Profichillen

Seit mehr als 30 Jahren verschreibt sich George Evelyn mit seinem Projekt Nightmares on Wax der süchtig machenden Mixtur aus Hip Hop und Downtempo Beats. Dem bleibt er sich auch mit seinem neuntem Studioalbum treu. "Shout out! To freedom..." erscheint morgen. Selbstverständlich bei Warp Records, dem Label, dem Nightmares on Wax seit Beginn treu ist.
"Shout out! To freedom..." versammelt wieder Beats und sample-lastige, gedrosselte Funk-, Soul- und Hip-Hop-Loops zu einem Sound, für den der Begriff des Chillens vermutlich erfunden wurde.
Wie viele Altmeister verpasst es Nightmares on Wax aber nicht, sich junge vielversprechende Artists ins Boot zu holen, damit der eigene Sound nicht im großen Retrokleister stecken bleibt. Und so findet sich auf dem neuen Album auch der schöne Track "Wikid satellites", in dem George gemeinsam mit Greentea Peng Babylon niedersingt. Aber auch Oshun und Pip Milett sind mit von der Partie bei diesem sehr hörenswerten Album.

www.nightmaresonwax.com

Schief, aber solide

Wer Littbarskis Beine für einzigartig hält, kennt nicht diesen Typen aus Bochum, gegen den Littis O wie ein Plagiat wirkt. Das können Go Go Gazelle natürlich nicht wissen, schließlich kommt die Band aus Augsburg.
Go Go Gazelles neues Liedchen wurde aber in Berlin eingespielt, was möglicherweise auch der Grund für diesen schönen Indie-Punk-Sound ist. Mehr als Gitarre, Bass und Schlagzeug brauchen Go Go Gazelle dafür nicht. Dazu ein mehrstimmiger Gesang und schon geht's richtig nach vorn. "Schief" ist ein gelungener Beitrag zum Thema Body Positivity und markiert den Vorlauf für das kommende Album der Augsburger. Soll im nächsten Jahr erscheinen.

www.instagram.com/gogogazelleband

Kurz skizziert

Eine einfache Synthiemelodie, dazu fast schon zurückhaltende Beats und etwas Goldener-Zwanziger-Flair: Fertig ist "Misplaced", der neue Song des Pariser Produzenten und Multiinstrumentalisten Crayon. Ein sehr strukturierter Track mit einer gewissen Kühle, in perfekter Harmonie zum Gesang von Jo Loewenthal. Jo ist ein Freund Crayons und gleichzeitig Frontmann der australischen Band Tora. Daher wirkt "Misplaced" wie verwandt mit Toras Output.
"Misplaced" wurde in der in der neuen Wohnung von Crayon mitten in Paris eingespielt, die jeden Sonntag Abend in einen privaten Jazzclub verwandelt wird. Dort kommen ganz verschiedene Sänger.innen, Musiker.innen, Dichter.innen, Maler.innen und zeitgenössische Swing-Tänzer.innen aus der Nachbarschaft zusammen. In den abendlichen Sessions verschwimmen die Grenzen zwischen traditionellen Jazzkategorien, elektronischer Produktion, UK Garage, US-Hip-Hop und Soul, so dass ein vollkommen neuer R&B-Sound zustande kommt. Letztendlich hört man genau das "Misplaced" an. Die Veröffentlichung flankiert Crayons neuen Vertrag beim Label Erased Tapes, wo der Song heute erscheint.

www.soundcloud.com/crayonoff

 

Süß bis dir schlecht ist

Am Ende bin ich mir gar nicht sicher, ob der neue Song von Kelis tatsächlich "Midnight snacks" heißt oder doch eher Midnight sex. Jedenfalls geht es um viel Farbe, Dickmacher und künstliche Füllstoffe im dazugehörigen Video. Das wird manch einer süß finden, anderen wird schlecht dabei.
Und Kelis befeuert die Zweideutigkeit des Songs: "Ich mag die Tatsache, dass man Sex und Essen auf so vielen Ebenen gleichsetzen und sogar komplett gegeneinander austauschen kann." Das Thema ist also gesetzt bei "Midnight snacks". Musikalisch vertraut Kelis auf Fanatix, das Produzentenquartett aus Nicki Minaj, Popcaan, Vybz Kartel und Giggs, das der R'n'B-Queen einen minimalistischen Beat zur Verfügung stellte. Der Track erinnert ein wenig an Kelis' Anfänge, die bereits auf das Jahr 1999 zurückgehen. Als die Dame gemeinsam mit ihren damaligen Produzenten Pharell Williams und Chad Hugo die Branche mit Songs wie "Good stuff" und "Caught out there" ordentlich durchschüttelte.
Mit "Midnight snacks" wird nun das siebte Album von Kelis für das nächste Jahr angekündigt. Sieben Alben in 23 Jahren. Überarbeitet hat sich die Zuckerbäckerin nicht.

www.iamkelis.com

Sounds für Küchenparty und Club

Mehr London geht nicht. Dieser erstaunliche Mix aus Broken Beat und Soul macht "Crazy that you love" maximal unwiderstehlich. Eine Remineszenz an die Zeiten von Massive Attack und Neneh Cherry, die niemanden kalt lässt, der auch nur einen Hauch von Verständnis für tief emotionale Musik hat. Rauher Charme, so weit weg von radiokompatiblen Sounds.
Hypnotische Wiederholung spärlicher Vocals im Zusammenspiel mit Melodien, die sich im Hirn festkrallen zeichnen "Crazy that you love" von Aurora Dee Raynes aus. Das Nordlondoner Kollektiv aus Sängerin Danielle Kranendonk, Keyboarder Nicolas Johnson und Produzent Stephen Raynes formierte sich  bereits 2012 in einer Londoner Küche bei gutem Essen und Rotwein und kündigt nun das Debütalbum "Invisible things" an, das im November bei Tru Thoughts erscheinen wird. Und wenn dieses Album mehr Tracks vom Kaliber "Crazy that you love" enthält, wird es uns in den Wahnsinn treiben.

www.soundcloud.com/aurora-dee-raynes

Bier in Kaffeetassen

Es ist langweilig. echt langweilig, wieder und wieder Swutscher zu besprechen. Aber es ist geil. Die Norddeutschen haben ein Händchen für schmutzigen Rock'n'Roll und passende Videos. Der aktuelle Song der Band heißt "Tabak" und macht Lust. Lust auf Spelunken, Lust auf Alkohol und vor allem Lust auf Kippen.
Das muss jetzt sein. Ein schönes Stauder aus dem Zapfhahn, eine Selbstgedrehte und Rock'n'Roll, Surf-Gitarren, ein treibender Bass plus durchgedrehte Orgel. Ahhhhh, tut das gut.

www.swutscher.de