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steven severin „vampyr“

Geschrieben von N am . Veröffentlicht in Tonkonserven

steven_severin_vampyr_kleinsteven severin ist einer der musiker, die „eigentlich“ berühmt sind oder sein sollten, durch ihre arbeit „in zweiter reihe“ hinter dem jeweiligen aushängeschild / visuellen focus der band aber eben nicht in ebendiesem stehen bzw. standen. denn immerhin hat steven severin um 1978 herum zusammen mit siouxsie sioux die im laufe ihrer rund 20-jährigen laufzeit immer wieder szenebedeutsame band siouxsie and the banshees gegründet und bis zum endgültigen(?) split der band (siouxsie macht nach einer pause derzeit solo weiter) dort bass und keyboards gespielt und war auch in songwriting und lyrics involviert.


nach der auflösung der banshees hat steven severin ein eigenes label gegründet, soloalben veröffentlicht und filmsoundtracks komponiert. und mit dem starter „music for silents“ (2009) angefangen, eine dreiteilige reihe von soundtracks zu bestehenden stummfilmen zu entwickeln; eine versuchung, der in der vergangenheit (und auch durchaus immer noch derzeit) immer wieder mal einzelne instrumentalmusiker erliegen; möglicherweise weil stummfilme mit ihrer starken visuellen ästethik, die sich auf eindeutige, aber einzelne szenen stützt statt ein überangebot von bildern über die zuschauer zu kippen die fantasie stärker anregen können, als die meisten modernen filme es vermögen. und natürlich die tatsache, dass die meisten stummfilme zwar bereits irgendeinen soundtrack haben, dieser aber oft „nur“ auf einem einsamen klavier basiert; genau so, wie es damals während der filmaufführungen live dazugespielt wurde...

der dritte teil der „music for silents“ bezieht sich auf den film „vampyr – der traum des allan grey“, 1930 als semi-tonfilm (es sind wohl nur sehr wenige dialoge im film enthalten und die visuelle ästetik ist die eines stummfilms; der film gilt dabei laut externer quellen aus heutiger sicht als früher klassiker des horrorgenres mit durchaus eigener bildsprache) von dem dänen carl theodor dreyer produziert; übrigens mit laienschauspielern und mit dem geld eines mäzens und auf deutsch, was die meisten der darsteller gar nicht konnten und daher schlicht auswendig lernen mussten...

die 15 stücke auf steven severins „vampyr“ sind, entsprechend der von mir vermuteten und durch die namen der titel naheliegenden szenischen zuordnung eher kurz und musikalisch natürlich dem topic des films verpflichtet. heisst: dark ambient, keyboardbasiert, dabei, von wenigen momenten abgesehen, durchaus außerhalb der klischeefallen (wobei: eine vertonung eines vampierfilms, noch dazu eines alten vampierfilms; geht das überhaupt ohne leichte kollision mit klischees?), soundlich leicht korrodiert und damit und durch den vereinzelten einsatz von samples (ein altes streichorchester etc.) auch etwas (positiv gemeint) „altertümliches“ ausstrahlend. allein, ohne den film, so könnte man meinen vielleicht durch die kurzen tracks zu bruchstückhaft; durch ihre harmonischen bezüge untereinander im hören aber wesentlich homogener als das hier geschriebene vermuten lassen kann. insofern: auch als filmloses dark ambient album rein zum hören geeignet.

schöne grüße

N

http://www.stevenseverin.com/

http://coldspring.co.uk/

http://de.wikipedia.org/wiki/Vampyr_–_Der_Traum_des_Allan_Grey

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