Deep, deep, deeper

Das haben sie sich verdient. Mit dem dritten Album "A force majeure" haben Tora nun endlich eine Colours Sessions bekommen. In den bunten Berliner Studios können die Australier ein Stück des neuen Albums performen. "In deeper" steht dabei stellvertretend für die Synthie-Melodien, die sich im Hirn festsetzen und mit dem neuen Werk endgültig zum Markenzeichen der Band geworden sind.
Die Jungs, die schon länger in Amsterdam zu Hause sind, verstehen es blendend, eine unwiderstehliche Mischung aus tanzbaren und nachdenklichen Elementen hinzubekommen. Das ist höchst niveauvoller Pop. "A force majeure" ist frisch veröffentlicht und enthält 11 Tracks anspruchsvoller Kunst.

www.toramusic.com.au

Dub di Dub

Nils Frahm, der alte Jazzer, war bisher des Dubs unverdächtig. Und auch gemeinsam mit F.S. Blumm macht er sich des Plagiats unschuldig. Denn das Ergebnis der erneuten Zusammenarbeit ist zwar dem Dub gewidmet, dieser unwiderstehlichen Musik, die auf Jamaica zu Beginn der 1970er erfunden wurde. Doch bezieht der Dub von Blumm und Frahm auf "2x1=4" seine Spannung nicht aus der kreativen Simplizität jamaicanischen Dubs, der von dem Ein- und Ausblenden verschiedener Tonspuren lebt. Der Dub der beiden Berliner hat seine Wurzeln mehr in elektronischer Musik, nutzt synthielastige, heftig verhallte Klänge.
Damit bewegen sich die Beiden im Bereich der digitalen Dichter und Denker, werden aber deswegen vermutlich nicht im Team Laschet enden. Dafür ist "2x1=4" zu cool geworden, denn auch Frahm und Blumm haben die unverzichtbare Basis guten Dubs erkannt: Eine solide Bassline.
"2x1=4" erscheint morgen bei Frahms hauseigenem Label LEITER und sei allen Fans der entspannten Unkonventialität wärmstens ans Herz gelegt.

www.fsblumm.de
www.nilsfrahm.com

I love Pop

Im letzten Jahr ging Eyedress richtig steil mit seinem Album "Let's skip to the wedding". Das ist nicht immer die beste Voraussetzung bei der Produktion eines neuen Albums. Der Kalifornier hat aber einfach weiter gemacht und haut ein Jahr später den Nachfolger "Mulholland Drive" raus.
In 16 teils nur 2-minütigen Tracks frönt Eyedress seiner speziellen Variante des Electro-Pop. Idris Vicuña, wie Eyedress von seinen Eltern genannt wurde, klöppelt auf "Mulholland Drive scheinbar alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest in seinen Plattenkisten liegt. Da klingt es manchmal krautrockig, nach Wave-Gitarren, wie R&B oder auch furchtbar seicht und schmalzig. Immer gepaart mit einer kräftigen Lässigkeit des amerikanischen Musikers und Produzenten, der dabei von einigen Kollaborateuren unterstützt wird, wie z. B. DāM-FunK, Vex Ruffin, Dent May und King Krule.
Das macht das neue Album abwechlungsreich und unverwechselbar. "Mulholland Drive" erscheint morgen bei Lex Records.

www.instagram.com/eyedress

 

Kimono ohohoh

Darf man heute eigentlich noch Rockmusik sagen? Oder doch besser Indie-sowieso oder Alternative-bla. Aber wenn die Mucke (ist das pc?) von Moped Ascona nicht gerader Rock ist, was denn dann? Überhaupt: Heißt eine Indie-Band Moped Ascona?
Mein Gott, sind das viele Fragen. Obwohl alles so klar ist. Moped Ascona veröffentlichen morgen ihr neues Album "Kismet Habibi". Ein 1a-Rockalbum, das es auch als Langspielpaltte gibt. Ein Album, das klassisch mit gesicherter Bierversorgung entstand. Ein konstanter Alkoholpegel als Basis. Auch Dosenbierpop für die Musik von Moped Ascona hört sich nicht ganz falsch an. Dass diese Band ein Insta-Account hat, ist ein Wunder. Eigentlich müssten es Pappschilder sein.
Manches kann so einfach sein! Darauf erstmal einen Piccolo...

www.instagram.com/mopedascona

 

Kopfnicken mit Genuss

Das ist gepflegter Soul, unterschwelliger Jazz, cooler Funk und wummernder R&B, den uns Swindle mit seinem neuen Album "The new world" anbietet. Es ist das inzwischen vierte Album des Briten, der mit dem Vorgänger "No more normal" vor zwei Jahren aufhorchen ließ.
Dementsprechend ist Swindle für das im Oktober erscheinende "The new world" bei BMG gelandet, nachdem er bisher bei unzähligen britischen Musiklabels veröffentlicht hat. „Darkest Hour" ist ein funkiger Soul-Track mit einer emotionalen Geschichte, dass man sich oft an einem dunklen, einsamen Ort befindet, bevor man dann gemeinsam wieder aufersteht.
Ein schönes Appetithäppchen für "The new world". Ein Album, für das Swindle eine Reihe namhafter Musiker.innen von der Insel gewinnen konnte, wie beispielsweise Greentea Peng, Loyle Carner, JNR Williams und Knucks.

www.swindle.world

Seid willkommen

Mit ihrem neuen Song liefert Tina ein starkes Statement zu zu Flüchtlingspolitik und Fremdenhass. So wie man es sich häufiger wünscht in der deutschen Musikszene. "Wir haben Platz" bringt auf den Punkt, was viele Menschen in Deutschland denken und was einige wenige gerne niederschreien würden.
Tyna niederzuschreien wird aber schwierig. Die Hamburger Band steht für geraden, lauten Rockpop mit Punkelementen. "Wir haben Platz" startet mit einem feinen 80er Jahre Keyboard, legt dann richtig los und steigert sich bis zum Refrain. Der ist richtig catchy, so dass man sich den Song sehr gut live vorstellen kann, wenn viele Leute einstimmen bei der Textzeile "Wir haben Platz".
Und Tyna kündigt weiteres Material an, das Haltung zeigt und trotzdem richtig Spaß machen soll.

www.tynamusik.de