Band of Skulls: ein Fisch, eine Katze und ein Einhorn
Geschrieben von: Patti Montag, den 01. Februar 2010 um 00:00 Uhr
Bei einem Bandnamen wie Band of Skulls erscheinen sofort schreiende, zottelige, lederbekleidete Death- oder Heavy-Metal-Barden vor dem geistigen Auge - zumindest vor meinem. Zottelig und lederbekleidet sind sie zwar schon, aber sonst haben Russell Marsden (Gesang, Gitarre), Emma Richardson (Gesang, Bass) und Matt Hayward (Drums) so gar nichts gemein mit dem assoziativen Schreckensbild.
Erst seit etwas über einem Jahr unter dem aktuellen Bandnamen unterwegs, haben die Drei bereits einige beeindruckende Erfolge zu verzeichnen. So wurde ihr Song “I Know What I Am” kurz nach der Exklusivveröffentlichung ihres Debütalbums “Baby Darling Doll Face Honey” im iTunes Store im März letzten Jahres zur Free Single of the Week und daraufhin 400.000 mal runtergeladen und erschien ihr Song “Friends” neben den Beiträgen von Bands wie Muse, Death Cab for Cutie oder The Killers auf dem Soundtrack des Hollywood Blockbusters “Twighlight: New Moon”.
Ab dem 22. Januar kann man ihren Erstling nun auch als physische Kopie in den hiesigen Plattenläden erwerben (zur Rezension geht’s hier). Das nahm die Band zum Anlass, zu einer Stippvisite in deutschen Landen vorbeizuschauen und sich unseren Fragen zu Fabelwesen, 70er-Jahre-Prog-Rock und einem erneuten Namenwechsel zu stellen.
Eure Karriere ist ja quasi von Null auf Hundert in Fahrt gekommen. Wie war das für euch?Emma: Man muss es einfach aufnehmen und weiter seine Shows spielen. Wir haben eigentlich gar nicht so viel davon mitbekommen, es waren hauptsächlich die Zeitschriften, die uns so gehypt haben.
Russell: Matt und ich haben angefangen, zusammen Musik zu machen, als wir noch sehr jung waren. Unsere Familien haben uns zusammengebracht, weil wir beide Musik mochten. Sie ermutigten uns, selbst Musik zu machen und stellten uns einen Raum im Haus zur Verfügung. Als ich dann auf der Kunsthochschule war, habe ich Emma getroffen. Wir hatten immer wieder andere Musiker, die mit uns spiel ten, aber Emma kam, um uns anzuhören und ist seitdem bei uns geblieben. Dann haben wir in vielen verschiedenen Bands gespielt. Fleeing New York war etwas, das wir für eine Weile gemacht haben. Der harte Kern der Band, wir drei, haben dann entschieden, etwas zu machen, das zu unseren Wurzeln führen sollte und das Album aufzunehmen, das wir immer schon machen wollten. Wir haben uns in Band of Skulls umbenannt, hatten die Chance, dieses Album aufzunehmen und es zu veröffentlichen. Das war auf iTunes, und so ist alles in Bewegung gekommen.
R: Einiges ist sehr ähnlich, aber damals haben wir mir unserem Sound herumexperimentiert. Und mit verschiedenen Stilrichtungen. Das machen wir jetzt zwar immer noch, aber viel eingeschränkter. Was wir jetzt machen, ist die pureste Version von uns. Wir haben alle Extras weg- und nur das Rohe übrig gelassen.
R: Ich denke schon. Der Text ist wohl unterbewusst entstanden. Es ist auf jeden Fall eine gute Einführung in das, was wir tun, dadurch, dass Emma und ich beide singen und Matts Schlagzeug im Vordergrund steht und genau so wichtig ist, wie alles andere. Insofern ist es eine gute Einführung, aber wir haben noch einiges andere auf dem Album.
R: Es geht ja allen Bands so, dass sich irgendwann die Frage stellt, wie sie sich nennen soll. Wir haben den Titel gesehen und dachten: Ja, das ist es. Es war nur ein Zufall.
Aber habt ihr euch auch mit dem Mindset von ihm identifiziert, der ganzen Gonzo-Geschichte?R: Es war eine sehr kreative Zeit.
R: Wir waren sehr daran interessiert, einmal unsere Musik zu einem Film beizusteuern, einfach weil es eine andere Art zu arbeiten ist . Es war eine ganz eigenartige Geschichte, denn wir waren gerade auf Tour in den USA, als wir die LA Times lasen. Da hieß es, Muse, Thom Yorke und Band of Skulls seien auf dem Soundtrack vertreten. Wir waren total baff. Wir fragten unseren Manager, und er meinte, ja, dieser eine Song, der nicht mal das Studio verlassen sollte, sei irgendwie drauf gelandet.
R: Ja. Letztendlich war es die Qualität der anderen Bands auf dem Soundtrack, die uns zustimmen ließ.
R: Es ist eine sehr interessante Platte.
R: Ja, europäische Vampirfledermäuse.
Gilt das für euch alle? Was ist mit dir Matt?M: Weil ichs mir gerne vorstelle.
R: Was ist mit uns beiden?
R: Cool, also nicht wegen irgendwelcher äußeren Merkmale (lacht).
M: Ich bin also noch nicht klassifiziert. Ich wäre ein Einhorn.
R: Interessante Beobachtung.
R: Mein größter Einfluss waren Pink Floyd.
Viele Bands hassen es, mit anderen verglichen zu werden und sprechen nicht gerne über ihre Einflüsse. Aber denkt ihr, dass es heute überhaupt noch möglich ist, etwas komplett Enzigartiges oder Eigenständiges ohne jegliche Einflüsse zu erschaffen?R: Jede Musik ist eine andere Version von etwas schon Dagewesenem. Selbst bei den ursprünglichen Blues-Musikern. Es gab immer schon Austausch. Das ist es, was Musiker tun: Sie tauschen Ideen, sie tauschen Lieder.
R: Und so wird es immer weitergehen.
R: Es ist wie beim Drehbuchschreiben: Wenn man eine Gruppe von Leuten hat, die alle ihre Ideen einbringen, von denen die besten genommen werden, kann das Produkt bur besser werden, als wenn es ein einzelner alleine macht.
R (holt einen Packen Papier aus einer Ledertasche): Das ist mein Beitrag.
R (lacht): Nein, Matt will wohl so was wie eine Jazz Odyssee machen. Oder was auch immer. Auf jeden Fall wird es für Emma und mich eine Überraschung. Wir werden nach unserer UK-Tour ins Studio gehen, bevor wir in den USA weiter touren.
http://www.myspace.com/bandofskulls
