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TweakerRay: "Nichts ist langweiliger, als wenn ein Song sofort gefällt"

ImageAnfang Juni erschein bei Fatal Recordings das neue Hanin Elias Album "Future Noir". Haben beim Solodebüt "No risk no fun" von Hanin Elias noch eine ganze Reihe von Gästen mitgewirkt, entstand "Future Noir" in Kooperation mit dem Hamburger Musiker und Producer TweakerRay. Eine lohnende Zusammenarbeit, beeindruckt die Musik doch mit dunkler, basslastiger Elektronik sowie Hanins verführerischem Gesang mit großen Melodien. Allerdings ist ungewiss, ob es eine Wiederholung der Zusammenarbeit geben wird, wie TweakerRay unruhr verriet…

Viele werden von TweakerRay auf der "Future Noir" zum ersten Mal gehört haben. Daher die Frage: Seit wann machst du unter diesem Namen Musik und welche Veröffentlichungen gab es bisher?

TweakerRay:
Seit den späten 80ern mache ich Musik. Damals noch mit einem Amiga 500! Unter TweakerRay mache ich seit 1999 Musik. Alles hat angefangen mit einem Projekt, welches ein Freund und ich ins Leben gerufen haben: SPITE. (
www.spite.info). Wir wollten experimentelle Musik machen ohne an irgendwelche Richtlinien gefesselt zu sein. Daher ist auch jeder Song von SPITE sehr unterschiedlich. Mal eher in Richtung Industrial, mal eher Richtung Filmsoundtrack. Wir wollten uns da nicht festlegen, sondern das machen, was uns Spaß macht. August 99 habe ich dann das erste Remix "Feierabend in Kiew" (TweakerRay Rock Remix) für die Industrial-Band KIEW gemacht. Danach folgten weitere Remixe für Kiew und einige Soundtracks für Amateur-Kurzfilme. Veröffentlicht sind bisher die Remixe für Kiew und natürlich "Future Noir". Auf diesem Album befindet sich auch ein Song von SPITE, der Hanin Elias so gut gefiel, dass sie darüber singen wollte: "Extreme V4" oder später als "War / Extreme V4" betitelt. Während wir Future Noir aufgenommen haben, haben wir ein Instrumental von Pzychobitch bekommen. Hanin hat auch die Vocals für diesen Song "Fitter than you" bei mir aufgenommen. Diese wurden dann von mir bearbeitet und an Pzychobitch zurückgeschickt. Der fertige Song ist ein supercooles Duett zwischen Sina und Hanin. Ein sehr gelungenes Album von Pzychobitch. Alle anderen Arbeiten von mir kann man sich auf www.tweakerray.de bzw. www.spite.info anhören. Auf der TweakerRay.de Seite findet man die Filmscores und anderen Produktionen, die ich so gemacht habe, sowie einige Remixe für Kiew und Jubilee (eine Hamburger Glam-Rock- Band). Außerdem gibts dort noch weitere Remixe zu entdecken.

Was sind Deine musikalischen Einflüsse und welche sonstigen Inspirationen fließen in deine Musik mit ein?

TweakerRay:
Einflüsse sind auf jeden Fall Bands wie Sisters of Mercy, Depeche Mode, David Bowie, Nine inch nails, Einstürzende Neubauten, Pixies, Prodigy u.v.a. Eigentlich jegliche Art von Musik. Ich habe früher sehr viel Musik analysiert und mir darüber Gedanken gemacht, warum einige Tracks besser funktionieren oder warum ein Album schnell langweilig wirken kann. Ich denke, dass Nine Inch Nails einen sehr guten Weg gefunden haben ein Album nie langweilig klingen zu lassen. Es sind sehr viele kleine Details in den Songs "versteckt". Ich hoffe, ich habe auch in meinen Songs ein paar Sachen "versteckt", die ein längeres Hören garantieren. Nichts ist langweiliger, als wenn ein Song sofort gefällt... Er darf nicht glatt sein. Diese Songs brennen sehr schnell aus. Die Songs, die ein größeres Potential haben, sind die, mit denen man erst nichts anfangen kann, ihnen eine zweite Chance beim Hören gibt und sie dann vielleicht ganz neu erlebt und immer wieder neue Feinheiten entdeckt. Manche Songs haben sich mir zum Beispiel auch erst über Kopfhörer ganz neu gezeigt.

Mit was für einem Equipment (Keys, Synth, Software...) arbeitest du?

TweakerRay:
Als Sequenzerprogramm dient mir Logic Audio. Als Keyboards ist ein alter Yamaha DX- 7, ein Korg M1, und ein altes Yamaha PSR 4500, welches mein erstes Keyboard war und eigentlich nur Erinnerungswert hat, aber einige schräge Sounds doch manchmal beisteuern kann, vorhanden. Dann arbeite ich mit Rebirth, einer ganzen Armada von Freewaresynths und Plugins und Kontakt von Native Instruments. Eine E-Gitarre von Overland mit Boss MT-2 Distortion. Und einem Harddiskrecorder von Roland: VS-1680 V-expanded.

Gibt es ein ganz spezielles Gerät für dich?

Ja das Roland VS-1680, das digital an meinen Computer angebunden ist und sehr schöne interne Effekte hat. Und es hat mich so gut wie noch nie bei Aufnahmen im Stich gelassen.


ImageWie kam der Kontakt mit Hanin Elias zustande und wie war die Zusammenarbeit? Habt ihr die Musik zusammen komponiert oder hat jeder Tracks vorbereitet, die ihr dann zusammen weiterbearbeitet habt?

