesen.

AREA 4 – 24.08.07 – 1. Tag

Das Area 4-Festival, das vor zwei Jahren erstmalig eintägig stattfand und letztes Jahr aus organisatorischen Gründen abgesagt werden musste, holte zum bemerkenswerten Comeback aus. Diesmal auf dem Flugplatz Borkenberge zwischen Haltern und Lüdinghausen angelegt, war es ein bewegtes und bewegendes Event zum Abheben! Viele hochkarätige Bands, unterstützt von Newcomern aus eigenen Landen sowie zahlreichen internationalen Acts verschiedener Musikrichtungen heizten drei Tage lang ordentlich und gekonnt ein. Und dies bei bestem Wetter, allgemein entspannter Atmosphäre und sehr tauglicher, übersichtlicher und sauberer Örtlichkeit, sowie meist äußerst freundlichem Personal.

Auch fürs Wohl von Leib und Seele war gesorgt mit üblichen Einrichtungen wie Getränkewagen für Bier und andere Drinks, mit abwechslungsreicher, internationaler Küche für jeden Geschmack, ordentlichen sanitären Anlagen und verschiedenen Ständen mit Accessoires – z.B. „Halle 15“,  bis hin zu einem Tattoo- / Piercing-Stand für Schnellentschlossene.

Tag 1 bot dem Hörer zunächst mit LEO CAN DIVE (vormals auch nur Dive), die sich einen guten Werbegag ausgedacht hatten – nämlich die kostenlose Hülle für einen Gratis-Download auf ihrer Homepage – und den aus Neuseeland weit angereisten DATSUNS easy-listening, aber bereits temporeiche Sounds.

Mit den DONOTS kamen altbewährte Publikumslieblinge vor die Leute, die sich gleich geehrt fühlen konnten, da Sänger Ingo sie als „Elite der Nation“ begrüßte, hatten sie sich doch zum noch recht frühen Freitagnachmittag bereits vor Ort eingefunden. Mit ordentlich schrebbeligem Rock und einer gekonnten Interaktion mit den Zuschauern (es herrschte ein reger Austausch von Kopfbedeckungen und der Sänger brachte dem Publikum bei, wie man ein Solo mit einem „Hey!“ aus der Tiefe wertschätzt…) brach der Bann schnell. Hits wie „Whatever happened to the 80s“ sorgten für Stimmung und Ingo setzte abschließend singend zu einem Crowd-Surfing  besonderer Art an.

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Dann hielt der tiefste Dschungel Einzug auf der Bühne. SOULFLY hatten Tarnnetze, eine Art Voodoo-Maske am Mikroständer, wobei durchaus Ähnlichkeiten mit Max Cavaleras Haarpracht  festzustellen waren. Wüster, kraftvoll wummernder, bassbetonter Metal-Sound dröhnte aus den Boxen und weckte auch den letzten Schlafenden wieder auf. Dabei schafft es diese Band aber auch melodisch zu sein, baut gezielte weltmusikalische Anleihen wie z.B. indianisch anmutende Rhythmen und Nu Metal Einflüsse ein. Marcello D. Rapp und Jackson Bandeira erzählten später grinsend, dass sie das Dschungelmotiv mögen, „… because we like bugs and ticks…“ – „No, it’s just cool!“.

Im Gedenken an des Sängers Herkunft – und im sozialen Sinne auch als Erinnerung an schlechter gestellte Länder in unserer Welt – schmückte eine Brasilienflagge den Hintergrund. Auch musikalisch hieß es back to the roots, mit einem Medley aus SEPULTURA-Songs. Der Bassist trug ein SAIGON KICK-T-Shirt und dieser Name war mir noch bekannt von einem Gig in London vor ca. 15 Jahren. Marcello erklärte: “They’re good friends of mine, they also live in Florida , but they don’t have a band any more.“

Als musikalisch grandios wäre noch Jacksons irres Solo auf einer zweihalsigen Gitarre in einer ruhigeren Phase in der Mitte des Sets zu erwähnen, während Max meinte, ein paar Einbußen zu haben: „My voice is fucked up!“ von denen man aber nichts merkte.

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INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY brachten nun mit ihrem äußerst agilen Sänger Dennis Lyxzén erstmalig richtig sportliche Bewegung in die Show. Spielerisch und gesanglich mit Pepp und Tempo servierten sie ihre Songs und boten einen krassen aber nicht unangenehmen Gegensatz zur Vorband. Die Einflüsse sind dabei hörbar aus den 60ern und 70ern, erinnern bisweilen auch mal ein wenig an sphärische Doors-Klänge oder punkig-rockige Who-Gitarrensoli. Damit garnieren INC geschickt ihren eigenen Indie-Sound. Aus den schwedischen Bands heben sie sich einwenig durch diese absolute Spielfreude und noch einen etwas verrückteren Touch hervor als andere eher poporientierte Bands, die wir vermutlich aus den Charts kennen.

