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20111231

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Schneepferd; Marika Bergmann 2010/2011

 

, kurz vor Toreschluss, nur noch diese eine Chance: Ich vergesse auch die Frauen und krieche ganz in DICH hinein, Leser, bin schon gar nicht mehr hier im Text, bin schon in dir, in deinem Kopf, und jetzt - ja ja: sieh nur auf - jetzt höre ich, was du hörst!
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20111230

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Stumm?
Stumm vielleicht für die Wärter, die zu viert, fünft die Tür öffnen, die selbst schreien und sich gegenseitig Kommandos zubrüllen, die über die verbliebenen Reste des ehem. Rollstuhls trampeln, aber eigentlich schreit der metamorphierte Mann an der Zimmerdecke (ehem. im Rollstuhl) viel lauter als sie,
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20111220

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Geschichten aus der Todeszelle
Zehn Tage später macht das Ei ein Geräusch.
Oder hat ein Gespinst die Putzfrau (den Leser?) aus dem Schlaf gerissen? Nein, das hohle Knarzen kommt von oben. Man sieht hinauf zu dem Ei. Im Widerschein des weihnachtlichen Adventskranzes, den die Putzfrau widerrechtlich auf dem Veloursteppichfußboden der von ihr okkupierten Zelle entflammt hat, wirft es seinen Schatten auf die silbrige, von Schwalbennestern, Spinnweben und Hausschwamm übersäte Haut der Zimmerdecke.
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20111210

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Geschichten aus der Todeszelle
Der nächste Morgen ist nicht mehr der erfrischte Kopf. Nicht der kaffeeduftende eines klaren. Er ist das Erwachen im Schankraum einer Wirtschaft, die längst geschlossen hat, in der man als Vergessener zwischen Tischbeinen und Stühlen und Bodenflüssigkeiten und den Resten illegalen Tabakkonsums liegt. Er ist der Morgen feuchter, kalter, von Musik und Gelächter vergewaltigter Luft, der stille Morgen der Magd nach dem abendlichen Besuch beim Grafen, der doch so unbeschwert gewesen war, als er ihr den Docht des Lebens einführte.
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20111130

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Das Einssein mit dem Precor Crosstrainer EFX® 5.37 mit geschützter CrossRamp-Technologie. Die Maschine und der Verdrahtete per Interface verbunden. Hände um Griffe, Füße pedalt, Puls und Hirnschlag im Monitor. Laufen und gleichzeitiges Boxen (Rudern, Skifahren?) auf der Stelle.
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20111120

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle

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Geschichten aus der Todeszelle

 

Das Ganze hat nur eine Konsequenz: Das Gitter hebt den Penis.
»Hör auf!« sagst du, und schreist es, weil dir das unerträglich geworden ist, diese Bauchnabelschau eines sich im Kreise drehenden. Das Gitter, willst du mir sagen, DU, du Leser oder, noch schlimmer, du Autor, das Gitter ist nur der gewaltlos perfide Versuch, mich, den Mann im Rollstuhl, nicht nur äußerlich per Todeszelle und Paraplegie,
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20111110

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle


Geschichten aus der Todeszelle

Wieder daheim. In der Zelle. Keim allen Lebens (Biologie), Keim allen Todes (Philosophie). Das Rad einmal gedreht und jetzt alles ein bisschen moderner: Weiß gefliester Boden, weiß geflieste Wände, weiß geflieste Decke sogar, weiße Fliesen, die vielmehr aus Milchglas zu bestehen scheinen, Aufprallflächen, wenn sich das weiterdreht.

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20111020

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle


Geschichten aus der Todeszelle

Schwester schiebt den Mann im kaputten Rollstuhl ins Foyer. Eingangshalle, oder wie man das nennt, Entree der John-Thompson-Realschule, von Kunstlehrern bemalte Kalksandsteinmauern, hundertmal lackierte Heizkörper, jede Rippe hat schon eine Schülerstirn geschlitzt, und Terrazzobetonfliesen, unkaputtbar und doch: kaputt.

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20111010

Geschrieben von DERHANK am . Veröffentlicht in Geschichten aus der Todeszelle


Geschichten aus der Todeszelle

Erwachen in der Krankenstation. Klarheit. SIE (wer?) fragt, warum ich zurück sei, nach dieser spektakulären Flucht, mit Adorno und Friedrich. Man sei enttäuscht von uns, dass wir uns nicht an die Regeln halten usw., noch mehr aber verwundert, warum ich zurück?