TweakerRay:
Ich habe sie am 21.05.2003 auf dem Konzert in Hamburg kennen gelernt. Mein Bruder und ich haben uns das Konzert angeguckt und danach noch ein wenig mit Hanin und Phillip Virus gesprochen. Phillip kannten wir schon von einem DJ-Event. Ich hab ihm eine CD mit einer Auswahl Songs von meinem Bandprojekt SPITE und einigen Remixen von mir gegeben, um ein wenig Feedback zu bekommen. Phillip uns auch Hanin gefiel die CD mit den Songs. Ich bekam von Phillip Hanins Emailadresse, um mit ihr in Kontakt zu treten. Sie wollte auch eine CD mit den Songs, die ich Phillip gegeben hatte. Im Fatal-Recordings-Forum hab ich dann gelesen, dass jemand ein Remix von Hanins Songs machen wollte. Da ich ja schon in Kontakt mit Hanin stand, fragte ich sie ob ich nicht auch ein Remix machen könnte. Sie fragte mich daraufhin, ob ich nicht Lust hätte einen kompletten Song für sie zu schreiben. Das fand ich natürlich noch viel spannender und so sagte ich sofort zu. Ich fing an "Untouchable" zu komponieren. Hanin gefiel der Song sogar schon in der rohen Instrumental-Version und so hat sie mir den Titel dann spontan auf meinen AB gesprochen. Hanin ist am 24.07.2003 nach Hamburg gekommen und wir haben "Untouchable" eingesungen. Danach haben wir zusätzlich noch "War / Etreme V4" bei mir aufgenommen. Mein Bruder hat nebenher ein Video zu "War / Extreme V4" gedreht. Ich komponierte weiter die Instrumentals an den Wochentagen. Am Wochenende ist dann Hanin zu den Gesangsaufnahmen nach Hamburg gekommen und hat hier dann ihre Lyrics geschrieben und danach ihre Melodiestimme eingesungen. Dann ging es für mich wieder weiter, Instrumentals zu komponieren, die neuen Gesangsparts zu bearbeiten und Gitarren und Pianospuren aufzunehmen. Es war sehr inspirierend mit ihr zu arbeiten. Sie hat mir dann die Gitarrenspur von Thurston Moore (Sonic Youth) gegeben. Das war eigentlich eher Noise, da Thurston seine Gitarre mit einer Baumarktpfeile bearbeitet hat, und so diese Sounds der Gitarre entlockt hat. Um diesen Noisetrack habe ich dann "In my room" komponiert, der sehr sphärisch und düster angelegt ist. Passend zu der Stimmung in der sich Hanin zu der Zeit befand: sehr emotional und verletzlich. Sie hatte das Gefühl, ihr letztes Album zu machen und war sehr melancholisch und offen. Bertil Mark spielte dann noch geniale Schlagzeugspuren zu einigen Tracks ein. Daher auch die "After all (Original Version)" und die "After All (Drums Version)".

Seid ihr mit den Reaktionen auf die Veröffentlichung zufrieden?

TweakerRay:
Also, ich bin zufrieden mit den bisherigen Reaktionen. Auch wenn es einige wenige verletzende oder negative Kritiken gab, ist die Resonanz im Großen und Ganzen sehr positiv und es ist schön so ein Feedback zu bekommen, wenn man so viel Zeit und Energie reingesteckt hat.

Wird es eine weitere Zusammenarbeit mit Hanin Elias geben oder was das ein einmaliges Projekt?

TweakerRay:
So in dieser Art wird es wohl ein einmaliges Projekt gewesen sein. Erstmal muss ich meine eigenen Sachen voranbringen. Außerdem ist es oft auch ein Zeitproblem, da ich dann zwei Vollzeitjobs an einem Tag unter einen Hut kriegen muss. Und das ist nicht immer einfach. Aber wir werden sehen was die Zukunft bringt.

Stehen weitere Projekte oder Veröffentlichungen von TweakerRay an?

TweakerRay:
Ich arbeite zurzeit an einem weiteren Remix für die Band Kiew, welches auf ihrem neuen Album dann erscheinen wird. Außerdem habe ich auf meiner Seite (
www.tweakerray.de) ein "online-music-project" gestartet, wo ich mit allen Besuchern meiner Seite versuche einen Song zu produzieren. Es funktioniert so, dass ich als eine Art Schirmherr das Projekt leite, damit es nicht zu chaotisch wird. Jeder ist herzlich eingeladen mitzumachen (www.tweakerray.de/musicproject.html ). Es sind schon schöne Beiträge zu dem Projekt entstanden. Einige haben schon sehr coole Beats beigesteuert oder einfach nur ein paar Noises selber gebaut. Ich versuche dann so viele Einzelteile wie möglich in dem Song zu verwenden. So ist quasi ein Stück "Musik" von allen Beteiligten in diesem Song. Es ist sehr aufregen, inspirierend und macht sehr viel Spaß mit mehreren Leuten an dem Song zu arbeiten. Leider habe ich im Moment nicht sehr viel Zeit für das Projekt, da ich Vollzeit noch als Producer in einem Radiosender tätig bin und außerdem noch an dem Remix für Kiew arbeite. Aber sobald die Arbeit für Kiew beendet ist, werde ich mich wieder mehr um das Projekt kümmern können. Wenn dieser Song dann fertig ist, stelle ich ihn und die Einzelteile online zur Verfügung, so dass dann neue Remix-Versionen von dem Ursprungssong entstehen können. Ich denke das wird sehr spannend. Außerdem arbeite ich an neuem Solomaterial.

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