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Die folgende Zwischenansage gegen 20 Uhr, dass SILVERCHAIR wegen Krankheit sehr kurzfristig abgesagt hätten, konnte die Massen nicht schocken, da als Ausgleich NOFX so lange spielen könnten, bis sie umfallen? Ein Angebot, dass Besänftigung schaffte und zeigt, dass der Veranstalter schnell reagieren konnte und keinen Rückschlag dieser Art für das noch so junge Festival im Aufbau zulassen wollte.

Aber zunächst kamen die EAGLES OF DEATH METAL, von deren Ankündigung her ich mir nicht so viel versprochen hatte, aber ich sollte mich so was von getäuscht haben! Wenn ich sie nun eine insgesamt etwas betagtere Band nenne, dann nur um hervorzuheben, dass sie auf eine Menge musikalische Erfahrung – sowohl band-, song- als auch bühnenmäßig – zurückgreifen können und dass man dieses auch zu spüren bekommt. Die in den wenigen Jahren seit Gründung öfter mal gewechselte Besetzung ist nicht so ganz nachzuvollziehen, aber QUEENS OF THE STONE AGE-Frontmann Josh Homme (hier am Schlagzeug) und Songschreiber Jesse „The Devil“ Hughes sind definitiv tragende Pfeiler.

Blues, Roadsound a la Easy Rider, Stonerrock und das ganze ein bisschen übertrieben ironisch-komisch dargestellt: fertig ist die bombastische Mischung der EODM! Trotz gängiger, sich wiederholenden Gitarrenriffs und simplem Schlagzeuggerüst wirkte hier nichts langweilig. Dies ist besonders auch Frontmann und (breitbeinigem Poser-) Gitarristen Jesse „The Devil“ Hughes mit seinen unterhaltsamen Ansagen zu verdanken: „This is one good-looking motherfucking crowd!“ Und nach dem nächsten Song: „Ladies, fucking honey shit good! Boys, take care of all these sweet babies!“

Der Rock n Roll sprühte quasi lebendig von der Bühne, wenn Jesse mit seiner halbakustischen Gitarre wahre Geschichten erzählte, wenn die Band nach effektvollen Breaks das Publikum wieder erneut anheizte. Der Spass auf der Bühne war während dieser Stunde genauso bei den Zuhörern zu spüren.

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Die Punkrocker NOFX, immer noch rotzig-frech, man mag auch sagen ein bisschen arrogant, beschlossen jedoch weitgehend spielstark, den ersten Abend. Um sie gibt es immer wieder etwas merkwürdige Geschichten, sei es ihre strikte Verweigerung von Interviews oder die Gründung eines Clubs zur allmonatlichen EP-Bestellung. Neue Wege schaffen bekanntlich Aufmerksamkeit und da es NOFX schon seit über 20 Jahren gibt, haben sie dementsprechend viele Fans und boten einen würdigen Headliner. Obwohl oder gerade weil Sänger Fat Mike immer noch nicht wirklich unförmig ist, rockte er wie erwartet die Show und ließ die songlich in melodischen Punk(rock) verpackten typischen Parolen gegen Rassismus, Bush und andere politische Phänomene auf das abfeiernde Publikum los. Mal schneller, mal langsamer, mal mit Reggae-Einfluss spielten sie so daher.

Ihre Website ist eher spärlich, so eine Art must have - na gut, dann muss da halt mal ein Bild hin… sie sind eben doch eher richtig altmodisch Punk, die Kalifornier von NOFX und da ist das Spielen bis zum Umfallen (ohne umzufallen), auch wenn sie ein wenig viel Belangloses erzählt haben, um vielleicht die Spielzeit zu strecken, wohl eine geeignete Ansage und Aufgabe gewesen.

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Gerade diese abwechslungsreiche, bunte Mischung – die Abfolge nach INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY und EAGLES OF DEATH METAL  NOFX auf die Bühne zu schicken, was von Besuchern im Forum bereits kritisisert wird – hatte meiner Meinung nach seinen besonderen Reiz, so dass hier trotz der Absage eigentlich pannenlos ein fantastischer erster Tag zu Ende ging und die Vorfreude auf mehr steigerte.

-Lady Reason-

alle Fotos: Daniela Vorndran (MySpace)      oder        www.black-cat-net.de

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